POLITIK
18/04/2017 08:00 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 08:13 CEST

Diese Zahl sollten alle kennen, die nach dem Türkei-Referendum gegen Deutsch-Türken hetzen

Axel Schmidt / Reuters
Straßenszene in Kreuzberg

  • Nach dem Verfassungsreferendum wird die Integrationsbereitschaft der Türkeistämmigen in Deutschland in Frage gestellt

  • Die stimmten zum Großteil für eine Aufweichung der türkischen Demokratie

  • Betrachtet man die Zahlen im Detail, erhält man allerdings ein vielschichtigeres Bild

Die Integrationsbereitschaft der Türkeistämmigen in Deutschland wird gerade von vielen in Frage gestellt.

Laut offiziellen Angaben stimmten 63 Prozent für das vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgeschlagenen Präsidialsystem. Ein System, dass die Türkei in eine Quasi-Diktatur umbaut, eingeführt von einem Machthaber, der Kritiker ins Gefängnis wirft und jetzt die Todesstrafe wieder einführen will.

Was ist da los, fragen sich viele Deutsche? Sind die Deutsch-Türken wirklich so demokratiefeindlich? Die Antwort auf diese Frage ist komplex - Voraussetzung um sie zu diskutieren, ist aber ein nüchterner Blick auf die Zahlen.

Mehrheit stimmt nicht für Erdogan

Denn klar ist: Nur ein sehr kleiner Teil der Deutsch-Türken hat Erdogan wirklich seine Stimme gegeben. 13 Prozent, um genau zu sein.

In Deutschland leben 3,5 Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. Davon sind 1,5 Millionen in der Türkei wahlberechtigt. Von diesen haben nur rund die Hälfte beim Referendum abgestimmt. Erdogans Verfassungsänderung bekam 63 Prozent der Stimmen. Am Ende stimmten also "nur" 450.000 Deutsch-Türken dafür.

Sicher: Angesichts der bedrohlichen Entwicklungen in der Türkei ist diese Zahl zu hoch und beunruhigend. Dennoch zeigt sie auch, dass der allergrößte Teil der wahlberechtigten Türken in Deutschland Erdogan seine Stimme verweigerte.

Mehr zum Thema:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(bp)

Sponsored by Trentino