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22/04/2017 09:44 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 10:11 CEST

"Nicht für Konzentrationslager schämen": Französischer Rechtspopulist entlarvt sich bei "Heute Show"

Screenshot/ZDF
"Ihr müsst euch nicht für Konzentrationslager schämen": Französischer Rechtspopulist gibt "Heute Show" entlarvendes Interview

Die Chefin des Front National, Marine Le Pen, wollte ihrer Partei ein neues Gesicht geben. Der Front National sollte nicht mehr als Sammelbecken der Rassisten und Rechtsradikalen gelten - sondern als wählbare Option im Präsidentschaftswahlkampf für bürgerliche und konservative Franzosen.

Ein Interview eines Front-National-Politikers mit der Nachrichten-Satire "Heute Show" im ZDF am Freitag zeigt aber, wie einige Parteikollegen Le Pens wirklich denken. Die Aussagen des Front-National-Chefs im Elsass, Laurent Gnaedig, klingen dabei ziemlich wie die Sprüche des Rechtsaußen Björn Höcke.

Gnaedig sagte zum Beispiel gegenüber dem "Heute Show"-Reporter Lutz van der Horst, dass Höcke sein Vorbild sei. Tatsächlich teilen die beiden dasselbe, revisionistischen Geschichtsverständnis, wie im Interview deutlich wird.

"Die ersten Konzentrationslager gab es in Südafrika"

"Ihr Deutschen schämt euch immer über die Geschichte", sagt Gnaedig in die Kamera. "Heute Show"-Reporter Van der Horst will einwerfen, dass es dafür ja Gründe gebe. Aber Gnaedig lässt sich nicht stoppen - und macht entlarvende Aussagen.

"Man muss das nicht tun", sagt er. "In der ganzen Welt hat es Krieg gegeben, die ersten Konzentrationslager gab es, glaube ich, in Südafrika. Ihr braucht jetzt nicht so negativ zu sein gegenüber eurer Vergangenheit."

"Heute Show"-Reporter van der Horst blickt in diesem Moment leicht entgeistert in die Kamera. "Ich glaube, Sie hätten sich gut mit meinem Großvater verstanden", sagt er.

Zwar stimmt es, dass auch die Briten im Burdenkrieg um die Jahrhundertwende von Konzentrationslagern sprachen, wenn sie Frauen und Kinder in Südafrika in Lager zusammendrängten. Aber Gnaedig geht es wie Höcker bei seiner berüchtigten "Denkmal der Schande"-Rede in Dresden darum, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren.

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Le Pen auf der rechten Spur

Von einer Rede von Höcke, sagt Gnaedig, sei er sehr begeistert gewesen. Van der Horst fragt abschließend, ob der Front National Höcke aufnehmen würde. "Er könnte ein politisches Asyl beantragen und ich würde das selbstverständlich bejahen", sagt Gnaedig.

Die vergangenen zwei Jahre hat seine Chefin Le Pen versucht, mit sanfteren Parolen Wähler der Mitte anzusprechen. Und ihr Parteikollege Gnaedig relativiert in einem Interview den Holocaust und will einen deutschen Hardliner der AfD aufnehmen.

Der Front National kann seine hässliche Seite nicht verbergen. Seit die Umfragewerte von Marine Le Pen sinken, setzt die Rechtspopulistin kurz vor der Wahl darauf, mit einem schärferen Ton gegen Einwanderer Wähler am rechten Rand zu mobilisieren.

In der Mediathek des ZDF könnt ihr die Sendung sehen.

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(ks)

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