Die Republik rätselt, warum Frauke Petry auf die AfD-Spitzenkandidatur verzichtet - 5 Antworten

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PETRY
Frauke Petry verzichtet auf die Spitzenkandidatur ihrer Partei | Lukas Schulze via Getty Images
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Ihre Entscheidung hat die AfD völlig überraschend und unvorbereitet getroffen: Frauke Petry wird sich nicht für die Spitzenkandidatur der Partei bewerben.

Nun rätseln die politischen Beobachter: Was steckt hinter dem Rückzug so kurz vor dem Bundesparteitag? Und was bedeutet er für die Partei?

Die Medien finden völlig unterschiedliche Antworten. Das zeigt auch, so richtig klar dürfte die Entscheidung niemandem sein:

1. "Spiegel Online" spricht von einem "Rückzug mit Kampfansage"

Der Journalist Severin Weiland schreibt: "Nun hat sich die hochschwangere Petry, die noch vor dem Sommer ihr fünftes Kind erwartet, selbst aus dem Rennen genommen - allerdings will sie dafür offenbar einen Preis."

Laut Weiland erwartet Petry von ihrer Partei, dass sie auf dem Parteitag ihren "Zukunftsantrag" unterstützt, der die AfD als bürgerlich-konservative Partei etablieren will. Nehmen die Mitglieder den Antrag an, würde die AfD tatsächlich mehr in die rechte Mitte rücken.

Doch Petry könnte sich verkalkuliert haben, glaubt "Spiegel"-Mann Weiland. Denn ihre Gegner in der Partei sind mächtig wie nie. Wahrscheinlich ist, dass die Parteimitglieder Petrys Antrag ablehnen - dann wäre die AfD-Sprecherin endgültig isoliert.

2. Die "Welt" dagegen glaubt: Petry ist so gut wie weg

Die konservative Zeitung aus Berlin schreibt: "Immerhin hat die Parteivorsitzende den Mut – und die nötige Einsichtsfähigkeit –, sich den radikalen Rechtsnationalisten in ihrer Partei entgegenzustellen. Sie fordert, was selbstverständlich sein sollte, nämlich Björn Höcke auszuschließen."

Und weiter: "Petry ist faktisch weg, ihre Forderungen nach einer programmatischen Mäßigung der AfD wird man auf dem Parteitag am Wochenende mit Floskeln bedienen und dann ersticken können."

Für das Wahlergebnis der AfD habe das keine Auswirkungen, glaubt die "Welt". Den Wählern sei es ohnehin egal, wer die Partei führe.

3. Die "taz" fürchtet: Petry-Rückzug könnte die AfD sogar stärken

Die linke "taz" aus Berlin spricht zwar von einem Rückzug Frauke Petrys, aber nicht von einem Abschied.

Berlin betrachtet Petrys Entscheidung ebenfalls nicht zwangsläufig als Anfang vom Ende der AfD: "Die Rechtspopulisten verlieren ihre am besten für Talkshows geeignete Figur. Genauer: Sie tritt in die zweite Reihe zurück – erst mal."

Die "taz" kommentiert in gewohnt sarkastischem Ton, dass das neue Spitzenduo aus Alice Weidel und Alexander Gauland für die Partei von Vorteil sein könnte: "Eine neoliberale Lesbe und ein grantelnder Reaktionär - für die AfD ist Petrys Rückzieher insofern nicht unbedingt eine schlechte Nachricht."

Petry habe ihrer Partei mit ihrem überraschenden Schritt einen Dienst erwiesen.

4. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vermutet ein taktisches Manöver

"Mit ihrem Verzicht auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl vollzieht Frauke Petry wieder einmal ein taktisches Manöver", schreibt die "FAZ".

Das Kalkül sei leicht zu durchschauen: "Sie will die Bühne nicht mit innerparteilichen Konkurrenten teilen, sondern auf dem kommenden Parteitag in Köln erreichen, dass die AfD ganz ohne Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zieht – um als Parteivorsitzende weiterhin die Nummer eins zu sein."

5. Die Zeitung "Der Neue Tag" aus Weiden sieht in Petrys Rückzug gar einen klugen Schachzug

"Ohne ihren taktischen Verzicht wäre sie, die einen offenen Machtkampf stets vermeidet, beim Parteitag in Köln wohl baden gegangen", kommentiert die Zeitung aus der Oberpfalz.

Und weiter: "Kommen die aufgeschreckten Delegierten nach dem Paukenschlag kurz vor knapp nun vom Plan einer Doppel- oder Mehrfachspitze ab, wäre der Weg eventuell doch frei für eine alleinige Spitzenkandidatin Frauke Petry."

Mehr zum Thema: Petrys taktischer Rückzug von der AfD-Spitzenkandidatur

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(lk)