Facebook-Neuerung: So macht Zuckerberg seine Rache an Snapchat-CEO Spiegel perfekt

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ZUCKERBERG
Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der Konferenz F8 | Stephen Lam / Reuters
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  • Das soziale Netzwerk Snapchat ist Facebooks gefährlichster Konkurrent
  • Facebook-Chef Zuckerberg kämpft deshalb schon länger gegen die kleinere Firma
  • Jetzt könnte ihm ein entscheidender Sieg gelungen sein

Facebook-Chef Mark Zuckerberg erwähnte Snapchat mit keinem Wort – und doch war überdeutlich, dass es bei der gestrigen F8-Konferenz nur um die Innovationen des Konkurrenten ging. Im gewohnten grauen T-Shirt ging Zuckerberg auffällig aufgeregt die Bühne auf und ab, während im Hintergrund laute Bässe wummerten.

Die F8 ist die wichtigste Facebook-Konferenz. Auf dem unregelmäßig stattfinden Treffen verkündet Zuckerberg Facebooks Neuerungen. Dieses Mal sprach er - so plant es zumindest Zuckerberg - das Todesurteil über den Konkurrenten Snapchat.

Seit Snapchat-Chef Evan Spiegel ein Übernahmeangebot von Facebook ablehnte, verbindet die beiden Firmenchefs eine herzliche Feindschaft. Zuckerberg bot im November 2013 Evans drei Milliarden US-Dollar für die Messenger-App mit dem kleinen Gespenst an – doch Spiegel lehnte ab.

Spiegels Arroganz könnte sich rächen

Ein Jahr zuvor hatte Spiegel in einem Interview mit "Forbes" damit angeben, dass er eine Einladung Zuckerbergs in den Facebook-Campus mit den Worten abgelehnt habe, Zuckerberg könne ihn treffen - aber nur, wenn er zu ihm nach Los Angeles käme.

Diese Arroganz könnte ein Fehler gewesen sein.

Zuckerberg ging zum Angriff über. Seit der gescheiterten Übernahme schuf Facebook einen Snapchat-Klon nach dem anderen. Über Spiegels Messenger-App können die Nutzer „Stories“ teilen, Bilder und Videos, die sich nach kurzer Zeit selbst löschen. Die Bilder können durch so genannten „Linsen“ umgestaltet werden.

Ein Blogger zu dem Thema: Trendmonitor 2017: Snapchat und Instagram sind die neuen Shootingstars unter den Video-Networks

Die App vermisst die Köpfe der Nutzer mit einer ausgeklügelten 3D-Funktion und ermöglicht es so, den Gesichtern Hundenasen hinzuzufügen, sie einen Regenbogen erbrechen zu lassen oder gleich das Gesicht mit einem anderen zu tauschen. „Augmented Reality“ – erweiterte Realität nennt sich das.

Zuckerberg kopierte hemmungslos

Zuckerberg hatte keine Scham, Snapchat hemmungslos zu imitieren.

Facebook, der Facebook Messenger, Whatsapp und Instagram bekamen Snapchat-ähnliche Funktionen verpasst. Die Technik-Journalisten kamen mit dem Zählen der Kopien nicht mehr mit. „Wieviel Snapchat-Klone müssen sein, bis Facebook den Respekt vor sich selbst verliert?“, fragte die britische Zeitung „Guardian“.

Schließlich hatte Facebook Erfolg. Im April gab die Firma bekannt, dass sie nun täglich 200 Millionen aktive Nutzer auf Instagram Stories hat, weit mehr als die 161 Millionen, die Snapchat zuletzt gemeldet hatte. Im Januar hatte Instagram noch 150 Millionen Nutzer - ein Anstieg von sagenhaften 33 Prozent seit Januar.

Zuckerbergs Versuche, Snapchat zu imitieren, wurden in der Branche belächelt. Doch jetzt zeigt sich, dass weit mehr hinter dem schamlosen Kopieren stand, als es den Anschein hatte.

Wieder klonte Zuckerberg Snapchat – aber dieses Mal scheint die Kopie besser zu sein als das Original. Die Neuerung stellte Zuckerberg jetzt auf der Konferenz F8 vor.

Snapchat hatte im September bekannt gegeben, dass es sich nun als „Kamera“-Firma betrachte.

Nicht in dem Sinne, dass es selbst Kameras herstellt. Stattdessen produziert es Software, die von Kameras aufgenommene Bilder manipuliert und die Realität durch komplexe 3D-Software „erweitert“.

Sogar die Wortwahl klaute Zuckerberg bei Snapchat

Zuckerberg ahmte sogar die Wortwahl von Snapchat nach. „Wir machen die Kamera zur Plattform für erweiterte Realität. Die zahlreichen Snapchat-Klone nannte er den „ersten Akt“. Um dann anzukündigen: „Dies ist der zweite Akt“.

Tatsächlich scheint Facebook im Stillen an seinen Fähigkeiten für erweiterte Realität gearbeitet zu haben – denn was Zuckerberg bei der F8 vorstellte, war beeindruckend. Bald will Facebook es ermöglichen, 3D-Abbilder von mit herkömmlichen Kameras aufgenommen Räumen zu erstellen.

So lässt sich zum Beispiel ein Zimmer mit Bällen füllen, wie im bekannten Bällebad von Ikea. Nachrichten lassen sich an Wände schreiben. Auf einem Tisch sollen Nutzer virtuelle Spielfiguren bewegen können – oder sich gleich selbst in dem Raum treffen.

Hier stellt Mark Zuckerberg die neuen Features vor:

Alles auf dem Smartphone, ohne klobige 3D-Brille. Unabhängige Entwickler sollen über eine Schnittstelle eigene Produkte für die Augmented Reality von Facebook entwickeln können.

Zum ersten Mal wirkt Facebook innovativer als Snapchat

Schon der Zeitpunkt dieser Ankündigung war eine Kriegserklärung an Snapchat-Chef Spiegel. Nur Stunden vor Zuckerbergs Auftritt hatte die Snapchat-Firma Snap Inc. bekanntgegeben, dass sie nun die Möglichkeit biete, mit „New World“-Linsen Dinge wie zum Beispiel einen Regenbogen zu echten Orten hinzufügen.

Angesichts des Rummels um Zuckerbergs Auftritt nahm dies aber kaum einer wahr. Zum ersten Mal wirkt Facebook innovativer als Snapchat. Und jetzt?

Facebook hat den 15-fachen Marktwert von Snapchat und mehr als 1,8 Milliarden Nutzer, die Zuckerberg nutzen kann, um seine Produkte in den Markt zu zwingen.

aktien
(Die Entwicklung der Aktienkurse von Facebook und Snap Inc. in den vergangenen drei Monaten)

Kein Wunder, dass Snapchats Aktienkurs seit dem Börsengang im März nur eine Richtung kennt. Er ist seit seinem Hoch am 3. März um 25 Prozent gefallen. Facebook dagegen legt immer noch zu - schon seit Mitte 2013.

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(ben)