NACHRICHTEN
21/04/2017 21:48 CEST | Aktualisiert 23/04/2017 19:52 CEST

Star-Autor Lévy: "Marine Le Pen hasst Frankreich"

  • Am Sonntag steht der erste Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl an

  • Seit 8 Uhr sind die Wahllokale geöffnet, französische Medien werden die ersten Prognosen ab 20 Uhr verkünden

  • Der Ultra-Linke Mélenchon liegt in mehreren Überseegebieten vorn

Vier Kandidaten, kein Favorit - und mehr als jeder vierte Franzose weiß noch nicht, was er wählen soll. Dieses Wochenende beginnt die erste Runde des französischen Präsidentschaftswahlkampfes.

In Frankreich ist die Veröffentlichung von Umfragewerten, Teilergebnissen und Hochrechnungen vor 20 Uhr verboten. Erste Trends kursieren meist zuvor schon im Ausland.

Dieser News-Blog deckt alle wichtigen Nachrichten der letzten Stunden ab.

Mehr zum Thema: Zum aktuellen Live-Blog geht es hier

17:06 Uhr: Stabile Wahlbeteiligung

Die neuen Zahlen zur Wahlbeteiligung zeigen keinen bedeutenden Ausschlag: Wie vor fünf Jahren liegt die Wahlbeteiligung bis um 17 Uhr bei etwa 70 Prozent.

Am Ende hatten 2012 79,5 Prozent der Stimmberechtigten gewählt.

Diesmal sind die Wahllokale allerdings eine Stunde länger bis 19 Uhr geöffnet. In den großen Städten wird - wie schon beim letzten Mal - sogar bis 20 Uhr gewählt.

16:28 Uhr: Autor Bernard-Henri Lévy: "Marine Le Pen hasst Frankreich"

Bernard-Henri Lévy ist einer der einflussreichsten Intellektuellen Frankreichs. In einer Sendung des US-Senders CNN übte er nun heftige Kritik an der rechten Kandidatin Marine Le Pen. "Le Pen hasst Frankreich, sie hat keine Liebe für ihr eigenes Land", sagte Lévy. Die Rechtspopulistin verfüge darüber hinaus über keinerlei Führungsqualitäten.

Lévy zeigte sich zudem sicher: "Die Unterstützung von Putin und Trump wird Le Pen schaden." Sie werde die Wahl nicht gewinnen - auch, weil sie die Terrorattacke auf der Champs Élysées so "obszön" ausgeschlachtet habe.

15:38 Uhr: Im Ausland hängen keine Plakate von Le Pen

In den Wahlbüros im Ausland und den Überseegebieten fehlen Plakate der rechtspopulistischen Kandidatin Marine Le Pen. Während Front-National-Anhänger dahinter einen Boykott vermuten, gibt es eine einfache Erklärung dafür:

Wie der französische Fernsehsender BFMTV berichtet, habe der Front National die Plakate zu spät verschickt. Das teilte das französische Außenministerium dem Sender mit. Demnach sei die Frist für den Versand der Plakate am 10. April verstrichen.

Auch das französische Konsulat in New York teilte auf Twitter auf Nachfrage mit, es könne keine Plakate aufhängen, die es nie erhalten habe. Daher fehle Le Pen.

14:48 Uhr: Belgischer Rundfunk: Mélenchon in mehreren Überseegebieten vorn

Bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen hat der Linksaußen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon nach Informationen des belgischen Rundfunks in einigen Überseegebieten die Nase vorn. Die französischen Karibikinseln sowie mehrere andere Überseegebiete hatten wegen der Zeitverschiebung bereits am Samstag abgestimmt.

Auf Martinique liege Mélenchon mit gut 27 Prozent vor dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron mit 25,5 Prozent, berichtete der Sender RTBF am Sonntag.

