Österreicher sehnen sich nach einem starken Mann

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Die Österreicher sehnen sich laut einer aktuellen Umfrage nach einem starken Mann an der Staatsspitze | getty
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  • Die Menschen in Österreich wünschen sich einen starken Mann an der Staatsspitze
  • Dies ergaben Umfragen von Februar und März 2017 unter Österreichern ab 15 Jahren
  • Experten haben eine erstaunliche Erklärung dafür

Viele Österreicher sehnen sich laut einer Umfrage nach einem starken Mann an der Spitze ihres Landes. Aus Sicht von 43 Prozent der Befragten wäre es "sehr" oder "ziemlich" wünschenswert, wenn ein solcher Politikertyp regierte. Das geht aus der am Donnerstag in Wien vorgestellten Umfrage im Auftrag des österreichischen Zukunftsfonds hervor.

Ein ziemlich erstaunliches - und vor allem besorgniserregendes Ergebnis mitten in Europa. Eine erschreckend hohe Zahl von Menschen stellt sogar die Demokratie an sich in Frage.

Rund 23 Prozent der Österreicher habe durchaus totalitäre Einstellungen, glaubt der Historiker Oliver Rathkolb, der die Umfrage wissenschaftlich begleitete. "Das ist extrem hoch". Der Vergleichswert vor zehn Jahren lag bei 14 Prozent.

Wesentlicher Grund für die steigende Sehnsucht nach einem starken Mann oder gar einem Abschied von der Demokratie sei die Verunsicherung vieler Menschen durch die Globalisierung.

"Die Demokratie habe in den letzten zehn Jahren an Zustimmung verloren"

Immerhin steht die Mehrheit der Österreicher immer noch hinter der Demokratie. Doch sie verliere deutlich an Zustimmung, sagte Rathkolb. Dieser Trend gelte nicht nur für Wähler vom politischen Rand, sondern für eine oft schweigende, durch Perspektivlosigkeit frustrierte Gruppe. "Politische Apathie führt zu totalitären Systemen", sagte Rathkolb.

Den Trend zum mit starker Hand regierenden Mann unterstreicht auch die Aussage zum wachsenden Bedürfnis nach "Recht und Ordnung". Ein stärkeres Vorgehen gegen Unruhestifter und Außenseiter könnten sich 61 Prozent der Befragten vorstellen. (2007: 53 Prozent).

Dahinter verbirgt sich nach Überzeugung von Rathkolb vor allem eines: Angst. "Es zeigt die Sorge der Menschen, in turbulenten Zeiten unter die Räder zu kommen", sagt der Forscher, der an der Universität Wien lehrt.

Politische Führung meine dabei nicht automatisch das Modell der Rechtspopulisten. Solche Ergebnisse könnten zwar potenziell Rückenwind für FPÖ, AfD und Front National bedeuten. "Aber das hängt immer vom Angebot der anderen ab", sagt Rathkolb. Auch eine demokratieorientierte Führung, die ruhig, nachhaltend und glaubhaft das soziale Gefüge aufrechtzuerhalten suche, könne attraktiv sein.

55 Prozent der Jüngeren meinen, der Nationalsozialismus habe Österreich nicht nur Schlechtes gebracht

Die Politik in Österreich hat in gewisser Weise schon seit einiger Zeit auf diese Grundstimmung reagiert. Die in einer rot-schwarzen Koalition verbandelten Volksparteien SPÖ und ÖVP nehmen speziell in der Flüchtlingskrise viele "Law & Order"-Themen auf.

Eine harte oder zumindest härtere Hand gegenüber Ausländern und Asylbewerbern soll Führerschaft suggerieren. Die Rechtspopulisten der FPÖ, die bisher mit Anti-Ausländer-Sprüchen dominierte, haben laut letzten Umfragen ihre Spitzenposition in der Wählergunst an die SPÖ verloren.

Die Umfrage zeigt auch, dass insbesondere bei vielen Jüngeren substanzielle historische Kenntnisse weder vorhanden noch gewünscht scheinen.

Unter den bis 35-Jährigen sind 55 Prozent der Meinung, dass der Nationalsozialismus Österreich nicht nur Schlechtes gebracht hat. Das ist der höchste Anteil bei allen Altersgruppen.

Trotz aller Ausstellungen, Initiativen, Gedenkstätten und Bemühungen im Unterricht komme das Thema offenbar nicht an, meint Rathkolb. "Da läuft irgendetwas schief". 40 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass man einen Schlussstrich unter die Debatte zum Holocaust ziehen sollte. Vor zehn Jahren waren das 48 Prozent.

Mehr zum Thema: Österreich will aus dem EU-Programm zur Umverteilung von Flüchtlingen aussteigen

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