Soziologin: Noch immer wandern junge Frauen aus Ostdeutschland ab - das liegt auch an den Männern

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Noch immer wandern junge Frauen aus Ostdeutschland ab - das liegt auch an den Männern | lechatnoir via Getty Images
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  • Noch immer wandern junge Frauen in großer Zahl aus den ländlichen Regionen in Ostdeutschland ab
  • Eine Soziologin glaubt: Das liegt auch daran, dass ostdeutsche Männer Angst vor jungen, klugen Frauen haben

Jahrelang hat Ostdeutschland unter der Abwanderung von Frauen gelitten. Ein massiver Männerüberschuss, gerade auch im ländlichen Raum, war die Folge.

Dieser Exodus sei nun gestoppt, berichtet die Soziologin Julia Gabler im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Aber gerade die ländlichen Regionen im Osten leiden noch immer unter der weiblichen Abwanderung, sagt sie. Denn einer der wichtigsten Gründe für den Wegzug sei immer noch nicht ausgeräumt: Männer im Osten hätten ein Problem mit jungen, klugen Frauen.

Gabler hat in einer Studie untersucht, warum junge Frauen die ostdeutsche Provinz verlassen oder sich entscheiden, zu bleiben. Ausschlaggebend dabei seien vor allem die Arbeitgeber. Denn die Führungskräfte hätten gerade im Osten Angst vor jungen, qualifizierte Frauen.

"Frauen sind progressiver, das erzeugt Angst"

Einige Arbeitnehmer würden die Frauen als Bedrohung empfinden, sagt Gabler. "Einer sagte mir: Ihre bloße Anwesenheit schüre schon Unsicherheit", berichtet sie der "Zeit".

Die Zahlen untermauern Gablers Beobachtung auf den ersten Blick nicht. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben Frauen in Ostdeutschland 2014 häufiger Führungspositionen besetzt als in Westdeutschland. Statistiken zeigen auch: Generell arbeiten ostdeutsche Frauen häufiger in Vollzeitberufen als westdeutsche.

Fakt jedoch ist: Der ländliche Raum in Ostdeutschland weist ein großes Defizit an jungen Frauen auf. Das attestierte noch 2015 eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

Schuld daran sei auch die männliche Dominanz auf dem Land, sagt die Soziologin Gabler. "Frauen sind oft progressiver. Das erzeugt Angst. An diese Angst müssen wir ran, wenn wir Frauen in Gegenden wie der Lausitz halten wollen", sagt sie.

Mehr zum Thema: Bericht der Bundesregierung: "Gesellschaftlicher Friede in Ostdeutschland gefährdet"

Mehr Frauen würden dem Osten guttun

Für Gabler gibt es noch weitere Gründe, warum junge Frauen nicht im Osten bleiben. "Junge Frauen sagen viel öfter, dass die öffentliche Infrastruktur sie nicht überzeuge, das kulturelle Angebot nicht ausreichend sei; dass sie sich in ihrer Mobilität zu stark eingeschränkt fühlten", sagt sie.

Außerdem würden sie die Provinz als engstirnig empfinden. "Sie sagen: Es gibt zu viel strukturellen Konservativismus der Eltern, des Establishments. Eben auch der Chefs", sagt Gabler.

In den Städten im Osten sei der Wegzug bereits gestoppt. Um die Landflucht aufzuhalten, fordert Gabler ein Umdenken. Man müsse die Frauen von morgen umsorgen, sagt sie. "Wir müssen ans gesellschaftliche Klima ran. Die Provinz sollte selbstbewusster sein. Auch darin, wie sie mit Frauen umgeht", sagt die Soziologin.

Mehr Frauen würden dem Osten guttun.

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(jg)