Auch in Französisch-Guyana in Südamerika und auf der winzigen Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Küste liegt laut RTBF Mélenchon in Führung, hier sei die Rechtspopulistin Marine Le Pen auf dem zweiten Platz.

Auf der Karibikinsel Guadeloupe sei nach Teilergebnissen dagegen Macron mit 30 Prozent klar in Führung vor Mélenchon mit knapp 24 Prozent.

In den französischen Überseegebieten ist nur ein sehr kleiner Teil der 47 Millionen französischen Wahlberechtigten registriert, auf Martinique etwa 297.000, auf Guadeloupe 288.000. Die dortigen Ergebnisse sind nicht repräsentativ, weil die Überseegebiete meist stärker links wählen.

Mehr zum Thema: Albtraum Szenario für Europa: Wie ein Ultra-Linker die Frankreich-Wahl aufmischt

14:15 Uhr: Lange Schlangen auch in München

In München können französische Staatsangehörige in einem Französischen Gymnasium in Giesing wählen. Es gibt sechs Wahlbüros - und Wartezeiten bis zu zwei Stunden.

wahlen frankreich

In den Wahlbüros hängen Plakate aller Kandidaten - bis auf eines der rechtspopulistischen Kandidatin Marine Le Pen.

wahlen frankreich

In Bayern können französische Staatsbürger in Nürnberg und in München wählen.

12:23 Uhr: Wahllokale wegen verdächtiger Autos evakuiert

In Besançon im Osten Frankreichs sind zwei Wahllokale aufgrund eines verdächtigen Fahrzeugs evakuiert wurden, berichten französische Medien. Ein schwarzer Peugeot sei zwanzig Meter vor dem Wahllokal mit laufenden Motor gestanden, heißt es. Die zwei Insassen hätten den Wagen verlassen und seien weggegangen.

Die Polizei fand eine Schrotflinte in dem Wagen, eine Bedrohung durch Sprengstoff gebe es allerdings nicht, berichtet die Französische Zeitung "L'Est Republicain". Das Wahllokal bleibe vorerst geschlossen.

Auch in Saint Omer im Norden des Landes seien zwei Wahllokale wegen eines verdächtigen Autos geräumt worden, berichten verschiedene Medien.

In Frankreich gelten an diesem Sonntag nach dem Terroranschlag in Paris, bei dem ein Polizist getötet wurde, höchste Sicherheitsverkehrungen. Seit den verheerenden islamistischen Anschläge 2015 gilt in dem Land der Ausnahmezustand.

12:08 Uhr: Wahlbeteiligung bei 28,54 Prozent

Die Wahlbeteiligung liegt laut einem Tweet des französischen Innenministeriums um 12 Uhr bei 28,54 Prozent. Das liegt in etwa im Rahmen der Wahlbeteiligung von 2012. Bei der Wahl 2007 waren es zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits über 31 Prozent.

11:24 Uhr: Le Pen und Macron haben votiert

Nach Hollande haben auch die Rechtspopulistin Le Pen und der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron ihre Stimme abgegeben.

Le Pen votierte am Sonntagmorgen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im nordfranzösischen Hénin-Beaumont, einer Hochburg ihrer Partei Front National.

Macron kam gemeinsam mit seiner Frau Brigitte in das Wahllokal in Le Touquet in seinem Wahlkreis im Nordwesten Frankreichs.

10:16 Uhr: Präsident Hollande hat abgestimmt

Frankreichs Präsident François Hollande hat seine Stimme zur Wahl seines Nachfolgers abgegeben. Hollande stimmte am Sonntagmorgen in seinem Wahlkreis im zentralfranzösischen Tulle ab. Er selbst hatte wegen schlechter Umfragewerte auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

Für seine Sozialistische Partei tritt Benoît Hamon an, dem aber keine Chancen auf den Einzug in die entscheidende Stichwahl am 7. Mai eingeräumt werden.

