In der Stichwahl: Wie wahrscheinlich ist es jetzt, dass die Rechtspopulistin Le Pen Präsidentin wird?

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MARINE LE PEN
So wahrscheinlich ist es jetzt, dass die Rechtspopulistin Le Pen Präsidentin wird | Robert Pratta / Reuters
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  • Die Rechtspopulistin Le Pen erreicht laut einer Hochrechnung ihr bestes Ergebnis bei einer Präsidentschaftswahl
  • Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass sie nun Präsidentin wird

Der erste Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl hat keine Überraschungen geliefert: Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron führt nach der Auszählung von 80 Prozent der Stimmen vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen.

Am 7. Mai wird die Chefin des rechten Front National also gegen den jungen Macron im entscheidenden Wahlgang antreten. Ein Sieg von Le Pen gilt als schlimmstmöglicher Ausgang der Wahl.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sie die Stichwahl gewinnt?

Es nicht das erste Mal, dass ein Kandidat des Front National in den zweiten Wahlgang kommt. Le Pens Vater, Jean-Marie Le Pen, schaffte es 2002 für den Front National in die Stichwahl. Er scheiterte damals krachend gegen den Amtsinhaber Jacques Chirac. Der erhielt 82,21 Prozent der Stimmen.

Auch Le Pen droht im zweiten Wahlgang wohl eine deutliche Niederlage.

Die "gläserne Decke" hält stand

Französische Journalisten und Politikwissenschaftler bemühen für den Fall, dass ein Kandidat des Front National in eine Stichwahl kommt, die Metapher der "gläsernen Decke".

Der Begriff wird normalerweise für Lebensläufe von Frauen verwendet und bedeutet: Sie schaffen es weit nach oben, aber eben nie ganz nach oben.

Für Le Pen bedeutet das: Im zweiten Wahlgang werden sich alle anderen Parteien gegen sie vereinen. Sozialisten und Konservative - die im ersten Wahlgang eine Ohrfeige klassierten - wollen Le Pen auf jeden Fall verhindern.

Bereits jetzt rufen sozialistische und konservative Politiker dazu auf, im zweiten Wahlgang für Macron zu stimmen.

Der Frexit hat keine Mehrheit

Außerdem lehnt eine Mehrheit der Franzosen einen Austritt ihres Landes aus der EU ab. Das ist einer der wichtigsten Punkte in Le Pens Wahlprogramm - und ein weiterer gewichtiger Grund, warum die französischen Wähler ihr am 7. Mai eine Absage erteilen werden.

Auch wenn sich in einer Umfrage 2016 33 Prozent der Franzosen für einen Frexit aussprachen, war ein Großteil von 45 Prozent doch für einen Verbleib Frankreichs in der EU.

Auch wenn Le Pen mit 21,7 Prozent ihr bisher stärkstes Ergebnis bei einer Präsidentschaftswahl erzielt, deutet vieles also darauf hin, dass Europa die rechte Brandstifterin erspart bleiben wird.

In den Umfragen für den zweiten Wahlgang liegt Macron deshalb deutlich vor Le Pen: Er kommt auf rund 60 Prozent der Stimmen, Le Pen nur auf rund 40 Prozent.

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