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18/04/2017 09:45 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 14:56 CEST

Grünen-Chef Özdemir geht hart mit Deutschtürken ins Gericht und fordert eine Integrationsoffensive

  • Grünen-Chef Özdemir fordert eine Auseinandersetzung mit dem Wahlverhalten der Deutsch-Türken

  • Er fordert eine Integrationsoffensive

  • Der Grünen-Politiker fordert, dass alle deutschen Soldaten aus der Türkei abgezogen werden

  • Im Video oben erklären wir das Thema in 60 Sekunden

Grünen-Chef Özdemir hat eine Auseinandersetzung über die Hintergründe des Wahlverhaltens von Deutsch-Türken gefordert.

"In Deutschland brauchen wir jetzt eine Debatte darüber, warum ein Teil der Deutsch-Türken, die hier Demokratie und Rechtsstaatlichkeit genießen, diese in der Türkei abgewählt haben", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir der "Rheinischen Post".

Er sprach sich für eine "klare Ansage" aus, wonach in Deutschland nur glücklich werde, wer mit beiden Füßen auf dem Boden des Grundgesetzes stehe und "nicht nur auf Zehenspitzen".

Das Ergebnis bescheinige zudem Versäumnisse in der Integrationspolitik der letzten Jahrzehnte. "Wir Grüne werden Integration in der nächsten Regierung zur Chefsache machen", erklärte Özdemir.

Das Abstimmverhalten der Türken in Deutschland erschrecke ihn. "Wir brauchen eine Integrationsoffensive. Hier rächen sich jetzt die massiven Versäumnisse insbesondere der CDU und SPD aus den vergangenen Jahrzehnten", sagt er der "Passauer Neuen Presse".

"Hier leben, die Vorzüge der Demokratie genießen und in einem Land, in dem man gar nicht mehr lebt, für die Einführung einer Diktatur stimmen", das sei mehr als problematisch, so Özdemir im ARD-Morgenmagazin.

Özdemir fordert von den in Deutschland lebenden Türken ein Bekenntnis zu ihrer neuen Heimat

In der "Bild"-Zeitung verlangte Özdemir von den in Deutschland lebenden Türken ein Bekenntnis zu ihrer neuen Heimat: Man müsse sich schon "ganz zu den Werten und zur Verfassung unseres Landes bekennen, wenn man hier auf Dauer glücklich werden will". Auf Twitter sprach er von einem "schwarzen Tag für die Türkei".

"Ein Großteil der Türken in Deutschland ist gar nicht zur Wahl gegangen. Aber für diejenigen, die hier für eine Diktatur gestimmt haben, wird es einen Aufarbeitungsprozess geben müssen", so der Vorsitzende der Grünen im "Deutschlandfunk".

Das Argument, dass es diese Probleme ohne den Doppelpass nicht gäbe, sieht Özdemir vor allem als Argument für mehr Integration. "Die doppelte Staatsbürgerschaft ist kein Selbstzweck." Wer möchte, dass die Zahl der Erdogan-Anhänger zurückgeht, der solle sich Gedanken über bessere Bildung machen und den Kampf gegen Rassismus vorantreiben.

"Wirtschaftliche und militärische Beziehungen gehören auf den Prüfstand"

Im "Deutschlandfunk" sagte der Grünen-Chef auch, dass die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf Eis liegen und "da sollten sie auch bleiben."

Deutschland und die EU müssten jetzt genau überlegen, was sie tun. Nicht nur ein kluger Umgang bezüglich der Beitrittsverhandlungen sei wichtig, sondern "auch die wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen gehören komplett auf den Prüfstand."

"Deutsche Soldaten müssen so schnell wie möglich aus der Türkei abgezogen werden und Rüstungslieferungen eingestellt werden", forderte er weiter. Die Türkei sei kein verlässlicher Partner mehr, es stelle sich die Frage, ob das Land seinen Verpflichtungen in der NATO überhaupt noch nachkommen könne.

Deutschland muss gegen Erdogan-Moscheen vorgehen

Dennoch liege es an der Türkei, den ersten Schritt der Abnabelung zu machen, so der Grünen-Politiker. Dennoch sei es wichtig, sich zu fragen, was Deutschland tun kann, dass die Erdogan-Moscheen endlich von der Türkei abgenabelt werden.

Bei dem Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei hatten 63 Prozent der in Deutschland lebenden Türken mit Ja gestimmt. In der Türkei selbst erzielte das Lager um Präsident Recep Tayyip Erdogan dagegen mit 51,4 Prozent einen deutlich knapperen Sieg.

mit Material von dpa

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