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Der Vater fotografiert seine Familie heimlich beim Schlafen - er ahnt nicht, was er auslösen wird

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Der emotionale Facebook-Post eines Vaters aus den USA hat für eine kontroverse Diskussion gesorgt.

David Brinkley aus Oklahoma teilte ein Bild seiner Frau Alora und zwei ihrer fünf Kinder. Er hatte die drei, ohne dass sie es merkten, beim Schlafen fotografiert.

Dazu schrieb der Amerikaner einen sehr persönlichen Text darüber, ob Kinder im Bett der Eltern schlafen sollen - dass er eine derart große Resonanz hervorrufen würde, hätte er bestimmt nicht erwartet. Er wurde tausende Male geteilt und kommentiert.

Er schreibt darin:

“Meine Frau ist der Typ beste Freundin. Sie führt ständig stundenlange Gespräche mit ihren Freundinnen und manchmal höre ich ein bisschen davon mit. Neulich sprach sie mit einer Freundin über diese Sache, die sich ‘Co-Sleeping’ nennt. Und ich hörte, wie die andere Person fragte, ob ich als ihr Ehemann das nicht hassen würde.

Ihr Mann würde nie zulassen, dass die Kinder mit im Bett schlafen. Das hat mich wirklich geschockt und es hat mich für mehrere Tage beschäftigt. Also beschloss ich, meinen Mann zu stehen und mal ein paar Dinge klarzustellen.

Ich hasse absolut NICHTS, das meine Frau zu der Mutter macht, die sie ist. Ich würde NIE irgendetwas herabwürdigen oder geringschätzen, das sie gerne für unsere Kinder tun möchte. Muss ich mich manchmal in eine winzige Ecke des Betts quetschen? Jep. Aber, mein Gott, wie wunderschön sieht sie aus, wenn sie unsere Kinder im Arm hält! Ihnen zeigt, dass sie geliebt und sicher sind. Unsere Frauen erleben diese kleinen Momente des Mamaseins nur für eine kurze Zeit.

Sie tragen unsere Babies in sich, sie bringen sie auf die Welt, sie stillen sie. Und vielleicht lassen sie sie, wenn sie noch klein sind, mit in unser Bett krabbeln zum Kuscheln. Doch wenn unsere Kinder größer werden, werden sie “zu cool” zum Kuscheln.

Warum also sollten wir als Männer ihnen auch nur eine Sekunde dieser Zeit stehlen wollen? Mutter zu sein ist ein Teil ihrer Identität. Und was ist ein Jahr oder auch drei in all den Jahrzehnten des Lebens, die wir gemeinsam verbringen? Ich will nur sagen, dass ich stolz auf die Entscheidungen bin, die meine Frau als Mutter trifft und dass ich jede einzelne davon unterstütze.

Ich würde ihr niemals diese Zeit nehmen wollen oder diese Momente, die ohnehin viel zu kurz sind um sie nicht zu genießen.
Bitte respektiert eure Frauen, auch als Mütter.”

Sein eigener Beitrag wurde eine halbe Million Mal geliked. Auch auf der Seite “It’s okay not to be okay”, wo sein Text veröffentlicht wurde, hat er schon tausende Likes.

Der Post löste eine Diskussion über Co-Sleeping aus

Für seine offenen Worte bekommt der junge Vater sehr viel Zustimmung.

“Genieß das Familienleben so viel du kannst”, schreibt ein Facebook-Nutzer in einem Kommentar zu dem Beitrag. “Denn es gibt kein schlimmeres Gefühl auf der Welt als das, wenn du alleine aufwachst und dich nach einer Familie sehnst, die du mal hattest.”

“Wie schön, dass du das geteilt hast”, schreibt eine andere. “Als Mutter habe ich das sehr gerne gelesen. Jedes Wort davon kann ich als Ehefrau so gut nachvollziehen, doch dass du als Mann so offen darüber sprichst, ist toll. Denn ich habe von so vielen Paaren gehört, bei denen das nicht so ist.”

“Wie wundervoll, das zu lesen”, kommentiert eine weitere. “Ich habe jahrelang meine Kinder bei mir im Bett schlafen lassen. Jetzt ist mein Jüngster sieben Jahre alt und ich vermisse das Kuscheln jeden Tag.”

Brinkleys Post hat aber auch eine hitzige Debatte über Co-Sleeping ausgelöst. Einige Facebooknutzer drücken unter dem Beitrag ihre Skepsis gegenüber der Praktik aus, die Kinder im Elternbett schlafen zu lassen.

“Wenn Co-Sleeping richtig gemacht wird, gibt es keine Nachteile”

“Das ist gefährlich für das Baby”, schreibt einer. “Babies sollten alleine Schlafen, auf dem Rücken, in einem Gitterbett.”

“Co-Sleeping ist nicht sicher”, kommentiert ein anderer. “Die Eltern können sich auf die Kinder legen und sie verletzen und dieses Verhalten sorgt dafür, dass die Kinder nicht alleine schlafen können.”

Co-Sleeping ist ein kontroverses Thema unter Eltern. Experten vertreten verschiedene Ansichten zu den Vor- und Nachzügen dieser Schlafpraxis.

Mehr zum Thema: Was mit Kindern passiert, die nicht alleine schlafen lernen

Die meisten von ihnen aber sind sich inzwischen einig, dass es völlig natürlich ist, mit seinen Kindern im selben Bett zu schlafen und dass es ihrer Entwicklung in keiner Weise schadet - im Gegenteil.

“Wenn Co-Sleeping richtig gemacht wird, gibt es keine Nachteile”, sagte Nicola Schmidt, Autorin des Buchs "artgerecht - Das andere Babybuch”, im Gespräch mit der Huffington Post.

“Man kann nicht nachweisen, dass die Kinder in irgendeiner Weise verhaltensgestört, entwicklungsverzögert oder sonst etwas sind.”

Was Eltern für sicheres Co-Sleeping beachten müssen, erfahrt ihr im Video:

(Text geht unter dem Video weiter.)

10 Tipps für das sichere Schlafen im Familienbett

Sie geht sogar noch weiter: “Ich sag immer, nehmt die Kinder mit ins Bett, ihr spart euch hinterher den Nachhilfeunterricht.”

Denn Kinder, die häufig und lange gestillt würden, hätten nach aktueller Studienlage einen bis zu zehn Punkte höheren IQ. “Wir wissen nicht genau warum, aber es ist so”, sagte Schmidt der Huffington Post.

Babys werden im Bett der Eltern häufiger gestillt

Babys und Kleinkinder, die im Bett der Eltern schlafen dürfen, werden Untersuchungen zufolge häufiger gestillt - natürlich unter der Voraussetzung, dass die Mutter stillt.

Das liegt daran, dass Babys im Elternbett leichter aufwachen, wenn sie Hunger haben und schneller und bequemer gestillt werden können. Die Mutter muss nicht richtig wach werden, das Kind aus dem Bett holen und dann wieder hineinlegen.

Es erfolgt stattdessen ein ganz automatischer Prozess des Stillens, nach dem Mutter und Kind leicht wieder in den Schlaf finden.

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(mm)