POLITIK
23/04/2017 20:58 CEST | Aktualisiert 23/04/2017 23:25 CEST

Wahl in Frankreich: Macron tritt gegen Le Pen an - 4 Dinge, die wir aus dem ersten Wahlgang lernen

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Gehen in die Stichwahl: Emmanuel Macron und Marine Le Pen

Die Franzosen haben sich entschieden - für die zwei Favoriten: Sie schicken den mitte-links Politiker Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl am 7. Mai.

So weit so erwartbar. Macron und Le Pen führten die Umfragen seit Wochen an.

Dennoch sagt dieser erste Wahlgang viel über Frankreich und den politischen Umbruch im Land aus. Hier sind vier Dinge, die wir aus dem Ergebnis lernen können:

1. Frankreich erlebt eine politische Revolution

Was jetzt schon sicher ist: Frankreich erlebt einen historischen politischen Umbruch. Die Sozialistische Partei, die den aktuellen Präsidenten stellt, wurde pulverisiert. Ihr Vertreter Benoît Hamon landete abgeschlagen mit rund sechs Prozent auf dem fünften Platz.

Aber auch die Konservativen, die jahrzehntelang zusammen mit den Sozialisten das Land prägten, sind ausgeschieden. Ihr Kandidat François Fillon muss sich um den dritten Platz mit dem Ultralinken Jean-Luc Mélenchon streiten.

Erstmals in der fünften Republik sind damit zwei Vertreter des Anti-Establishments in die Stichwahl gekommen. Macron, der keine traditionelle Partei, sondern seine Bewegung “En Marche!” anführt. Macron ist überzeugt, dass mit den traditionellen Parteien kein Staat mehr zu machen ist.

Und Le Pen inszeniert sich seit Jahren als das personifizierte Anti-Establishment. Sie ist gegen “die da oben” in Paris. Gegen “die da oben” in Brüssel. Und gegen “die da oben” in den globalisierten Großunternehmen.

Der ehemalige Trotzkist und radikale Linke Mélenchon landete bei knapp 20 Prozent.

Zwei Drittel der Franzosen sprachen sich in diesem ersten Wahlgang also für einen politischen Umbruch aus.

2. Die Franzosen haben verstanden, dass das Land neue Lösungen braucht

Frankreich hat unter dem aktuellen Präsidenten François Hollande Jahre der wirtschaftlichen Stagnation hinter sich. Die Arbeitslosigkeit ist hoch (ca. 10 Prozent), die Jugendarbeitslosigkeit noch höher (ca. 24 Prozent). Die Schulden steigen, die Investitionen fallen.

Das einzige, was in Frankreich boomt, ist die Hoffnungslosigkeit.

Kurz: Frankreich braucht harte politische Reformen, um wieder auf Kurs zu kommen. Das wissen die Franzosen. Gleichzeitig sträubt sich eine Mehrheit von ihnen gegen diese Reformen. Ein schwacher Präsident wie Hollande musste an diesem Widerstand scheitern.

Nun trauen die Franzosen also am ehesten Macron und Le Pen zu, diese Reformen umzusetzen - und nicht den Kandidaten der etablierten Parteien.

3. Mit Macron und Le Pen gewinnen zwei Deutschland-Kritiker

Deutschland war immer wieder Thema im französischen Wahlkampf. Dass Le Pen mit dem großen Einfluss Deutschlands in Europa nicht viel anfangen kann, ist bekannt. Le Pen will den Frexit, also das Ausscheiden Frankreichs aus der EU und aus dem Euro.

Aber auch Macron fiel in den vergangenen Wochen mit deutschland-kritischen Tönen auf. Damit schärfte er auch sein linkes Profil.

Macron fordert einen Stopp des Sparkurses in Europa - und stellt sich damit gegen die Euro-Politik von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Damit unterstützt Macron die Linie der Südländer in Europa wie Italien, Griechenland und Spanien.

Macron will außerdem eine weitergehende europäische Einigung. Er will zum Beispiel ein europäisches Finanzministerium und einen gemeinsamen europäischen Haushalt. Kritiker fürchten, dass damit die Schulden in Europa vergemeinschaftet würden.

Kurz: Weder ein Sieg von Le Pen oder Macron ist unbedingt eine gute Nachricht für Deutschland. Nach dem Brexit gewinnt Frankreich an Macht in Europa und in der Euro-Zone - die wird der neue Präsident oder die neue Präsidentin mit aller Wahrscheinlichkeit nutzen, um den Einfluss Deutschlands in Europa zurückzudrängen.

4. Le Pen hat zwar stark abgeschnitten - aber eigentlich jetzt schon verloren

Bei genauem Hinsehen, gibt es heute Abend doch eine Überraschung: Marine Le Pen konnte laut den ersten Hochrechnungen am Abend diesen ersten Wahlgang nicht gewinnen. Außerdem: Sie hat im Vergleich mit den letzten Präsidentschaftswahlen kaum zulegen können.

Die Rechtspopulistin führte einen Kampf um die konservativen Wähler in Frankreich und verabschiedete sich dafür von ihren schärfsten Forderungen.

Doch das half ihr nichts. Sie stagnierte in den Umfragen, auch wenn sie sie lange knapp vor Macron anführte.

Auch der radikale Rechtsschwenk in den letzten Tagen vor der Wahl hat Le Pen nichts mehr gebracht. 20 bis 25 Prozent - mehr scheint das rechte Wählerpotential in Frankreich nicht zu betragen. Das ist viel, keine Frage - aber es ist sehr weit von einer Mehrheit entfernt.

Das französische Fernsehen zitierte kurz nach der Wahl enttäuschte Front-National-Politiker: Sie hatten sich bis zu 30 Prozent erhofft, um mit diesem Ergebnis in die Stichwahl zu gehen. Daraus ist nichts geworden.

Die Franzosen sind in ihrer Mehrheit nicht empfänglich für die billigen Parolen Le Pens.

Für den 2. Wahlgang scheint der Ausgang laut den letzten Umfragen klar. Macron wird Le Pen deutlich schlagen. Die Konservativen und die Sozialisten haben ihre Wähler dazu aufgerufen, für Macron zu stimmen.

Mehr zum Thema: Über alle aktuellen Entwicklungen bei der Wahl in Frankreich hält euch unser Newsblog auf dem Laufenden

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