In Hamburg entsteht Deutschlands coolster Dachgarten - auf einem Bunker

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BUNKER
So könnte der Bunker auf dem Heiligengeistfeld zukünftig aussehen | Planungsbüro Bunker
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  • Der Bunker auf dem Heiligengeistfeld war immer wieder Streitthema in Hamburg
  • Nach langem Hin und Her steht jetzt fest: Er darf begrünt werden
  • Auf 8000 Quadratmetern soll ein fünfstöckiger Stadtgarten entstehen

Seit 2014 wurden die Pläne für den Ausbau des Bunkers immer wieder in der Stadt diskutiert. Jetzt endlich hat das Bezirksamt Hamburg-Mitte hat die Baugenehmigung für das Projekt erteilt, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet.

Es fehlt nur noch die Zustimmung der rot-grünen Koalition, die allerdings als wahrscheinlich gilt. Aufgrund der gesamtstädtischen Relevanz muss die Hamburgische Bürgerschaft, sprich das Landesparlament, dem Vorhaben zustimmen und nicht die städtische Kommission für Bodenordnung. Eine Entscheidung soll noch vor der Sommerpause fallen.

Investor ist die Thomas J.C. Matzen GmbH. Der Investor muss sich an zahlreiche Bauauflagen halten. So muss beispielsweise die Existenz der Bestandsmieter mit einer langfristigen Mietvertragsverlängerung gesichert werden.

Die Thomas J.C. Matzen GmbH will den Bunker pyramidenartig aufstocken und um fünf Stockwerke höher machen. Dann ist der Bunker nicht mehr 38 Meter, sondern 58 Meter hoch.

Es soll ein mehr als 8000 Quadratmeter große Grünfläche entstehen

80 Prozent des Aufbaus müssen dauerhaft begrünt sein, so die Bauauflagen. Der Investor plant mit den Landschaftsarchitekten robuste, heimische Pflanzen anzusiedeln.

Mit der Verwendung von immergrüner Vegetation soll auch für Grün im Winter garantiert werden. Auf dem 75 mal 75 Meter breiten Dach soll eine insgesamt mehr als 8000 Quadratmeter große Grünfläche entstehen. Was ungefähr der Größe eines Fußballfeldes entspricht.

In den Bunkergarten sollen dann eine Sport- und Kulturhalle kommen, ein Café, Ateliers, dazu zwei Gästehäuser mit etwa 150 Zimmern, Wohnungen für Künstler, ein Fitnesscenter und ein Museum.

Zugänglich wird der Dachgarten auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein - über eine bepflanzte Außenrampe. Die Planer sehen vor, dass ein Teil des Gartens in den Sommermonaten von Anwohnern bewirtschaftet wird.

"Das Projekt wird weit über die Grenzen von Hamburg hinweg für Aufmerksamkeit sorgen"

25 bis 30 Millionen Euro wurden bislang für die Gestaltung des Dachgartens veranschlagt. 25 Millionen will der Erbpächter Thomas Matzen investieren, der auch den Unterhalt des Parks finanziert. Der Rest soll über die Mietflächen im Inneren des Dachgartens refinanziert werden. Steuergelder werden nicht eingesetzt.

Zu den Auflagen gehört auch, dass es im Jahr nicht mehr als 38 Kultur- und Musikveranstaltungen geben darf und ausreichend Parkplätze geschaffen werden müssen.

heiligengeistfeld
Der Bunker gehört für die Hamburger zum Stadtbild dazu

"Der grüne Bunker ist ein außergewöhnliches Projekt, dass auch weit über die Grenzen von Hamburg hinweg für Aufmerksamkeit sorgen wird", sagt SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf dem "Hamburger Abendblatt". Er versteht den geplanten Stadtgarten aus Vorzeigeprojekt dafür, wie man kreativ alte Bauwerke umgestalten könnten.

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Doch nicht alle sind so positiv gestimmt.

Ärger gab es zuvor, weil der Bunker starken Schatten wirft - deshalb sollten es zunächst drei statt fünf Stockwerken werden. Dann allerdings wäre die Unterbringung der Sporthalle nicht möglich gewesen. Um den Schattenwurf dennoch etwas einzugrenzen wird der Garten anderthalb Meter von der Feldstraße abrücken.

Der FDP-Denkmalschutzexperte Jens Meyer steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Koloss bleibt Koloss, so seine Meinung: "Durch die Aufstockung wird aus einem grauen Koloss ein noch größerer grüner Koloss, auch der Denkmalschutz müsste eine größere Rolle spielen." Er hätte sich einen Wettbewerb gewünscht, bei dem unterschiedliche Optionen für eine Umgestaltung geprüft und diskutiert worden wären.

Und auch Denkmalschützer sind nicht zufrieden. "Die geplante Aufstockung verunstaltet Hamburgs wichtigstes Mahnmal gegen den Krieg", sagte Kristina Sassenscheidt, Vorsitzende des Denkmalvereins. Seine authentische Aussage, gerade durch die Schroffheit im Kontrast zum lebendigen Umfeld, werde durch die geplanten Veränderungen völlig unkenntlich gemacht, so Sassenscheidt.

Kritik hin oder her, eine bewusste Schaffung von mehr Grünflächen in Städten ist unabdingbar. Städte werden immer weiter ausgebaut, Böden zubetoniert und versiegelt. Eine Begrünung ist nicht nur wichtig für die Umwelt, sondern kann auch das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bürger verbessern - und ein schönerer Anblick sind die Grünflächen noch dazu.

Der Bunker ist Teil der Stadtgeschichte

Ein schöner Anblick war auch der Bunker in der Nähe der Reeperbahn noch nie, doch er ist Teil der Stadtgeschichte. Im Zweiten Weltkrieg diente der Bunker gemeinsam mit zwei Türmen der Flakartillerie der Luftwaffe. Aufregung um die Zukunft des Bunkers gab es schon Anfang der 90er Jahre. Der damalige Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) wollte das Gebäude abreißen und dafür eine Mehrzweckhalle bauen lassen.

Das Vorhaben scheiterte damals, weil Architekten durch den Abriss auf St. Pauli ein "lebensgefährliches Beben" befürchteten. Danach wurde der Bunker immer mehr zum kulturellen Anziehungspunkt. Medienfirmen haben sich dort angesiedelt und zwei Nacht-Clubs lassen hier jedes Wochenende Feierwütige das Tanzbein schwingen.

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(ben)

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