Zeit für Petrys Rücktritt: AfD straft ihre Chefin auf Parteitag ab

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FRAUKE PETRY
Niederlage für Petry: AfD-Parteitag befasst sich nicht mit ihrem Zukunftsantrag | dpa
Drucken
  • AfD-Chefin Petry scheitert auf dem AfD-Parteitag in Köln mit ihrem "Zukunftsantrag"
  • Die Mehrheit der Delegierten hört in inhaltlichen Fragen nicht mehr auf ihre Chefin
  • Ein Rücktritt wäre nun konsequent

Kaum hatten die Frauke-Festspiele begonnen, da waren sie auch wieder zu Ende.

Zu Beginn des AfD-Parteitags empfingen die Delegierten ihre Parteichefin unter Applaus, Standing-Ovations und "Frauke, Frauke"-Rufen. Petry nutzte die anfängliche Euphorie für ein flammendes Plädoyer für ihren "Zukunftsantrag", den die Delegierten dann später krachend durchrasseln ließen.

Mit ihm wollte sie der Partei ein für alle Mal einen realpolitischen Kurs verordnen und im innerparteilichen Ringen durchsetzen, dass die AfD sich mittelfristig koalitionsfähig macht.

Die Petry-Festspiele waren schnell zu Ende

Auch bei knappen Mehrheiten solle die unterlegene Minderheit das Votum "öffentlich mittragen und offensiv verteidigen", mahnte Petry. Das Bild der Partei in der Öffentlichkeit dürfe nicht von einer "lauten Minderheit" bestimmt werden.

Was die Delegierten davon hielten, machten sie schnell deutlich. Sie ließen den Antrag nicht zur Abstimmung zu - und schmissen ihn damit von der Tagesordnung. Auch den Antrag des Vorstandsmitglieds Albrecht Glaser, ein Anhänger Petrys, ließen sie durchfallen. Darin ging es unter anderem darum, kein Spitzenteam aufzustellen.

Mehr zum Thema: NEWS-BLOG zu Köln: Alle Infos zum AfD-Parteitag

Die Mehrheit der Delegierten hört nicht mehr auf Petry

Ein großer Teil der AfD - und das ist seit heute klar - steht damit in inhaltlichen, strategischen und personellen Fragen nicht mehr hinter der Parteichefin. Das ist nur konsequent, nachdem sie am Mittwoch völlig überraschend bekannt gab, für ein Spitzenteam im Walkampf nicht zu Verfügung zu stehen.

Nun muss sich Petry die Frage gefallen lassen, wie sie diese Partei in Zukunft noch führen möchte.

Wie beschädigt ihre Autorität ist, wird sich spätestens im Bundestagswahlkampf zeigen. Jetzt ist schon abzusehen, dass es darin zum Kräftemessen zwischen Petry und dem Spitzenteam kommen wird, das in Köln noch aufgestellt wird.

Für einen kurzen Moment klang es so, als würde Petry tatsächlich zurücktreten

Es gibt wenig, das Wähler deutlicher abstrafen als innerparteiliche Querelen. Ein Machtgerangel zwischen Petry und dem Spitzenteam würde der AfD schwer zu schaffen machen. Die Partei wäre schon einmal fast von der politischen Landkarte verschwunden, als sie sich 2013 selbst zerlegte.

Petry muss sich nun fragen, ob sie sich das antun möchte - oder zurücktritt. Das wäre nach diesem Parteitag nur konsequent.

Als Petry nach der Schlappe ein kurzes Statement abgab, klang es für einen kurzen Moment auch so, als würde sie tatsächlich zurücktreten.

Den Beschluss nannte sie misslaunig eine "folgenschwere Entscheidung". Jetzt werde sie die Partei beobachten. Mehr aber auch nicht.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg


(ll)

Korrektur anregen