08:52 Uhr: Wahl-O-Mat für die Frankreichwahl

Auch für die französische Präsidentschaftswahl gibt es einen Wahl-O-Mat. Unter diesem Link könnt ihr Fragen zu Wahlkampfthemen in Frankreich beantworten und herausfinden, welcher der elf Kandidaten eure politischen Vorstellungen am besten vertritt.

08:00 Uhr: Wahllokale geöffnet

Die Wahl hat bereits am Samstag in einige Überseegebieten von Frankreich gewonnen. Die ersten Wahllokale öffneten um 12.00 Uhr deutscher Zeit auf der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste.

Seit 8 Uhr sind nun auch die Wahllokale in Europa geöffnet. Sie werden um 19 Uhr geschlossen, in großen Städten um 20 Uhr. Die ersten Hochrechnungen werden um 20 Uhr bekannt gegeben, vorher ist die Veröffentlichung von Umfragewerten, Teilergebnissen und Hochrechnungen verboten.

An diese Regel halten allerdings nur die französischen Regeln. Daher kursieren teilweise schon vorher erste Trends.

Samstag, 22. April 2017:

21:33 Uhr: Wie die Frankreich-Wahl eine Wirtschaftskrise in Europa auslösen könnte

Geringes Wachstum, eine hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Schuldenquote: Frankreichs Wirtschaft ist marode und reformbedürftig. Nach den Präsidentschaftswahlen könnte sie in eine Krise stürzen - und die gesamte EU mit sich reißen.

Experten und Ökonomen zittern vor allem vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Warum, das könnt ihr hier lesen.

20:31 Uhr: Statistik-Webseite FiveThirtyEight: "Ausgang der Frankreich Wahl unmöglich vorherzusagen"

Das US-amerikanische Statistik-Webseite FiveThirtyEight hat bei seinen Vorhersagen zur US-Wahl deutlich daneben gelegen - und ist seit dem vorsichtiger mit eindeutigen Prognosen geworden. Das trifft auch auf die Frankreich-Wahl zu.

"Das Rennen ist so eng, die französischen Umfragen so ungenau, dass jeder der vier Top-Kandidaten in der Stichwahl landen könnte", schreiben die Analytiker. Die Umfragen in Frankreich seien besser als in Großbritannien, aber immer noch fehlerbehaftet.

Bei den vergangenen acht Präsidentschaftswahlen hätten die Institute im Schnitt um 3 Prozentpunkte daneben gelegen - und bei der jetzigen Wahl könnten drei Prozentpunkte wahlentscheidend sein. "Das ist der Abstand zwischen Le Pen und Mélenchon", schreibt FiveThirtyEight.

16:27 Uhr: "Frankreich am Abgrund"

Das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" hat sich zur Wahl ein besonderes Titelbild einfallen lassen. Darauf zu sehen ist Marine Le Pen, ihr Mund zu einem riesigen Schlund geöffnet. Auf dessen Rand steht ein Wähler, kurz davor, seinen Wahlzettel in den Abgrund zu werden.

"Passt am Sonntag auf, wo ihr hintretet", warnen die Satiriker ihre Leser auf Facebook.

11.52 Uhr: Die jüngsten Umfragen

Seit Mitternacht ist der Wahlkampf in Frankreich beendet. Nun dürfen die Kandidaten keine Interviews mehr geben, selbst twittern ist ihnen untersagt.

In der jüngsten Umfrage zur Wahl liegt der liberale Kandidat Emmanuel Macron mit 23,8 Prozent vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 22,2 Prozent. Die Front-National-Chefin verlor im Vergleich zu vorherigen Umfragen noch einmal leicht an Zustimmung.

Dahinter folgen der Konservative François Fillon mit 19,8 Prozent und der radikale Linke Jean-Luc Mélenchon mit 19,4 Prozent.

french election

10.22 Uhr: US-Präsident Trump lobt Le Pen

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagt US-Präsident Donald Trump, der Terroranschlag in Paris am Donnerstag werde der Rechtspopulistin Marine Le Pen am meisten helfen.

