Studie offenbart alarmierende Zahl von Mobbingopfern an Schulen - das können Eltern tun

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Studie zeigt: Jeder sechste 15-Jährige Schüler in Deutschland wird gemobbt - das können Eltern tun | iStock
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Mobbing ist ein massives Problem in Schulen, tausende Kinder werden jedes Jahr Opfer von verbaler und körperlicher Gewalt. "Es vergingen kaum Wochen, in denen ich nicht beschimpft oder geschlagen, getreten oder geschubst wurde", schrieb eine Bloggerin erst kürzlich in der Huffington Post über ihre Schulzeit.

"Eines Tages jagten Sie mich wieder. Sie jagten mich über den Schulhof. Ich flüchtete mich auf ein Klettergerüst. Ich hatte solche Angst. Ich fiel vom Klettergerüst auf den Rücken und meinen Arm. Ich bekam keine Luft. Ich weinte."

So wie es ihr vor vielen Jahren erging, ergeht es noch heute Millionen von Schülern. Jeder sechste 15-Jährige in Deutschland wird zum Mobbing-Opfer in seiner Schule. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle PISA-Studie der OECD zum Wohlbefinden von Jugendlichen aus aller Welt.

Der OECD-Direktor warnt

Insgesamt sind Jungen häufiger von Mobbing betroffen als Mädchen. Mädchen werden dafür öfter Opfer von Ausgrenzung und Gerüchten.

"Mobbing müssen wir in Deutschland viel stärker thematisieren, weil es hier oft noch an den Rand gedrängt wird", sagte OECD-Direktor Andreas Schleicher.

"Da hilft nur eine Null-Toleranz-Praxis, um deutlich zu machen, dass so etwas nicht akzeptiert wird." Man dürfe Schulpsychologen und Sozialarbeiter nicht allein mit dem Thema lassen.

Die Studie untersuchte auch die allgemeine Zufriedenheit der Schüler. Demnach sind immerhin drei Viertel aller 15-jährigen Schüler in Deutschland mit dem Leben zufrieden. Doch das Mobbing-Problem bleibt.

Eltern sind oft ratlos

Auch wenn Opfer sich ihren Eltern anvertrauen, wissen diese oft nicht, wie sie reagieren sollen.

Der frühere Schulleiter, Lehrer und Vertrauenslehrer Franklin Schargel hat in der amerikanischen Huffington Post Tipps gegeben, wie Eltern im Falle von Mobbing ihrer Kinder am besten reagieren sollten.

Demnach sollten Eltern ihr Kind auf keinen Fall allein mit dem Problem lassen und ausführlich mit ihnen darüber sprechen, was passiert ist - und zwar ruhig, ohne ihr Kind zu unterbrechen.

Sie sollten ihren Kindern zu verstehen geben, dass es normal ist, traurig zu sein, aber dass es niemals in Ordnung ist, jemanden zu mobben.

Eltern müssen ihre Kinder ernst nehmen

Anstatt allerdings sofort Maßnahmen zu ergreifen, wie sie ihrem Kind helfen können, sollten sie ihr Kind zunächst selbst fragen, was ihm am liebsten wäre.

Jeden Vorfall, von dem ihnen ihre Kinder berichten, sollten Eltern ernst nehmen. Mobbing sollte nie heruntergespielt werden, schreibt Franklin.

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Franklin rät Eltern sogar dazu, genau aufzuschreiben, was ihre Kinder ihnen über das Mobbing erzählen. "Sie sollten wissen, wo es stattfindet, wer darin involviert ist, wie oft es passiert und wer es eventuell bezeugen kann. Dann sollten die Eltern nicht zögern, die entsprechende Person oder dessen Familie zu konfrontieren", schreibt Franklin.

Auch die Schule sollte laut Franklin von dem Mobbing erfahren. Er rät Eltern, entweder mit einem Vertrauenslehrer oder sogar mit dem Schulleiter zu sprechen.

Kein Kind sollte Angst davor haben, in die Schule zu gehen

Nur in einer Hinsicht sollten Eltern ihr Kind nicht unterstützen. "Wenn eure Kinder euch darum bitten, dass sie zuhause bleiben dürfen, erlaubt es nicht", rät Franklin. Stattdessen sollten Eltern ihren Kindern erklären, warum es alles nur verschlimmern würde.

Außerdem schreibt Franklin, Eltern sollten sich auch mit den Eltern anderer Schüler über das Mobbing ihres Kindes austauschen. Denn vielleicht geht es anderen ähnlich.

Mehr als all diese Ratschläge zu befolgen, könnten besorgte Eltern nicht tun. Nun sei die Schule an der Reihe, sich dem Problem anzunehmen.

Es sei wichtig, dass diese die Mobbing-Fälle ernst nehme und entsprechende Maßnahmen ergreife. Damit kein Kind Angst davor haben muss, in die Schule zu gehen.

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(lk)