Die große Unbekannte: Wer ist Alice Weidel, die neue Spitzenkandidatin der AfD?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALICE WEIDEL
Die große Unbekannte: Wer ist Alice Weidel, die neue Spitzenkandidatin der AfD? | Wolfgang Rattay / Reuters
Drucken
  • Alice Weidel und Alexander Gauland sind die Spitzenkandidaten der AfD für die Bundestagswahl
  • Gauland ist für seine rechtsnationalen und oft kruden Thesen bekannt
  • Doch wofür steht die noch wenig bekannte Alice Weidel?

Auf einmal steht sie da, auf der Bühne neben Alexander Gauland, winkt und wird bejubelt. Alice Weidel ist am Zenit ihres politischen Wirkens angekommen, sie ist zusammen mit Alexander Gauland zur Spitzenkandidatin der AfD gewählt worden.

Doch außerhalb ihrer Partei kennt die 38-Jährige kaum jemand. Weidel ist eigentlich nur einmal wirklich auffällig geworden - als sie in der Talkshow "Maischberger" Kanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik die Mitschuld am Tod einer Freiburger Studentin gab.

Zur AfD passt Weidel also. Doch was macht sie als Person und Politikerin aus?

Mehr zum Thema: Zeit für Petrys Rücktritt: AfD straft ihre Chefin auf Parteitag ab

Das seriöse Auftreten Weidels täuscht

Alice Weidel gibt sich gerne als pragmatische Wirtschaftsexpertin. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schrieb über sie in einem Portrait, sie wirke "wie der Prototyp einer kosmopolitischen Enddreißigerin".

Was die AfD-Politikerin "an Kritik über den wackelnden Euro, die verdeckte Staatsfinanzierung der EZB oder den anstehenden Schuldenschnitt für Griechenland erzählt, könnte so auch in den Kommentaren wirtschaftsliberaler Zeitungen stehen", befanden die Autoren der "FAZ". Nur beim Thema Einwanderung sei Weidels Ton stramm konservativ.

Ingesamt sei Weidel "aber immer noch weit weg vom Anti-System-Jargon des radikalen Flügels der AfD."

Eine glatte Fehleinschätzung. Denn das seriöse Auftreten der neuen AfD-Spitzenpolitikerin täuscht: Mit Alice Weidel rückt die AfD noch ein ganzes Stück weiter nach rechts.

"Türken in Deutschland wollen den Schariastaat!"

Um Weidels rechte Gesinnung nachzuvollziehen, reicht ein Blick auf ihre Facebook-Seite. Auf dieser stößt man immer wieder auf rassistische Einträge.

"Türken in Deutschland wollen den Schariastaat", verallgemeinert Weidel da etwa faktenbefreit. Überhaupt: 90 Prozent der Deutschtürken hätten für die Machtergreifung Erdogans gestimmt, wofür ihnen der deutsche Pass entzogen werden sollte. Weidels Zahl liegt dabei fern jeder Realität.

In einem weiteren Facebook-Beitrag impliziert die AfD-Politikerin, dass Flüchtlinge auf dem Mittelmeer dem Tod überlassen werden sollen.

"Die grenzenlose Verblödung Europas spottet jeder Beschreibung", schreibt Weidel darin, "'Rettung' vor der afrikanischen Küste und Schleppertransfer gratis mit der Bundeswehr nach Italien. Am Osterwochenende haben 'Helfer' Tausenden Flüchtlingen bei der Fahrt über das Mittelmeer 'das Leben gerettet'."

Weidel will die deutsche Identität bewahren

Auch bei ihrer Antrittsrede auf dem AfD-Parteitag propagierte Weidel rechte Positionen. Sie kündigte an, die AfD werde Opposition gegen eine "unverantwortliche Migrationspolitik" machen und die deutsche Identität bewahren.

In Anspielung auf das Terrorattentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt sagte Weidel, es sei ein Skandal, dass christliche Feste inzwischen "mit Polizei, mit Maschinengewehren und LKW-Sperren" geschützt werden müssten."

Das also ist Alice Weidel. Nicht die "Alternative zu Höcke", für die sie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gehalten wird. Allerhöchstens eine "Alternative zu Petry". Auf jeden Fall aber: Rechts.

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(ll)

Korrektur anregen