Kann Thomas Gottschalk dem "Tatort" gefährlich werden?

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Thomas Gottschalk: Kann er den

Der Sonntagabend ist eigentlich fest in "Tatort"-Hand. Der Deutschen liebste Krimi-Reihe heimst nahezu wöchentlich starke Quoten ein. Konkurrenz? Fehlanzeige! Doch das soll sich ändern. Dafür fährt der Privatsender Sat.1 ein echtes Schwergewicht auf: Entertainment-Gott Thomas Gottschalk (66). Er feiert am morgigen Sonntag zur Primetime mit seiner neuen Show "Little Big Stars" auf Sat.1 Premiere. Kann er dem "Tatort" tatsächlich gefährlich werden?

Wenn es einer schaffen kann, dann er. Das hätte zumindest vor rund zehn Jahren noch so gestimmt. Doch Gottschalk ist schon lange nicht mehr der Garant für Top-Quoten. Dazu reicht ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Vergangenes Jahr setzte auch der Kölner Privatsender RTL auf der Jagd nach dem Massenpublikum große Hoffnungen auf Gottschalk. Er bekam seine eigene XXL-Show "Mensch Gottschalk". Vier Stunden lang talkte der (herbst-)blonde TV-Liebling mit prominenten Gästen wie Nena oder "Wer wird Millionär"-Gewinner Leon Wundscheid über Themen die Deutschland bewegen.

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Vom Quoten-Gott zum Quoten-Flop

So wirklich bewegt hatte das nur niemanden. Gerade mal etwas mehr als zwei Millionen Zuschauer schalteten im Juni 2016 ein. Ein Marktanteil von bescheidenen 7,9 Prozent. Das war gar nicht Gottschalk-like. Eine ähnliche Erfahrung mussten zuvor bereits die Öffentlich-Rechtlichen machen. Das Erste wollte mit Gottschalk sein Vorabendprogramm aufpolieren und schickte den gebürtigen Franken Anfang 2012 viermal wöchentlich mit "Gottschalk Live" ins Rennen. Ein Desaster. Nur ein halbes Jahr später starb das Format den Quotentod.

Der "Tatort" hingegen ist eine der wenigen konstant erfolgreichen Formate im deutschen Fernsehen. Zuletzt konnte der Münsteraner "Tatort" mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl in den Hauptrollen sogar einen neuen Rekord aufstellen: 14,56 Millionen Zuschauer verfolgten am 2. April 2017 die Episode "Fangschuss" - so viel wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das entsprach einem gigantischen Marktanteil von 39,6 Prozent. Gegen die Quoten-Könige von der westfälischen Domplatte muss sich Gottschalk diesen Sonntag nun nicht behaupten, aber mit den Wiener "Tatort"-Kommissaren Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) hat er trotzdem starke Konkurrenz.

Konkurrenz kommt nicht nur vom "Tatort"

Das österreichische Ermittler-Duo hatte von Oktober 2014 bis Oktober 2016 durchschnittlich rund 8,63 Millionen Zuschauer. Eine Quote, die Gottschalk zuletzt auf dem "Wetten, dass..?"-Sofa überbieten konnte. Aber das ist bekanntlich lange her. Mit "Little Big Stars" will er nun die Talente von Kindern im Alter von 3 bis 14 Jahren in den Mittelpunkt stellen. Klingt nach einer guten Mischung. Auf der einen Seite der lustig, lässige Märchenonkel mit dem blond-grauen Haar; auf der anderen Seite begabte Kids, die vermutlich nicht mal wissen, dass ihnen einer der größten deutschen Entertainer gegenübersteht.

Doch das alleine wird nicht reichen, um ein Schreckgespenst für den "Tatort" zu werden. Der Name Gottschalk ist zwar nach wie vor positiv behaftet, aber er sorgt nicht mehr für ein Monopol vor der Flimmerkiste. Hinzu kommt, dass "Little Big Stars" auch vom ZDF starke Konkurrenz bekommt. Dort startet am Sonntag um 20:15 Uhr der Dreiteiler "Honigfrauen". Das DDR-Drama handelt von den Erfurter Schwestern Catrin und Maja Streesemann, die im Sommer 1986 erstmals alleine in den Urlaub an den Balaton fahren. Somit ist selbst der zweite Platz im Quoten-Ranking für Gottschalk in Gefahr...

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