Polizei überwachte den Extremisten Karim C. - konnte aber den Anschlag in Paris nicht verhindern

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  • Ein Attentäter tötete in Paris einen Polizisten und verletzte zwei weitere, bevor er erschossen wurde
  • Die Terromiliz Islamischer Staat beanspruchte die Tat für sich
  • Der mutmaßliche Täter war ein bekannter Extremist, der unter Überwachung stand
  • Er wurde bereits wegen Schüssen auf Polizisten zu einer langen Haftstrafe verurteilt
  • Die Bilder kurz nach dem Anschlag seht ihr oben im Video

Der Mann, der am Donnerstagabend einen Polizisten in Paris erschossen hat, war ein bekannter islamistischer Extremist, der mehrmals durch Gewalttaten aufgefallen war.

Nach dem tödlichen Angriff auf der populären Meile Champs-Élysées haben die Pariser Ermittler den mutmaßlichen Verantwortlichen identifiziert. Es handele sich um den 39-jährigen Karim C. aus der im Osten der Hauptstadt gelegenen Stadt Chelles. Das ging unter anderem aus Polizeiunterlagen hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorlagen.

Nach Angaben des US-amerikanischen Senders CNN hatte Karim C. eine "Fiche S" Akte. Das heißt, er stand unter Überwachung des DGSI, eines Geheimdienstes für innere Sicherheit, vergleichbar mit dem deutschen Verfassungsschutz.

Täter war wegen Angriffen auf Polizisten zu langer Haftstrafe verurteilt worden

Karim C. sei der Halter des Fahrzeugs gewesen, das bei der Attacke verwendet worden war. Nach Angaben der französischen Zeitung "La Parisien" hat Karim C. bereits viele Gewaltverbrechen begangen.

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Dieses Foto, das der Nachrichtenagentur AP überlassen wurde, soll den Täter zeigen

Bereits 2001 hatte er einen Polizisten schwer verwundet. Mit einem gestohlenen Peugeot hatte er ein Fahrzeug gerammt. Zwei Männer, darunter ein Polizeischüler, verfolgten ihn. Er schoss mit einem Revolver auf die Männer und traf sie in den Oberkörper. Kurz darauf wurde er festgenommen.

In der Haft entwendete er einem Beamten, der ihn aus seiner Zelle holte, die Waffe und schoss auf ihn. Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr dies aus Ermittlerkreisen. Auch "Le Parisien" berichtet dies.

Karim C. soll Waffen zum Töten von Polizisten gesucht haben

Für diese beiden Taten wurde er 2003 zu 20 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt, schreibt "Le Parisien". Der französische Sender BFMTV spricht dagegen von einer Verurteilung zu 15 Jahren. Karim C. ging in Berufung. 2005 wurde seine Haftzeit auf fünf Jahre reduziert.

snapchat
Ein Augenzeuge filmte die Tat und verbreitete sie über Snapchat

Die Polizei-Reporterin Audrey Goutard sagte dem Sender France 2, dass Karim C. vor Kurzem in Meaux (Seine-et-Marne), festgehalten und befragt worden war, da er nach Angaben von Informanten Waffen zum Töten von Polizisten gesucht haben soll. Wegen Mangel an Beweisen sei er aber freigelassen worden.

BFMTV berichtet, dass er die Messenger-App Telegram benutzte. Der Dienst ist aufgrund seiner starken Verschlüsselung beliebt bei Extremisten. Nach Angaben des Senders soll er über Telegram angekündigt haben, Polizisten töten zu wollen.

Nach der Tat hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rasch hat den Angriff für sich reklamiert. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amaq. Der IS gab an, dass ein Kämpfer namens "Abu Yusuf, der Belgier" den Angriff ausgeführt habe.

Dass der IS die Identität des Mannes kennt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass er vor der Tat mit der Terrormiliz in Kontakt stand und auf ihren Befehl hin handelte. Karim C. war allerding nicht belgischer Staatsbürger, sondern Franzose.

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(sk)