Die Rechten wollen die Wahl in Frankreich manipulieren - aber die Bürger sind schlauer

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MACRON
Die Rechten wollen die Wahl in Frankreich manipulieren - aber die Bürger sind schlauer | dpa
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  • Rechte Blogs und Webseiten versuchen, die Wahl in Frankreich mit Falschmeldungen zu beeinflussen
  • Ziel der Fake News ist meist der unabhängige Kandidat Macron
  • Doch: Eine große Mehrheit der Menschen glaubt den Falschmeldungen schlichtweg nicht

Der unabhängige französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron ist schwul, von Saudi-Arabien finanziert und will die Scharia in Frankreich einführen - das behaupten zwielichtige Medienseiten in Frankreich.

Wie bereits beim US-Präsidentschaftswahlkampf verbreiten auch in Frankreich rechte Facebook-Seiten, Twitter-Accounts und Blogs gezielt Falschmeldungen. Sie wollen Kandidaten denunzieren und die Wahl beeinflussen. Nutznießerin der Fake-News-Kampagne: meist die Rechtspopulistin des Front National, Marine Le Pen.

Die gute Nachricht: Die meisten Franzosen schenken den abstrusen Gerüchten keinen Glauben.

Drei Viertel der Franzosen misstrauen den sozialen Netzwerken

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage über die Glaubwürdigkeit der Medien in Frankreich. Das Meinungsforschungsinstitut Kantar Public befragt jährlich die Franzosen dazu, wie sehr sie den Medien vertrauen.

Zwar sank das Ansehen der Medien insgesamt in der diesjährigen Umfrage im Wahljahr. Allerdings genießen traditionelle Kanäle wie Nachrichtenseiten, TV- und Radiosender sowie Zeitungen immer noch mehr Vertrauen als Informationen, die in sozialen Netzwerken zirkulieren.

Fast drei Viertel der von Kantor Public Befragten gaben an, dass sie Nachrichten in den sozialen Netzwerken nicht glauben würden. 83 Prozent sagten, sie seien schon über Falschmeldungen gestolpert.

Die Umfrage liefert zunächst also gute Nachrichten. Die französischen Nutzer wissen offenbar, was sie von manchen Gerüchten, die auf Facebook die Runde machen, zu halten haben.

Allerdings hat die Studie auch festgestellt, dass sich einige Falschmeldungen bereits in den Köpfen vieler Franzosen festgesetzt haben. Dass der französische Staat 77.000 Sozialwohnungen von Obdachlosen für Migrantenfamilien reserviert habe, hielten ebenso viele Menschen für wahr wie für falsch. Dabei war die Geschichte eine bloße Erfindung.

Ziel der Falschmeldungen: Macron

Genau wie die vielen Lügen, die in Frankreichs sozialen Netzen über die Präsidentschaftskandidaten zirkulieren. Der Kommunikationswissenschafter Nicolas Vanderbiest hat für die französische Ausgabe der Huffington Post die neun verbreitetsten Fake News untersucht.

Sie werden über verschiedenste Seiten verbreitet. Deren einzige Gemeinsamkeit: eine rechtslastige Ausrichtung.

Sechs der neun untersuchten Falschmeldungen bezogen sich laut Vanderbiest auf den unabhängigen Kandidaten Macron, keine auf die Front-National-Chefin Marine Le Pen. Beide gelten als wahrscheinliche Kandidaten für die Stichwahl am 7. Mai. Mit Falschmeldungen wird also offensichtlich versucht, die Stimmung in Frankreich zugunsten der Rechtspopulistin Le Pen zu manipulieren.

Und in dieses Vorhaben scheint auch ein Mann verwickelt zu sein, der schon auf den US-Wahlkampf seinen Einfluss ausübte: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Eine Troll-Armada aus Russland?

Der Generalsekretär von Macrons Bewegung "En Marche", Richard Ferrand, beklagte bereits im Februar, dass russische Medien versuchen würden, seinen Kandidaten mit Falschmeldungen zu denunzieren.

Die vom russischen Staat mitfinanzierte Nachrichtenseite "Sputnik" veröffentlichte einen Artikel, der behauptete, dass Immanuel Macron schwul sei und von der Homosexuellen-Lobby unterstützt werde.

Zuletzt tauchte auf Twitter der Hashtag "dislikemacron" auf, mit dem weiter Stimmung gegen den jungen Liberalen gemacht werden soll. Laut Miriam Elder, Redakteurin beim Online-Portal "Buzzfeed", stamme der Hashtag von russischen Trolls. Also von Internetnutzern aus Russland, die mit ihren Posts gezielt provozieren möchten.

Kommunikationswissenschaftler Vanderbiest hatte bereits für eine andere digitale Schmutzkampagne gegen Marcron aufgezeigt, dass zur Verbreitung von Falschmeldungen in Frankreich auch eine Armada von gefälschten Twitter-Konten genutzt wurde. Auch hier hätten die Spuren nach Russland als Urheberland der Accounts geführt.

Madame Trump?

Marine Le Pen macht derweil in Interviews keinen Hehl aus ihren Sympathien für Russlands Präsident Wladimir Putin. Wie auch der amtierende US-Präsident Donald Trump wirbt sie für bessere Beziehungen zu Putin - und wie Trump profitiert Le Pen im Wahlkampf am meisten von Fake-News-Kampagnen.

Allerdings: Die Franzosen lassen sich auf das schmutzige Spiel der rechten Stimmungsmacher nicht ein. Das zeigt nicht nur die Umfrage zur Glaubwürdigkeit der Medien - sondern auch der derzeitige Absturz der Rechspopulistin Le Pen in den Umfragen.

Mehr zum Thema: Diese 26 Seiten zeigen, wie Putin westliche Demokratien unterwandern will

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(jg)

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