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23/04/2017 18:34 CEST | Aktualisiert 23/04/2017 18:47 CEST

Der Vierkampf: Diese Kandidaten haben die größten Chancen bei der Wahl in Frankreich

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Der Vierkampf: Diese Kandidaten haben die größten Chancen bei der Wahl in Frankreich

Elf Kandidaten stehen in Frankreich am Sonntag zur Wahl - doch nur vier haben realistische Chance auf einen Einzug in die Stichwahl: Der konservative Francois Fillon, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, der unabhängige Favorit Emmanuel Macron und der linke Außenseiter Jen Luc Mélenchon.

Das müsst ihr jetzt über die vier wichtigsten Kandidaten wissen.

Francois Fillon: Der Skandal-Kandidat

Eigentlich ist es ein Wunder, dass Francois Fillon bei der Wahl überhaupt noch antreten darf. Denn gegen den Kandidaten der Konservativen ermittelt die französische Justiz - die Ermittler verdächtigen Fillon, Staatsgelder hinterzogen zu haben. Er soll seine Frau Penelope jahrelang zum Schein im Parlament beschäftigt haben.

Der 63-Jährige steht durch den Vorwurf seit Wochen unter Druck, vor der Affäre galt er vielen als Favorit für die Wahl. Der Skandal um die Veruntreuung von Staatsgeldern hat Fillon massiv Stimmen gekostet - und dennoch hat er laut den letzten Umfragen in Frankreich Chancen auf das Präsidentenamt.

Fillon spielte im Wahlkampf gerne seine Erfahrung aus, er war fünf Jahre lang Regierungschef unter Präsident Nicolas Sarkozy (2007-2012).

Marine Le Pen: Die rechte Umstürzlerin

Marine Le Pen hat hart dafür gekämpft, ihrer Partei ein anderes Gesicht zu geben. Der Front National galt als Sammelbecken der Rechtsradikalen und Ausländerhasser. Le Pen schlug - im Gegensatz zu ihrem Vater und Parteimitbegründer Jean-Marie Le Pen - sanftere Töne.

Sie verfolgt einen nationalistischen Kurs, will Frankreich aus dem Euro und auch aus der Europäischen Union führen. Sie lag in Umfragen vor der Wahl auf Platz Zwei - allerdings mit sinkender Tendenz.

Am Ende des Wahlkampfes schien es, dass sich ihr Mitte-Rechts Kurs nicht ausgezahlt hatte. Die Franzosen tendierten möglicherweise wieder eher zum konservativen Kandidaten Fillon.

Le Pen reagiert darauf mit einem schärferen Ton. Nach dem Terroranschlag in Paris am Donnerstag sagte sie, sie wolle alle vom Sicherheitsdienst beobachteten Gefährder die Staatsbürgerschaft ausweisen.

Der Sonntag wird zeigen, ob dieser rechte Kurs auf den letzten Meter Erfolg gezeitigt - oder mehr Wähler verschreckt hat.

Emmanuel Macron: Der Goldjunge

In Frankreich fliegen Emmanuel Macron die Herzen zu. Der junge unabhängige Kandidat hat es geschafft, mit seiner Bewegung “En Marche” Millionen Menschen zu begeistern. Vom Außenseiter hat er es so zum Favoriten der Wahl gebracht. Die letzten Umfragen vor Beginn des ersten Wahlgangs sahen ihn mit knapp 24 Prozent vorne.

Er will die Arbeitslosigkeit in Frankreich bekämpfen, seit Jahren liegt die nämlich bei ungefähr 10 Prozent. Macron möchte die Unternehmenssteuer senken, das Rentenalter bei 62 Jahren belassen und befristete Arbeitsverträge einschränken. Auch möchte er das Parlament verkleinern - ein umstrittener Vorschlag in Frankreich.

Es sind ambitionierte Pläne, die der 39 Jährige vorgelegt hat. Offen ist, ob er sie im Falle eines Wahlsieges einlösen wird können.

Macron ist zwar nicht gänzlich ohne politische Erfahrung. Unter dem amtierenden Präsident François Hollande war er zwei Jahre lang Wirtschaftsminister. Aber der ehemalige Banker wird vermutlich Schwierigkeiten haben, für seine Reformvorschläge Mehrheiten zu schaffen.

Mit seinem pro-europäischen Kurs ist Macron jedoch nicht nur die Hoffnung Frankreichs, sondern auch ganz Europas.

Jean-Luc Mélenchon: Der linke Revoluzzer

Lange fristete Jean-Luc Mélenchon im Wahlkampf ein absolutes Außenseiter-Dasein. Doch kurz vor dem Urnengang hat er sich in eine aussichtsreiche Position gekämpft - der links-sozialistische Politiker könnte es tatsächlich in die Stichwahl schaffen. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der französischen Ausgabe der Huffington Post war er zu Beginn April sogar Frankreichs beliebtester Politiker.

Auch bei den Wählern aus Übersee soll Mélenchon vorne liegen, berichtet der belgische Rundfunk.

Mélenchon steht für ein stramm linkes Programm, wettert gegen den wirtschaftlichen Liberalismus und die ultrareichen Eliten. Er will mit Frankreich aus der Nato und womöglich auch der EU austreten. Zumindest möchte er die Verträge der Union neu verhandeln.

Er will außerdem den Mindestlohn auf 1300 Euro anheben, die Rente ab 60 Jahren wieder einführen und an der 35-Stunden-Woche festhalten.

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