POLITIK
24/04/2017 05:58 CEST | Aktualisiert 24/04/2017 08:13 CEST

Zwei muslimische Islamwissenschaftler fordern Kontrolle von Moscheen - und haben überzeugende Argumente

Wolfgang Rattay / Reuters
Junge Muslime in Köln hören einem türkischen Imam zu

  • zwei Islamwissenschaftler fordern ein Islamgesetz

  • Sie hoffen, dass so ein reformorientierter Islam gefördert werden kann

  • Die beiden unterstützen damit einen Vorschlag des CDU-Politikers Jens Spahn

Die Forderung des CDU-Politikers Jens Spahn, ein Islamgesetz in Deutschland einzuführen, stieß auf breite Ablehnung. Die meisten Kritiker sahen darin eine Einschränkung der Religionsfreiheit der Muslime, die gegen das Grundgesetz verstößt.

Jetzt bekommt sein Vorschlag überraschend Unterstützung - ausgerechnet von zwei muslimischen Islamwissenschaftlern.

Mouhanad Khorchide und der Publizist Hamed Abdel-Samad sprechen sich für ein Islamgesetz nach österreichischem Vorbild aus. Das 2015 in Österreich in Kraft getretene Gesetz regelt den rechtliche Status der Organisationen und Moscheevereine und schreibt vor, dass das österreichische Recht Vorrang vor Glaubensvorschriften haben muss.

Religionsgesetz könnte modernen Islam fördern

In einem Doppelinterview mit dem "Tagesspiegel" sagten die beide Wissenschaftler, dass ein Islamgesetz ein Weg wäre, den Einfluss konservativer muslimischer Verbände und ausländischer Geldgeber auf die Predigt in deutschen Moscheen einzudämmen und einen modernen, reformorientierten Islam zu fördern.

Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik in Münster, sagte, er finde die Idee von Jens Spahn "grundsätzlich sympathisch".

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"Ich bin sehr dafür, was ja auch Jens Spahn vorgeschlagen hat, dass der deutsche Staat die Imame finanziert, damit wir nicht auf Finanzierung aus dem Ausland angewiesen sind."

Die Mehrheit der Muslime in Deutschland werde durch die Verbände, die bislang viele Bundesländer als Ansprechpartner in Sachen muslimischer Religionsunterricht betrachten, nicht repräsentiert.

"Staat muss Lizenzen für Moscheen vergeben"

"Das grundsätzliche Problem ist, dass man in Deutschland versucht, das christliche Modell für den Islam zu übernehmen. Die Muslime werden immer aufgefordert, sich zu Quasi-Kirchen zusammenzuschließen, damit der Staat einen Ansprechpartner hat. Das entspricht nicht dem Selbstverständnis dieser Religion, das ist eine individuelle Religion."

Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad fordert, ein unabhängiger Wissenschaftsrat müsse entscheiden, welche muslimischen Theologen an Universitäten lehren, "damit die Lehrenden nicht auf die Zustimmung der Islamverbände angewiesen sind".

"Der Staat muss Lizenzen für Glaubensgemeinschaften und Moscheen vergeben und Auflagen machen: Die Moscheen müssen die Imame nehmen, die der Staat bestimmt, und dürfen nicht aus dem Ausland finanziert werden."

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