So verbreitet Putin seine Fake News in Deutschland

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PUTIN
Putin greift den Westen digital an. | POOL New / Reuters
Drucken
  • Ein Medienbericht zeigt, wie Russland erfolgreich Falschmeldungen in Deutschland streut
  • Deutschland sei noch wenig darauf vorbereitet, dem Kreml Paroli zu bieten

Bundeskanzlerin Angela Merkel will eine höhere digitale Schlagkraft. Wie die "Bild" berichtet, habe sie den Bundessicherheitsrat dazu aufgefordert, die rechtlichen und technischen Möglichkeiten dazu zu prüfen.

Wie die "Bild" schreibt, reagiere Merkel damit auf die wachsende Gefahr aus dem Osten: Russlands Präsident Wladimir Putin rüste bereits für den digitalen Krieg auf.

Deutsche, schwedische, amerikanische und britische Sicherheitskreise würden nicht mehr ausschließen, dass Russland vor den Bundestagswahlen Deutschland digital angreifen werde. Möglich seien etwa Attacken auf Telekommunikations- und Stromnetze, Kraftwerke und Pipelines.

Deutschland schlecht vorbereitet

Derzeit seien die deutschen Nachrichtendienste aber nicht in der Lage, solche Angriffe effektiv zu kontern. "Es hapert schon bei der Ortung der Angreifer“, so ein Insider gegenüber der "Bild".

Russland hingegen mache weitere Schritte, um die eigene Schlagkraft im Netz zu erhöhen. Putin habe befohlen, sämtliche Kompetenzen für Hackerangriffe, Cyber-Krieg und Desinformation seien in militärische Strukturen zu überführen.

Damit wolle der starke Mann im Kreml strengere Kommandostrukturen und eine größere Schlagkraft erwirken sowie Informationslecks nach außen stopfen.

Internet-Trolle und Hacker-Trupps

Die mächtigen russischen Oligarchen sollen ebenfalls ihren Beitrag zur erhöhten Schlagkraft leisten. Sie sollen an ihre Unternehmen ausgelagerte Dienstleistungen, "Bild" nennt Internet-Trolle und Hacker-Trupps als Beispiele, wieder zurück an den Staat transferieren.

Der Kreml betreibe bereits heute eine Desinformations-Kampagne gegen Deutschland, für die diese "Dienstleistungen" zum Einsatz kämen. Exemplarische zeige das etwa der Umgang der Öffentlichkeit in Deutschland mit den Giftgasangriffen in Syrien am 4. April 2017.

Bereits am selben Tag sprach Außenminister Sigmar Gabriel davon, das syrische Regime trage die Verantwortung für die Gasangriffe.

Russland streut falsche Informationen

Am nächsten Tag legte er nach und sagte: "Der Giftgasangriff in Syrien ist ein barbarisches Kriegsverbrechen. Die Verantwortlichen des Assad-Regimes für diese Barbarei müssen zur Verantwortung gezogen werden.“ Russland trage als Verbündeter von Assad "eine besondere Verantwortung".

Doch Russland gelang es, wie die "Bild" schreibt, eine alternative Erklärung der Ereignisse in Syrien in Umlauf zu bringen. Assads Luftwaffe habe einen Angriff auf "ein großes Munitions- und Waffenlager der Terroristen“ geflogen.

Dem Kreml gelang es gar, die Rebellen für die Gas-Tragödie verantwortlich zu machen: "Auf dem Territorium dieser Lagerhäuser wurden Sprengladungen produziert, die mit giftigen Stoffen gefüllt waren.“

"Ziemlich fantasievoll"

Der britische Chemiewaffenexperte Hamish de Bretton Gordon widerlegte darauf Russlands These. Denn wenn das Giftgas Sarin bombardiert werde, würde es dadurch zerstört. Die Behauptung, ein Sarin-Lager der Rebellen sei bombardiert worden, bezeichnete er als "ziemlich fantasievoll".

Für die "Bild" ist die russische Darstellung, es habe sich um ein Angriff auf ein Chemiewaffen-Lager der Rebellen gehandelt, ein klarer Fall von "Fake News". Trotzdem habe die Geschichte auf Sigmar Gabriel gewirkt.

Denn kurze Zeit nachdem er noch eindeutig das Assad-Regime und Russland anprangerte, wurde er defensiver: „Noch wissen wir nicht, wer letztlich für den Giftgasangriff verantwortlich ist.“

Die "Bild" berichtet, nachdem man beim Auswärtigen Amt um Klärung gebeten habe, reagierte dieses ausweichend. Man verwies "Bild" auf ein Interview Gabriels vom 9. April – fünf Tage später.

Dort sagte er, es sei "sehr plausibel", dass Assad die Verantwortung für den Giftgasangriff trage. Gabriel forderte damals zudem eine "Untersuchung ohne Behinderungen“.

Für die "Bild" zeigt das Vor- und Zurück Gabriels exemplarisch, wie Russlands Desinformationskampagne in Deutschland ihre Wirkung entfaltet.

Mehr zum Thema: Achse des Wahnsinns: Die gefährliche Haltung deutscher Kommentatoren in der Syrien-Debatte

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(jg/ll)