"Gefährliche Inhalte": Experten warnen vor beliebter Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht"

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13 REASONS WHY
Die neue Netflix Serie "13 Reasons Why" ist aufgrund ihrer Inhalte umstritten | Jay Asher/Instagram
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Die Serie “13 Reasons Why”, auf deutsch “Tote Mädchen lügen nicht”, ist noch keinen Monat auf Netflix zu sehen, und polarisiert schon jetzt sehr stark.

Kulturkritiker sind zwar begeistert von der Serie, doch vermehr wird Kritik an der Netflix-Produktion laut. Mehrere Gesundheitsorganisationen warnen jetzt sogar davor, die Serie anzuschauen.

Der Inhalt der Serie macht schnell klar, dass es sich um keine typische Teenager-Highschool-Serie handelt: Die Schülerin Hannah Baker begeht Selbstmord und hinterlässt 13 Kassetten, auf denen sie die Gründe für ihren Suizid erklärt.

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Buch von Jay Asher, das auf der "New York Times"-Bestseller-Liste im Juli 2011 den ersten Platz belegte.

Die Serie wird für gefährliche Inhalte kritisiert

Das Buch und die Serie thematisieren die Themen Mobbing, Gewalt, sexuelle Belästigung und schließlich sogar Vergewaltigung und Suizid.

Gerade weil sich die Serie mit diesen Themen auseinandersetzt und so die Aufmerksamkeit darauf lenkt, hat sie zunächst äußerst positive Kritiken erhalten. Bei dem Filmportal “rottentomatoes” etwa erhielt die Serie eine Bewertung von 91 Prozent.

Diverse Gesundheitsorganisation sehen das allerdings anders. Headspace, eine australische Gesundheitsorganisation, wirft Netflix vor, “gefährliche Inhalte” im Zusammenhang mit Selbstmord zu zeigen.

Kristen Douglas, die Managerin von Headspace, sagte in einer Warnung zu der Serie: “Die nationale Online- und Telefonberatungsstellen haben eine wachsende Zahl von Anrufen und E-mails direkt auf die Serie bezogen erhalten.”

Eltern und Schulen hätten bereits große Besorgnis über die Inhalte der Serie ausgedrückt, heißt es in dem Statement auf der Seite der Organisation.

Das Risiko für Suizid steigt, wenn Menschen solchen Eindrücken ausgesetzt sind

Die Gesundheitsorganisation kritisiert es als verantwortungslos, dass Hannahs Suizid-Methode in der Serie dargestellt wird. “Die internationale Forschung zeigt ganz klar: Das Risiko für Suizid steigt, wenn Menschen solchen Eindrücken ausgesetzt sind", schreibt Steven Leicester, Vorstand von Headspace.

Auch die Gesundheitsorganisation Mindframe warnt Medien davor, etwa den Ort und die Mittel eines Suizids darzustellen. Ein sogenannter Nachahmungseffekt soll so verhindert werden.

Tatsächlich wird der Zuschauer vor Beginn der Folgen, in denen eine Vergewaltigung und Hannahs Selbstmord gezeigt werden, vor dem Inhalt ausdrücklich gewarnt.

Den Aktivisten von Save, einer amerikanischen Organisation für die Prävention von Suizid, geht das aber nicht weit genug. Sie haben daher eine Liste mit Tipps zum Ansehen der Serie veröffentlicht.

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Hilfsmöglichkeiten bei Suizidgedanken werden in der Serie zu wenig thematisiert

Besonders weist Save daraufhin, dass es zahlreiche Hilfsangebote für verzweifelte und suizidgefährdete Menschen gibt. Hannah gelingt es in der Serie nicht, Hilfe zu erhalten. Sie wendet sich gegen Ende der Serie an ihren Vertrauenslehrer, der ihr Problem jedoch nicht ernst nimmt.

Auch kritisiert Dave, Hannahs Selbstmord habe nichts Heroisches und sei nur als Tragödie zu begreifen.

Tatsächlich soll nach der letzten Folge ein Making-Of, in dem auch Psychologen zu Wort kommen, den Zuschauer wieder auffangen. In diesem Making-Of wird auch explizit auf Hilfsorganisationen hingewiesen.

In der Serie selbst allerdings bleibt es bei zwei Versuchen von Hannah, sich Hilfe in ihrer Schule zu holen. Während Hannahs Gefühl der Isolation sehr eindringlich dargestellt wird, bleibt der Zuschauer ebenso hilflos zurück, wie sich Hannahs Lehrer gegenüber ihren Problemen verhalten.

Daher rät Headspace vor allem Eltern, Schulen und Gesundheitsorganisationen, sich gründlich mit den Inhalten der Serie auseinanderzusetzen. Sie könnte gefährliche Auswirkungen insbesondere auf junge Menschen haben, so die Warnung.

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(lk)