Er unterstütze sie zwar nicht offiziell. Zugleich sagte Trump jedoch, Le Pen sei die "Stärkste" für Frankreich derzeit.

Nach dem Anschlag am Freitag hatte Le Pen angekündigt, Grenzkontrollen verstärken und Ausländern, die vom Sicherheitsdienst beobachtet werden, die Staatsbürgerschaft zu entziehen.

Freitag, 21. April 2017:

23.26 Uhr: "Deutschland ist der Sündenbock"

Wenn die Franzosen im ersten und zweiten Wahlgang am Sonntag und dem 7. Mai einen neuen Präsidenten wählen, geht es dabei auch um Deutschland. Genauer: Um die deutsch-französische Freundschaft und ihre führende Rolle in der Europäischen Union.

Für die Huffington Post erklärt der französische HuffPost-Politikchef Geoffroy Clavel den aufkeimenden Deutschenhass in seinem Land, den vor allem die Rechtspopulistin Le Pen befeuert. Er warnt: "In diesem politischen Kräftemessen wird Deutschland nicht als ein Feind dargestellt, sondern wie ein Sündenbock für alles, was Frankreich in den vergangenen 15 Jahren nicht auf die Reihe bekommen hat: Arbeitslosigkeit, Armut und ein sterbender Sozialstaat."

Seinen ganzen Beitrag könnt ihr hier lesen.

22.16 Uhr: Spitzenkandidaten in der Wählergunst nah beieinander

Die Franzosen sind was die Präsidentschaftswahl angeht noch sehr unentschieden.

Laut einer noch vor dem Anschlag erstellten Ipsos-Umfrage könnten 31 Prozent derjenigen, die sicher zur Wahl gehen wollen, ihre Wahlentscheidung noch ändern. Der Sozialliberale Emmanuel Macron lag demnach bei 24 Prozent, gefolgt von der Rechtspopulistin Le Pen mit 22 Prozent.

Der Konservative Fillon und der Linkspolitiker Mélenchon kamen beide auf 19 Prozent - auch sie haben also noch Chancen auf einen Einzug in die zweite Wahlrunde.

21.55 Uhr: Donald Trump meldet sich zu Wort

US-Präsident Donald Trump reagierte auf Twitter auf den Anschlag in Paris. "Die Menschen in Frankreich werden sich das nicht mehr lange antun. Das wird einen großen Einfluss auf die Präsidentschaftswahl haben", twitterte er am Freitag.

21.32 Uhr: IS-Terror überschattet die letzten Wahlkampftage

Ein in Frankreich geborener Angreifer hat am Donnerstagabend mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr das Feuer auf einen Mannschaftswagen der Polizei eröffnet. Eine deutsche Passantin und zwei weitere Beamte wurden verletzt, bevor die Polizei den Angreifer tötete.

In der Nähe der Leiche des Attentäters fanden die Beamten einen handschriftlichen Zettel, auf dem der IS verteidigt wurde - er sei wahrscheinlich aus der Tasche des Mannes gefallen, so Staatsanwalt François Molins. Im Auto des Angreifers lagen ein Koran und eine weitere Schusswaffe.

Die französischen Präsidentschaftskandidaten erfuhren während einer TV-Debatte von dem Anschlag. Mehrere Kandidaten, etwa der unabhängige Emmanuel Macron sagten ihre Wahlkampfauftritte ab.

Rechtspopulistin Le Pen hingegen kritisierte die Nachlässigkeiten der französischen Regierung im Anti-Terror-Kampf und forderte die Abschiebung von Ausländern, die als Gefährder eingestuft würden.

Mehr zum Thema: Nach dem Paris-Anschlag: Warum Rechtspopulistin Le Pen nicht vom Terror profitieren wird

Mit Material der dpa

Sponsored by Trentino