Schüsse auf den Champs-Élysées in Paris - ein Polizist tot

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  • In Paris ist bei einer Schießerei ein Polizist getötet worden
  • Frankreichs Präsident Hollande geht von einem terroristischen Akt aus
  • Der Vorfall könnte die anstehende Präsidentschaftswahl entscheidend beeinflussen
  • Oben im Video seht ihr Bilder von kurz nach dem Anschlag

Mitten auf dem Prachtboulevard Champs-Élysées in Paris hat ein Unbekannter am Donnerstagabend mit einer automatischen Waffe das Feuer auf einen Polizeiwagen eröffnet. Er tötete einen Polizisten. Zwei weitere Beamten wurden verletzt. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen.

Das müsst ihr über den Vorfall in Paris wissen.

Was ist passiert?

Die Attacke habe sich gegen 21 Uhr abgespielt, sagte ein Ministeriumssprecher. Demnach hielt ein grauer Audi neben einem Polizeiwagen. Ein Mann stieg aus, eröffnete das Feuer und tötete einen Beamten.

Anschließend hat er nach ersten Informationen versucht, zu Fuß zu fliehen. Dabei habe er auf weitere Polizisten geschossen und zwei verletzt. Die Beamten hätten ihn niedergeschossen und getötet. Bei der Attacke wurde auch eine Touristin verletzt.

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Der Angreifer war mit einem Sturmgewehr bewaffnet. Laut Innenministerium untersuchen Sprengstoffexperten das Fahrzeug des Angreifers.

Der Bereich wurde laut französischen Medien weiträumig abgesperrt, ein Helikopter kreist derzeit über dem berühmten Boulevard. Auch mehrere U-Bahn-Stationen wurden geschlossen.

War es ein Terroranschlag?

Zurzeit deutet alles auf einen Terroranschlag hin.

Frankreichs Präsident Francois Hollande ging am späten Donnerstagabend davon aus, dass die "Spuren (...) terroristischer Art" seien.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff für sich reklamiert. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amaq. Das gab an, dass ein Kämpfer namens "Abu Yusuf, der Belgier" den Angriff ausgeführt habe.

Dass der IS die Identität des Mannes angeblich kennt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass er vor der Tat mit der Terrormiliz in Kontakt stand und auf ihren Befehl hin handelte.

Was ist über den Täter bekannt?

Der Mann wurde in der Nacht identifiziert. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 39-Jährigen aus einem Vorort im Osten von Paris. Er soll laut französischen Behörden zuvor schon als Extremist bekannt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft sagte, dass zurzeit noch ermittelt werden, ob er Komplizen gehabt habe.

Nach dem Angriff haben Ermittler die Wohnung des Angreifers durchsucht. Das wurde der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstagabend aus Ermittlerkreisen bestätigt. In der Nacht fanden Durchsuchungen im Verwaltungsbezirk Seine-et-Marne im Osten und Südosten der französischen Hauptstadt statt.

Gab es einen zweiten Angreifer?

Der Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, erklärte, nach ersten Erkenntnissen habe es nur einen Schützen gegeben. Das gehe aus Zeugenaussagen hervor. Man könne aber nicht ausschließen, dass es einen oder mehrere Komplizen gebe, die in irgendeiner Weise an der Tat beteiligt waren.

Die Zeitung "Le Figaro" hatte zuvor berichtet, es habe einen zweiten Angreifer gegeben, der womöglich auf der Flucht sei. Das wollen auch Augenzeugen gesehen haben.

Berichten der belgischen Zeitung "La Dernière Heure" und der Nachrichtenagentur Reuters zufolge suchen die Beamten derzeit mit Haftbefehl nach einem zweiten Verdächtigen, der mit dem Schnellzug aus Belgien nach Paris gekommen sein soll.

Wie wirkt sich der Vorfall auf den Wahlkampf aus?

Schon am Sonntag findet der erste Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl statt. In Frankreich gilt nach einer Reihe von Terroranschlägen nach wie vor der Ausnahmezustand.

Die französische Polizei hatte erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war. Laut Anti-Terrorstaatsanwalt François Molins drohte ein Anschlag in den nächsten Tagen.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden daraufhin verstärkt. Trotz der Terrorgefahr setzten die elf Kandidaten ihren Wahlkampf fort. Am Donnerstagabend traten sie beim Fernsehsender France 2 nacheinander zu Kurzinterviews auf. Die Stichwahl ist für den 7. Mai geplant.

Der konservative Kandidat Francois Fillon sagte eine geplante Wahlkampfveranstaltung für Freitag als Reaktion auf den Angriff ab.

Der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron bekundete den Einsatzkräften seine Solidarität. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen ebenfalls.

Sollte sich der Angriff als Terroranschlag herausstellen, wird das mit Sicherheit Auswirkungen auf die Wahl haben. Die Front-National-Chefin Le Pen gibt auf Kundgebungen der Einwanderung die Schuld für den Terrorismus.

Bislang war der Wahlkampf überschattet von den Skandalen der Kandidaten. Gegen Fillon wie Le Pen wird wegen Scheinbeschäftigungen ermittelt.

Die kürzlich stattgefundene Attacke auf eine Soldatin auf dem Pariser Flughafen Orly, der womöglich vereitelte Anschlag in Marseille sowie die Todesschüsse am Donnerstagabend in Paris werden die Terrorismusbekämpfung wohl zum prominentesten Wahlthema machen.

Mit Material der dpa

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(bp)

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