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20/04/2017 18:04 CEST | Aktualisiert 20/04/2017 21:58 CEST

Studie: Warum der Klimawandel den Terrorismus fördert

DELIL SOULEIMAN via Getty Images
Studie: Warum der Klimawandel den Terrorismus fördert

  • Laut einer Studie profitieren terroristische Gruppen vom Klimawandel

  • Er erleichtere den Gruppen die Rekrutierung und lasse natürliche Ressourcen wie Wasser zur Waffe werden

Der Klimawandel begünstigt die Entstehung und das Wachstum von terroristischen Gruppen. Zu diesem Ergebnis kommt der unabhängige Thinktank Adelphi aus Berlin in einer Studie.

Zwar gebe es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Anstieg von Gewalttaten durch bewaffnete nicht-staatliche Gruppen wie den Islamischen Staat (IS) in Syrien und Afghanistan oder von Boko Haram in Nigeria.

Aber: Große Veränderungen in der Umwelt könnten Staaten destabilisieren - und so Platz schaffen für Terroristen.

Der Klimawandel wirkt als "Gefahren-Multiplikator"

Die Temperatur auf der Erde erhöht sich immer weiter. Laut der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA war der März 2017 der zweitheißeste März seit Beginn der Aufzeichnungen.

Durch den Klimawandel drohen häufiger Unwetter und Stürme, außerdem werden natürliche Ressourcen wie Wasser und Ackerland knapp.

Bei der Entstehung von Terrorgruppen spielen selbstverständlich viele Faktoren eine Rolle. Der Klimawandel wirke allerdings als “Gefahren-Multiplikator”, schreiben die Forscher in der Studie.

Er “interagiert und wächst mit anderen existierenden Risiken und Belastungen in einer bestimmten Situation zusammen und kann die Wahrscheinlichkeit von Unsicherheit und gewalttätigen Konflikten erhöhen”, heißt es da.

Die Forscher der Denkfabrik untersuchten vier Fallbeispiele: Boko Haram in Nigeria, den IS in Syrien, die Situation in Afghanistan und die organisierte Kriminalität im südamerikanischen Guatemala.

In allen Fällen stellten sie zwei Mechanismen fest, durch die die Terroristen vom Klimawandel profitieren können.

Terroristen profitieren von zwei Mechanismen

Der erste Mechanismus: Die staatliche Macht wird brüchig, denn Konflikte um Ressourcen wie Wasser oder Ackerland nehmen zu. In dieser Umgebung könnten Terrororganisationen leichter operieren. Sie füllten das Machtvakuum aus, das ein schwacher Staat hinterlässt, schreiben die Forscher.

Der zweite: Der Klimawandel verschlechtert die Lebensumstände der Menschen in bestimmten Ländern oder Regionen. Sie werden so zu einem leichten Ziel für die Rekrutierer des IS oder von Boko Haram beispielsweise.

Hinzu komme, dass sich die Terrororganisationen die veränderten Umweltbedingungen zunutze machen.

Der Islamische Staat setze etwa bewusst Wasser als Druckmittel ein. So hätten die Islamisten im syrischen Raqqa Wasser besteuert. Oder die Terroristen benutzten die Ressource gleich als Waffe und fluteten bestimmte Regionen.

Mehr zum Thema: Geheimdokumente entlarven deutsche IS-Kämpfer

Um die Gefahren von quasi-staatlichen Terrororganisationen einzudämmen, empfehlen die Forscher der Politik eine langfristige Strategie aus Klimaschutz, Entwicklungshilfe und Unterstützung von Regierungen zu betreiben.

Gerade der Klimaschutz werde bei der Terrorismusbekämpfung übersehen. Dabei spiele er eine entscheidende Rolle, Regionen oder ganze Länder zu destabilisieren.

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(poc)

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