Über diese Form der Depression spricht kaum jemand - dabei betrifft sie Millionen Menschen

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Über diese Form der Depression spricht kaum jemand - dabei betrifft sie Millionen Menschen | iStock
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Die Sonne scheint und es ist angenehm warm - während ein Großteil der Menschen sich darüber freut und jeden einzelnen Sonnenstrahl genießt, ist die Sonne für andere die pure Folter.

"Es fühlt sich an, als würde das Sommerlicht mich wie ein Messer zerschneiden", zitiert der amerikanische Psychiater Norman Rosenthal eine seiner Patientinnen im Onlinemagazin "Quartz".

Wie dieser Frau geht es Millionen anderer Menschen weltweit, die laut Rosenthal unter einer Sommerdepression leiden.

Normalerweise kennt man saisonale Depressionen aus den kalten Wintermonaten. Die sogenannte Winterdepression, durch die sich Betroffene abgeschlagen und antriebslos fühlen, entdeckten Rosenthal und sein Kollege Thomas Wehr vom US National Institute of Mental Health schon 1984.

Nur drei Jahre später stellten sie dann an ihren Patienten fest, dass es noch eine andere saisonale Depression gibt: die Sommerdepression.

Am häufigsten sind junge Frauen betroffen

Im Gegensatz zur Winterdepression fühlen sich Betroffene laut Rosenthal aber nicht lethargisch, sondern unruhig. Außerdem leiden sie seiner Aussage nach unter Schlaflosigkeit. Die meisten Betroffenen seien weiblich und zwischen 20 und 40 Jahre alt.

Der Psychiater geht davon aus, dass Menschen mit einer Sommerdepression Schwierigkeiten haben, sich von dem kalten ans warme Wetter umzugewöhnen. Er vermutet, dass sie vor allem unter dem Licht und der Hitze leiden.

Die steigende Selbstmordrate im Frühling führt Rosenthal ebenfalls teilweise auf die Sommerdepression zurück.

Soziale Faktoren könnten diese Form der Depression begünstigen, glaubt er. Denn im Winter sei es gesellschaftlich akzeptiert, dass man auch mal einen Tag zuhause verbringt und sich einen Film ansieht. Im Sommer steige der Druck, viel unter Menschen zu sein und zu interagieren.

Die gute Laune der anderen könnte die Symptome verstärken

Auch deutsche Ärzten beschäftigt diese Form der Depression. "Sommerdepressionen treten oft bei Menschen auf, die einsam sind und das schöne Wetter nicht mit einem Partner oder der Familie genießen können, und die Schwimmbäder nicht nutzen wollen, weil sie sich oft zu Unrecht nicht attraktiv, zu dick oder zu alt fühlen", sagte Helmut Albrecht, Chefarzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Tageszeitung "Welt". "Sie spüren, dass sie dem Klima der Lebensfreude nicht entsprechen können."

Und noch etwas anderes könnte die Sommerdepression begünstigen. Wer sich ohnehin schlecht fühlt, werde in diesem Gefühl umso mehr bestärkt, je besser es den Menschen im Umfeld gehe, sagte der Psychotherapeut Michael Grözinger der "Aachener Zeitung".

Da die meisten Menschen im Sommer besser gelaunt seien, könne das also die Symptome von Depressiven verstärken.

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Grundsätzlich kann und sollte eine Sommerdepression behandelt werden wie jede andere Depression auch. Der Mediziner Helmut Albrecht rät allen, die unter dem Sommer leiden, viel Sport zu treiben und viel mit anderen Menschen zu unternehmen.

In schlimmeren Fällen können laut Grözinger Therapien und Medikamente helfen.

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(lk)