Mr. Sulu wird 80: George Takei schaut auf sein Leben zurück

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George Takei setzte erstmals 1966 Kurs in fremde Galaxien

Zwar ist der 80. Geburtstag von George Takei ein durch und durch glücklicher Anlass, etwas wehmütig muss die Vita des Schauspielers aber doch betrachtet werden. Internierungs-Gefangener, Hiroshima-Nachfahre, LGBT-Aktivist, Politiker, Internet-Influencer, Buddhist und Buchautor - Takei hat viele überraschende, regelrecht unglaubliche Dinge in seinem nun 80 Seiten langen Lebenslauf stehen. Doch für die meisten Menschen wird er auf ewig "nur" Mr. Hikaru Sulu aus "Star Trek" sein.

Eine Kindheit unter Militär-Überwachung

Das Buch "Oh Myyy!: There Goes The Internet" von George Takei gibt es hier zu kaufen

Die direkten Schrecken des Zweiten Weltkriegs musste der 1937 in Los Angeles geborene Takei zwar nicht hautnah miterleben - wohl aber die Konsequenzen für US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln. Als Folge des Angriffs auf den US-Stützpunkt Pearl Harbor durch die japanische Luftwaffe 1941 wurden rund 120.000 japanischstämmige Amerikaner in Internierungslager gesteckt. Eine dieser "Sicherheitsrisiken" war der erst fünfjährige George und seine Familie. Bis zu seinem achten Lebensjahr sollte er das Leben nur unter steter Bewachung durch das US-Militär kennenlernen.

Der in Japan lebenden Familie erging es schlimmer. Eine Tante und einen Cousin wischte der Atombombenabwurf auf Hiroshima innerhalb einer Millisekunde aus dem Leben, seine Großmutter überlebte in einem kollabierten Haus wie durch ein Wunder.

Jeder kann etwas bewirken

Es ist nicht verwunderlich angesichts dieser Vorgeschichte, dass sich Takei neben der Schauspielerei vor allem politisch engagierte. Mit 35 Jahren, als ihn die Welt bereits als Steuermann Mr. Sulu der Enterprise kannte, stand er sogar kurz davor, in den Stadtrat von Los Angeles gewählt zu werden.

Mit der Politik-Laufbahn wollte es zwar (bislang) nicht klappen, als wichtiges Sprachrohr konnte sich Takei aber auf andere Weise etablieren. Bei Facebook ist der Schauspieler ausgesprochen aktiv, über 10 Millionen Menschen erreicht er dort täglich mit seinen Posts. Nicht schlecht für einen nun 80 Jahre alten "Influencer".

Sein wichtigstes Engagement liegt aber in einem Bereich, der ihn selbst betrifft: Zwar galt es unter Fans und Freunden lange Zeit zuvor als offenes Geheimnis, 2005 outete sich Takei aber auch offiziell als homosexuell. Und machte bei dieser Gelegenheit noch gleich publik, dass er mit seinem Manager Brad Altman bereits seit 18 Jahren zusammen war. Seiher setzt er sich vehement für die Gleichberechtigung der LGBT-Gemeinde ein. 2008 heiratete er Altman in einer buddhistischen Zeremonie unter den Augen vieler seiner Wegbegleiter - die Trauzeugen waren Nichelle Nichols (Lieutenant Uhura) und Walter Koenig (Pavel Chekov).

Mr. Sulu ist schwul und das ist nicht gut so

Umso überraschender kam die Kritik an der Neuauflage von "Star Trek", beziehungsweise an einer ganz besonderen Entscheidung. Darin wurde nämlich seine Figur Mr. Sulu (nun gespielt von John Cho) ebenfalls als homosexuell vorgestellt. Doch Takei war von dieser Entscheidung wenig begeistert: "Seid kreativ und erschafft einen neuen Charakter, der schwul ist, statt Sulu, der immer hetero war, auf einmal als schwul zu outen", so Takei laut "The Hollywood Reporter".

Fast wirkte die Kritik so, als wolle Takei selbst endlich mit der Rolle abschließen. Als er 1966 erstmals die gelbe Uniform als Enterprise-Mitglied überstreifte, krähte noch kein Hahn nach der Sci-Fi-Serie, deren drei Staffeln erst wesentlich später zum Kult werden sollten. Sechs Filme, 79 Episoden und einige Jahre später war er dagegen unzertrennlich mit seiner Rolle verknüpft. Das allerdings eindeutig auf Kosten seiner schauspielerischen Entfaltungsmöglichkeit.

Der ewige Mr. Sulu

Ob in "The Big Bang Theory" oder "Scrubs", überall wurde ein Gastauftritt von George Takei vor allem zu einem Gastauftritt von Mr. Sulu. Dementsprechend stagnierte seine Karriere auch, zumeist war nach einem Cameo-Auftritt in diversen Serien wieder Schluss. Ein Umstand, der Takei aber wohl nur bedingt deprimiert haben dürfte. Schließlich ist er dafür als Buchautor durchaus erfolgreich geworden. Schon 1979 erschien sein erstes Buch, ein Sci-Fi-Roman, 2012 brachte er das E-Book mit dem Titel "Oh Myyy! - On Life, The Internet and Everything" auf den Markt.

Sollte Herr Takei also am heutigen 20. April auf seinen bisherigen Lebensweg zurückblicken, während er die 80 Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen ausbläst - ein zu langweiliges Leben muss er dabei nicht betrauern. Vielmehr sollte die Freude überwiegen, dass er es schon lange und in Frieden leben konnte.