Ergebnis von 40 Jahren Forschung: Frauen sind die besseren Chefs - wegen dieser 4 Fähigkeiten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FRAUEN
Selbstwahrnehmung, Empathie, Mitarbeitermotivation und Führungskompetenz sind bei Frauen ausgeprägter. | iStock
Drucken

Ob endlose Kritik, verbale Entgleisungen oder Arbeitsdruck bis zum Burnout: Viele Chefetagen gleichen eher einem Boxring als einem angenehmen Arbeitsumfeld. Ganz zum Leidwesen der Angestellten.

Dass dies vor allem an der Männer-Dominanz in den Führungsriegen liegt, beweist nun eine Studie aus den USA. Für die Untersuchung haben die Forscher des Umfrageinstitutes Gallup Daten aus den vergangenen 40 Jahre zusammengetragen. Die Zahlen zeigen überdeutlich: Frauen sind die besseren Chefs.

Vier entscheidende Kernkompetenzen

Selbstwahrnehmung, Empathie, Mitarbeitermotivation und Führungskompetenz: Gleich in vier Hauptaspekten sind Frauen ihren männlichen Kollegen laut der Studie überlegen.

Diese "grundlegenden und emotionalen Kompetenzen“ würden die Leistung des Unternehmens außerdem positiv beeinflussen, heißt es weiter in der Studie.

Weibliche Chefs sind Männern in vielen Kompetenzen überlegen

Für die Studie werteten die Forscher die Daten aus Befragungen von 27 Millionen Angestellten aus.

"Viele Chefs die ich persönlich kenne, nehmen sich nicht sonderlich viel Zeit für ihre Angestellten, geschweige denn befassen sich eingehender mit der Personalführung“, schreibt Jim Clifton, Direktor von Gallup im Vorwort der Studie.

jim clifton
Gallup-CEO Jim Clifton. Credit: Youtube

"Das führt dazu, dass die Unternehmenskultur oft aus der Balance gerät. Anstatt auf die individuellen Werte einzugehen, wird oft an irgendwelchen Erfolgsstrategien gefeilt, die am Ende sowieso nicht funktionieren.“

Wer ausgeprägte soziale und emotionale Kompetenzen habe, könne Angestellte länger im Betrieb halten, schreibt Clifton. Genau diese Eigenschaften seien bei Frauen weitaus stärker ausgeprägt als bei Männern.

Frauen sind besser in der Mitarbeiterführung

Die Gallup-Studie zeigt, dass Angestellte, die für weibliche Chefs arbeiten, im Durchschnitt engagierter und motivierter bei der Arbeit sind, als bei männlichen Chefs.

Frauen könnten Mitarbeiter besser anleiten und motivieren, sie könnten besser Einfluss auf andere nehmen und seien stärker in der Konfliktlösung.

frauen
Frauen während einer Fortbildung: "Ausgeprägtere Anpassungsfähigkeit als Männer". Credit: iStock

Auch sei bei ihnen die Sensibilität für Organisatorisches und für Teamwork größer, sowie ihre Anpassungsfähigkeit im Umgang mit Veränderungen im Unternehmen.

So zeigten die Forschungsergebnisse auch Unterschiede in den Kategorien Selbstdarstellung, Konkurrenz, Aggression und Hilfsbereitschaft.

Männern geht es um materielle Anreize und die Karriere

Was die Führungsmotivation angeht, ginge es Männern mehr um materielle Anreize und Macht, während es Frauen mehr um persönliches Wachstum und den Sinn ihrer Arbeit gehe.

Genau diese Motivationsunterschiede bewirken, dass männliche und weibliche Führungskräfte verschiedene Schwerpunkte bei der Mitarbeiterführung setzen.

Während Frauen über Ähnlichkeiten und Komplimente zu anderen Personen Kontakte knüpfen, verhält es sich bei Männern anders. Männer stellen Kontakte her, indem sie Unterschiede ansprechen und durch "spielerische“ Herabsetzungen (Frotzeleien) Kontakt anbieten.

Auch die festgefahrene Rollenverteilung spielt eine Rolle

Sollten Unternehmen deshalb jetzt alle Männer aus den Chefetagen entfernen und Frauen dafür anstellen?

Nein, sagt die Betriebspsychologin und Buchautorin Martina Aron-Weidlich. "Die Frage ob Frauen die besseren Führungskräfte und Manager sind, kann nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden“, schreibt sie in ihrem Buch "Essenz der Führung“.

Zwar lassen sich bei der von der Gallup-Studie aufgezeichneten Kategorien Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen feststellen, das hieße aber nicht zwangsläufig, dass es zum Nachteil des Unternehmens wäre.

ceo
Trotz aller Studien und guter Vorsätze haben Deutschlands Top-Firmen kaum weibliche Führungskräfte. Credit: iStock

"Eine Frau kann genauso autoritär oder eben kooperativ führen wie ihre männlichen Kollegen, allerdings fällt die Bewertung ihres Verhaltens von der meist abendländisch geprägten Gesellschaft anders aus“, schreibt die Expertin.

Schuld daran ist die Rollenzuweisung, da viel mehr auf die weiblichen Attribute von "Weichheit und Anpassungsfähigkeit“ geachtet wird. "Ein toughes Auftreten wird oft immer noch mit diffamierenden Aussagen kommentiert, wie zum Beispiel: Die hat Haare auf den Zähnen oder Die hat ihr Frau sein im Keller versteckt", schreibt Aron-Weidlich.

Das Problem liegt vornehmlich bei den Unternehmen

Trotz der Vorteile, die eine ausbalancierte Führungsmannschaft hat, haben Deutschlands Top-Firmen kaum weibliche Führungskräfte. Dies zeigte eine Analyse der gemeinnützigen Allbright-Stiftung. Die 2011 in Stockholm gegründete Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in Führungspositionen in der Wirtschaft ein.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

In den Leitungsgremien heißen demnach die Vorstandsmitglieder nach wie vor Michael und Thomas, anstatt Martina oder Tanja. "Ein Umdenken lasse sich bislang noch nicht feststellen“, schreiben die schwedischen Studienautoren.

Auch bei Neuanstellungen für leitende Positionen, liege die Quote mit fast 90 Prozent klar bei Männern. Die Unternehmen gehen auf Nummer sicher und orientierten sich an dem, was schon in der Vergangenheit gut funktioniert hat, heißt es weiter in der Analyse.

Deutschland beschäftig zu wenig Frauen in Führungspositionen

In Deutschland beträgt der Frauenanteil in Führungspositionen bei Unternehmen 25,83 Prozent. Zudem verdienen Frauen im Schnitt 23,4 Prozent weniger als Männer. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern, ist die Bundesrepublik ein Schlusslicht.

Der größte Anteil von Frauen in Führungspositionen wird in Lettland verzeichnet, dem einzigen Mitgliedstaat, in dem Frauen in diesem Beschäftigungsbereich eine Mehrheit mit 53 Prozent darstellen.

Die Führungskultur muss sich verändern

Doch im Kern steht nicht die Frage, ob nun Frauen oder Männer die besseren Chefs sind, sondern was dafür getan werden muss, damit gleichberechtigte Führungsstrukturen Einzug in die heutige Unternehmenskultur finden.

Diese Veränderung können Studien zwar beeinflussen, das Umdenken muss am Ende des Tages jedoch in den immer noch von Männern dominierten Führungsriegen geschehen. Bis es soweit ist, bleibt die altbackene Haltung vieler Firmen leider bestehen: "Never change a running system.“

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen