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23/04/2017 13:35 CEST | Aktualisiert 23/04/2017 15:06 CEST

AfD-Bundesparteitag: Gauland und Weidel bilden Spitzenteam

Wolfgang Rattay / Reuters
AfD-Bundesparteitag: Gauland und Weidel bilden Spitzenteam

  • Die AfD wird mit dem rechtsnationalen Alexander Gauland und der wirtschaftsliberalen Alice Weidel in den Bundestagswahlkampf ziehen

  • Sie bilden ein ungleiches Duo - Weidel ist bisher kaum in Erscheinung getreten

Der rechtsnationale Parteivize Alexander Gauland und die wirtschaftsliberale Alice Weidel bilden das Spitzenteam der AfD für die Bundestagswahl im September. Das beschloss die Partei am Sonntag auf ihrem Bundesparteitag in Köln.

Das neue Spitzenduo erhielt knapp zwei Drittel der Stimmen. Es ist ein ungleiches Paar: Der ältere Herr mit der Lesebrille und die junge Frau, die bislang außerhalb des baden-württembergischen Landesverbands nur wenige kannten. Weidel wird der seit 2015 stark geschrumpften Strömung der Wirtschaftsliberalen zugerechnet.

Zuvor hatte eine große Unruhe geherrscht, ein Parteimitglied hatte mit einem Antrag versucht, die Wahl des Spitzenteams von der Tagesordnung zu nehmen.

Gauland hatte Petry noch am Samstag kritisiert

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hatte nach wochenlangem Tauziehen vor einigen Tagen überraschend erklärt, sie stehe als Spitzenkandidatin nicht zur Verfügung.

Gauland kritisierte am Rande am Samstag in Köln, es sei bedauerlich, dass Petry ihre Verantwortung nicht wahrnehme. Gauland hatte mit Petry in den Wochen vor dem Parteitag um die ideologische Ausrichtung der AfD gerungen. Er gilt als radikaler als die AfD-Chefin. Petry wollte die AfD mit einer "realpolitischen" Ausrichtung koalitionsfähig machen.

Mehr zum Thema: Zeit für Petrys Rücktritt: AfD straft ihre Chefin auf Parteitag ab

Gauland selbst hatte kürzlich in einem Interview die alleinige Spitzenkandidatur ausgeschlossen.

"Ich kandidiere nicht gegen Frauke Petry", hatte er gesagt. Für ein Spitzenteam stehe er aber zur Verfügung.

Gauland versuchte nach der Wahl, Petry eine Brücke zu bauen. Er sprach sie direkt an und sagte, sie habe wohl am Samstag, als ihr Vorschlag für eine Kurskorrektur abgelehnt worden war, einen "schweren Tag" gehabt, "aber wir brauchen Sie in der Partei".

Weidel will Erdogan-Fans ausweisen

Alice Weidel ist ein Vorstandsmitglied der AfD aus Baden-Württemberg. Schlagzeilen machte die Politikerin, als sie nach dem Verfassungsreferendum in der Türkei gefordert hatte, Deutschtürken, die für Erdogan gestimmt hatten, sollte die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt werden.

Im Vergleich zur AfD-Vizevorsitzenden Beatrix von Storch ist Weidel allerdings eine eher gemäßigte Kandidatin.

Parteiprogramm beschlossen

Auf dem Parteitag haben die Delegierten auch das Wahlprogramm der Partei für die Bundestagswahl beschlossen. 92,5 Prozent der Anwesenden stimmten dafür.

Die rechtspopulistische Partei will eine "ungeregelte Massenimmigration in unser Land und in unsere Sozialsysteme" beenden. Integration sei Bringschuld der Migranten - diese müssten sich "anpassen", betont die AfD in ihrem am Sonntag nach kontroversen Debatten beschlossenen Programm. Eine Stabilisierung der Sozialsysteme sei nur möglich, wenn "unsere begrenzten Mittel" nicht in "unverantwortliche Zuwanderungspolitik" gesteckt würden.

Deutschland sollte den Euro-Raum nach AfD-Auffassung verlassen. Für die Wiedereinführung einer neuen nationalen Währung - der D-Mark - müssten rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden.

Viel Raum nahm bei den Delegierten auch die Familienpolitik ein: Die Partei hält Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenzahl für erforderlich und will Familien stärker fördern.

Die AfD ist dagegen, dass Steuern und Abgaben "beliebig" erhöht werden können und fordert eine Umsatzsteuersenkung um sieben Punkte. Die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I solle abhängig gemacht werden von der Dauer der Erwerbstätigkeit zuvor. Wer als Rentner arbeiten wolle, müsse das künftig ohne Abstriche bei den Rentenbezüge tun können.

Mit Material der dpa

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