Petrys taktischer Rückzug von der AfD-Spitzenkandidatur

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FRAUKE PETRY
Frauke Petry, co-leader of Germany's right-wing populist AfD party (Alternative for Germany), gives a press conference on April 18, 2017 in Berlin on her party's master plan for a new media structure. / AFP PHOTO / John MACDOUGALL (Photo credit should read JOHN MACDOUGALL/AFP/Getty Images)uke | JOHN MACDOUGALL via Getty Images
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  • AfD-Sprecherin Petry verzichtet auf eine Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl
  • Viele sehen jetzt schon das Ende ihrer politischen Karriere kommen
  • Tatsächlich ist ihr Rückzieher ein cleverer Schachzug

Frauke Petry zieht die Notbremse: Die AfD-Sprecherin hat überraschend auf eine mögliche Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl erklärt.

Ihre Entscheidung wenige Tage vor dem Bundesparteitag an diesem Wochenende in Köln traf die große Mehrheit ihrer Parteifreunde unvorbereitet. "Ich war vorab nicht informiert", sagte der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen.

Wer jetzt denkt, dass der Rückzug die Partei und ihre Chefin schwächt, täuscht sich.

Hier sind drei Gründe, warum Petrys Entscheidung ein cleverer Schachzug war.

1. Petry wäre niemals Spitzenkandidatin geworden

Petry wusste, dass sie nicht alleinige Spitzenkandidatin werden würde. Auf dem Parteitag in Köln werden die Delegierten darüber abstimmen, ob ein Spitzenteam oder ein einzelner Spitzenkandidat die AfD in den Bundestagswahlkampf führen soll.

Die Parteimitglieder hatten zuvor schon in einer Umfragen zu verstehen gegeben, was sie bevorzugen: 80 Prozent gaben an, dass sie ein Team wollen – und nicht Petry alleine. Das dürfte auch daran liegen, dass die Sprecherin bei einigen AfD-Anhängern extrem unbeliebt ist.

Das von ihr initiierte Parteiausschlussverfahren gegen den Rechtsausleger Björn Höcke spaltet die Afd. Zudem sieht sich Petry mit heftigen Vorwürfen gegen ihren Ehemann Marcus Pretzell konfrontiert. Sein ehemaliger Spindoktor Michael Klonovsky, nannte ihn einen „Hochstapler“.

Petry wollte sich mit ihrem Rückzug vermutlich auch ersparen, dass ihr Alexander Gauland oder Beatrix von Storch zur Seite gestellt werden. Das Verhältnis in der Parteispitze ist zerrüttet – kaum vorstellbar, dass einem Team aus Widersachern ein ordentlicher Wahlkampf gelungen wäre. Diese Demütigung wollte sich Petry mit ihrem Rückzug vermutlich ersparen.

2. Petry hat jetzt bessere Chancen, ein Abdriften der AfD nach recht zu verhindern

In der AfD tobt ein heftiger Streit darüber, wie sich die Partei in Zukunft inhaltlich ausrichten soll: als Fundamentalopposition? oder als möglicher Koalitonspartner? Für die zweite Option wirbt Petry in ihrem sogenannten Zukunftsantrag, über den die Delegierten in Köln abstimmen sollen.

"Brenzlig wurde es deswegen, weil das Votum für den Antrag zunehmend als Votum für Petrys politische Zukunft gewertet wurde", sagt der Politologe Werner Patzelt. "Diese Vermengung hat Petry jetzt aufgelöst", so Patzelt.

Die Frage, ob die Partei weiter nach rechts rückt, lässt sich nun unabhängig davon diskutieren, ob Petry die Partei in den Wahlkampf führt. Nach ihrer Absage hat Petrys Zukunftsantrag besser Chancen, von den Deligierten angenommen zu werden. So könnte sie ein Abdriften der Partei nach rechts verhindern.

3. Petry bleibt das Gesicht der AfD

Mit ihrem Rückzug hat Petry auf viel Einfluss in der AfD verzichtet. Sie überlässt ihrem Konkurrenten Gauland ein mögliches Spitzenteam, in das er auf dem Parteitag aller Wahrscheinlichkeit nach gewählt wird.

Dennoch bleibt Petry das Gesicht der AfD. Sie ist die rhetorisch und inhaltlich stärkste Politikerin der Partei – und auch jene mit der größten Bekanntheit. Das ist allen in Partei bewusst, auch ihren Kritikern. Die AfD kann sich einen Wahlkampf ohne Petry nicht leisten.

Darauf darf sie sich allerdings nicht ausruhen. Sie selbst war es, die 2014 den omnipräsenten Parteichef Bernd Lucke zu Fall brachte. Niemand ist unverzichtbar, das weiß Petry am besten. Sie muss deswegen lernen, sich zurückzuhalten.

Ein ordentliches Ergebnis wird die AfD bei der Bundestagswahl nur erreichen, wenn sie ihrem Spitzenteam im Wahlkampf nicht dazwischenfunkt. Widerspruch würden die Wähler abstrafen. Ob das gelingt, wird sich schon auf dem Parteitag zeigen.

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