11-Jähriger nahm sich nach bösem Scherz das Leben - jetzt will seine Mutter Gerechtigkeit

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Etwas so Schreckliches hätte niemals geschehen dürfen: Der 11-jährige Tysen Benz aus Michigan nahm sich das Leben, weil er auf einen grausamen Scherz seiner 13-jährigen Freundin hereinfiel.

Sie und andere Jugendliche hatte Tysen in einem sozialen Netzwerk Glauben gemacht, das Mädchen habe Selbstmord begangen. Aus Verzweiflung hatte der Junge sich als Reaktion in seinem Zimmer getötet. Nun ist sie verurteilt worden - mit einer viel zu milden Strafe, wie Tysons trauernde Mutter Katrina Goss kritisiert.

“Ich wünschte, sie bekäme eine härtere Strafe,” sagte sie der Huffington Post. Sie wolle bei der Staatsanwaltschaft Einspruch erheben.

Die Mutter fand ihren Sohn tot in seinem Zimmer

Die Staatsanwaltschaft hatte in zwei Punkten Anklage gegen das Mädchen erhoben: einmal wegen der bösartigen Nutzung eines telefonischen Gerätes und einmal wegen der Nutzung eines Computers, um ein Verbrechen zu begehen. Die Höchststrafe für die beiden Vergehen liegt bei 18 Monaten Gefängnisstrafe.

Tyson hatte sich am 14. März erhängt. Was er nicht wusste: Die Nachricht vom Selbstmord seiner Freundin war eine Falschmeldung, die unter den Freunden des Mädchens verbreitet wurde.

Tysen nahm sich wegen einer Falschmeldung in den sozialen Medien das Leben

Später in dieser Nacht fand die Mutter ihren toten Sohn in seinem Zimmer. Sanitäter konnten Tysen zwar wiederbeleben, er kam allerdings nicht mehr zu Bewusstsein. Am 4. April verstarb der Junge schließlich in einem Krankenhaus in Detroit.

In seinem Nachruf steht: “Tysen war nur wenige Jahre auf dieser Erde, aber jedes einzelne war voll mit fröhlichen und ereignisreichen Taten. Er hat in seiner kurzen Zeit auf Erden mehr gelebt als so mancher in einem ganzen Leben.”

Tysens Mutter hatte ihrem Sohn den Kontakt zu der 13-Jährigen verboten

Die Polizei, die den Tod des Jungen untersuchte, entdeckte die Falschmeldung in den sozialen Medien.

“Ich war geschockt, denn ich wusste nicht einmal, dass er überhaupt Kontakt mit dem Mädchen hatte,” sagte Goss. “Ich hatte ihm nicht erlaubt, mit ihr zu sprechen.”

Goss sagte, sie habe aufgrund des Altersunterschiedes ihrem Sohn verboten, mit dem Mädchen zusammen zu sein. Außerdem hatte sie auch nicht gut geheißen, wie die 13-Jährige ihren Sohn behandelte.

Erst nach Tysens Tod entdeckte sie, dass er ein Handy besaß, über das er mit dem Mädchen kommunizierte.

“Ich weiß nicht genau, welche der sozialen Medien die beiden benutzten,” sagte sie. “Das befindet sich alles im Telefon und das hat die Polizei.”

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Tysen zeigte bis zu seinem Suizid keinerlei Anzeichen von Traurigkeit oder Depression

Eine Freundin der 13-Jährigen sagte dem Portal “BuzzFeed News”, es sei niemals die Absicht des Mädchens gewesen, dass Tysen sich etwas antut. Sie habe diesen Scherz nur gemacht, um herauszufinden, ob Tysen wirklich in sie verliebt sei.

Goss hat inzwischen die Facebook Seite “Prayers to Tysen” erstellt, zum Gedenken an ihren Sohn.

Ihr Sohn, den sie als sportlich und charismatisch beschreibt, sei sehr sozial gewesen, sagt Goss. Er habe immer sehr viele Freunde gehabt. Aus einem Impuls heraus habe er sich als Reaktion auf den grausamen Scherz das Leben genommen.

Auch die Polizei sieht den Zusammenhang zwischen dem Suizid und der Falschmeldung als erwiesen

“Er war wundervoll,” sagte sie. “Er hat keinerlei Anzeichen von Traurigkeit oder Depression gezeigt. Es ging ihm gut.”

Der verantwortlich Staatsanwalt Matt Wiese sieht die Sache ähnlich. Es bestünde eine logische Verbindung zwischen der Falschmeldung und dem Suizid des Jungen, sagte er der "Washington Post". “Wenige Stunden nach der Konversation in den sozialen Medien hat er Selbstmord begangen.”

Ein Freund der Familie hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, damit Tysens Krankenhausrechnungen und Beerdigungskosten gedeckt werden können. Es sind bereits mehr als 40.000 Dollar zusammengekommen (Stand 21.4.).

“Die ganze Angelegenheit ist so schockierend”, sagt Goss. Sie möchte das Andenken an ihren Sohn lebendig zu halten, indem sie Mobbing in den sozialen Medien bekämpft.

“Er wurde von jedem, der ihn kannte, geliebt. Er wird niemals vergessen werden.”

Dieser Text erschien zuerst bei der Huffington Post USA und wurde von Babette Habenstein aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)

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