LIFESTYLE
20/04/2017 18:10 CEST

Dieses Dokument aus dem 14. Jahrhundert könnte eines unserer größten Gesundheitsprobleme lösen

wikimedia commons/ wellcome images
Das Dokument "Lilium Medicinae" beinhaltet 360 Rezepte und beschreibt über 100 Ingredienzen

Ob Sinusitis oder Blasenentzündung - Ärzte verschreiben inzwischen bei sehr vielen Erkrankungen ein Antibiotikum. Zwar schafft das Medikament schnelle Abhilfe, es birgt aber auch ein erhebliches Risiko.

Durch zu häufige Behandlungen mit Antibiotika können sich nämlich gefährliche Bakterien bilden, die resistent gegen Medikamente sind. Schlimmstenfalls führt eine Infektion mit solchen Bakterien zum Tod. Daher wird kontinuierlich nach Alternativen zu Antibiotika gesucht.

Forscher haben nun ein wichtiges Dokument aus dem Mittelalter entdeckt, das 360 Rezepte gegen Infektionskrankheiten enthält. Diese könnten der ersehnte Schlüssel im Kampf gegen die mulitresistenten Bakterien sein.

Multiresistente Keime fordern bereits jetzt jährlich tausende von Todesopfern

Die Gefahr ist tatsächlich größer als gedacht. Elisabeth Meyer vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité warnt, dass sich die Zahl der weltweiten Todesopfer, hervorgerufen durch multiresistente Keime, noch erhöhen könnte.

Wegen dieser Bakterien sterben pro Jahr etwa 700.000 Menschen. Die Zahl soll den Prognosen der Wissenschaftlerin zufolge bis ins Jahr 2050 auf zehn Millionen ansteigen.

Sollte sich die Befürchtung der Forscherin bewahrheiten, würden damit mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben als an Krebs.

Ein internationales Team aus Mittelalterexperten, Molekularbiologen, Chemikern, Pharmazeuten und Parasitologen glaubt nun, einen Ausweg gefunden zu haben. Ein über 700 Jahre alter medizinischer Text könnte "neue" Heilungsmethoden eröffnen.

Prämoderne Medizin könnte die Lösung sein

Erin Connelly, Mitglied des Teams und Mitarbeiterin am Institut für Mittelalter Studien der Universität von Pennsylvania, schreibt im Online-Magazin “The Conversation”: “Mit der Hilfe moderner Technologie hoffen wir, das Rätsel zu lösen, wie prämoderne Ärzte Infektionen behandelten und ob deren Kuren tatsächlich wirkten.”

Das Forscherteam führte bereits eine Studie durch, in der es eine Heilungsmethode aus dem 10. Jahrhundert gegen Gerstenkörner ausprobierte. Eine Salbe wurde nach einem altem Rezept hergestellt und konnte tatsächlich 90 Prozent der Antibiotika resistenten Staphylokokken (Staphylococcus aureus) abtöten.

Die Mischung alter Ingredienzen köchelte für neun Tage in einem Kupfergefäss. Nach Fertigstellung konnte das alte Heilmittel die gleiche Wirksamkeit gegen die Staphylokokken entfalten wie das sonst verwendete Antibiotikum.

Mehr zum Thema: Dieser Honig wirkt effektiver gegen Bakterien als gängige Antibiotika

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Das Forscherteam arbeitet mit einem Text von 1305

Aktuell beschäftigt sich das Forscherteam mit einer englischen Schrift aus dem 15. Jahrhundert. Deren Ursprünge gehen auf das lateinische Dokument “Lilium medicinae” zurück. Verfasst wurde es 1305 von Bernard de Gordon, einem französischen Arzt und Professor.

Die "Lilium medicinae", zu deutsch “Die Blüte der Medizin” war ein bis ins 17. Jahrhundert weit verbreiteter Text. Er enthält mehr als 360 Rezepte und Tausende von Ingredienzen.

Erin Connelly hat den Text aufwendig bearbeitet. Dabei übersetzte sie das Dokument nicht nur in eine moderne Sprache, sondern suchte auch nach den modernen Äquivalenten der mittelalterlichen Zutaten und Pflanzennamen.

Eine Renaissance des Mittelalters

Das Dokument ist eine ganze Datenbank, die Ingredienzen und Heilmethoden beinhaltet. Das wollen die Forscher nun nutzen: Sie hoffen, dass diese Datenbank ihnen “neue” Rezepturen verraten wird, Bakterien auf neuen Wegen zu bekämpfen.

Auch wenn das Forschungsteam noch am Anfang seiner Arbeit steht, glaubt Connelly fest an “das aufregende Potential für die Zukunft".

Die Medizin könnte somit vielleicht bald eine Renaissance des Mittelalters erleben.

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(lk)

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