Nach dem Paris-Anschlag: Warum nicht Le Pen, sondern Fillon vom Terror profitieren wird

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  • Der konservative Präsidentschaftskandidat Francois Fillon könnte am meisten vom Anschlag in Paris profitieren
  • Gegenüber seinen Konkurrenten Le Pen und Macron besitzt er entscheidende Vorteile
  • Oben im Video seht ihr die Einschätzung des Politologen Dominik Grillmayer

Noch während die französischen Präsidentschaftskandidaten zum TV-Duell angetreten sind, fielen am Donnerstag die ersten Schüsse. Der Terroranschlag auf Polizisten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées überschattet die letzten Tage des Wahlkampfs in Frankreich.

Die Attacke wird die Wahl auf den letzten Metern prägen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Terror der rechtspopulistischen Front-National-Chefin Marine Le Pen in die Hände spielen wird. Sie wettert regelmäßig auf Kundgebungen, dass die Zuwanderungspolitik in Europa die Terrorgefahr erhöhe.

Der Politologe Dominik Grillmayer macht gegenüber dem Nachrichten-Portal "Focus Online" allerdings eine andere Vorhersage: Er glaubt, dem konservative Kandidat Francois Fillon wird der Anschlag die meisten Stimmen zutragen.

Fillon gibt sich als Staatsmann

Der krisengebeutelte Fillon habe das Thema Innere Sicherheit während der TV-Debatte am stärksten vertreten, sagt Politologe Grillmayer.

"Fillon hat sich dabei als Staatsmann gegeben, der den islamistischen Terror im In- und Ausland konsequent bekämpft. Dabei hat er auch angekündigt, dass er einen Weg finden werde, wie sich terroristische Gefährder künftig aus dem Verkehr ziehen ließen", sagt er.

Mit diesem Auftritt habe der Konservative versucht, einen entscheidenen Vorsprung vor seinen Konkurrent zu erzielen.

Schon der Zeitpunkt der Debatte begünstigt den Konservativen

Ein weiterer Umstand begünstigte Fillon gegenüber Le Pen: Als der Anschlag gegen zehn Uhr abends bekannt wurde, hatte Le Pen bereits gesprochen. Im TV-Duell am Freitag bekam jeder der elf Kandidaten 15 Minuten Zeit, allein auf der Bühne Fragen der Moderatoren zu beantworten.

Als Moderator David Pujadas die Sendung kurz unterbrach, um den Anschlag zu vermelden, hatte Fillon seinen Auftritt noch vor sich - und konnte im Gegensatz zu Le Pen darauf reagieren.

Laut den letzten Umfragen liegt Fillon mit 19,5 Prozent auf dem dritten Rang in der Gunst der Wähler. Vor ihm befinden sich Le Pen mit 22,5 Prozent und der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron mit 23 Prozent.

Fillon besitzt auch einen Vorteil gegenüber Macron

Auch auf Macron könnte Fillon aufgrund des Anschlags aufholen. Im Gegensatz zu dem jungen, unerfahren Politiker könnte Fillon mit seiner Erfahrung überzeugen. Immerhin war der 63-Jährige bereits von 2007 bis 2012 Premierminister.

Mit der Terrorgefahr im Hinterkopf könnten die französischen Wähler am Sonntag also eher zum staatsmännischen Fillon tendieren, als zum Frischling Macron.

In den letzten Tagen vor der Wahl könnte Fillon so vielleicht den Skandal hinter sich lassen, der ihn im Wahlkampf so sehr belastete. Ihm wird vorgeworfen, seine Ehefrau jahrelang scheinbeschäftigt und so öffentliche Gelder hinterzogen zu haben.

Die Schüsse auf der Champs-Élysées könnten die Vorwürfe verblassen lassen und Fillon doch noch in die Stichwahl am 7. Mai bringen.

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(jg)