Huffpost Germany

Deutsch-Türken stimmten für Erdogan - Claudia Roth sieht Schuld bei Deutschland

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Ein großer Teil der Deutsch-Türken gab im Referendum Erdogan ihre Stimme
  • Sogar die Grünen-Politikerin Claudia Roth spricht jetzt von einem Integrationsproblem
  • Die Schuld dafür sieht sie allerdings bei den Deutschen
  • Im Video oben erklären wir das Thema in 60 Sekunden

Seit dem Referendum in der Türkei vom Sonntag fragen sich viele in Deutschland: Ist die Integration der Deutsch-Türken gescheitert, wenn sie einem autoritären Präsidenten ihren Stimme geben?

In Deutschland stimmte ein Großteil der Türken, die sich am Referendum beteiligten, für den Umbau des politischen Systems der Türkei. In dem Land selbst bekam Erdogan nur eine knappe Mehrheit der Stimmen.

Vor allem viele Politiker der Grünen hinterfragen jetzt den Integrationserfolg bei den Deutsch-Türken.

Fehler im Umgang mit den Deutsch-Türken?

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth sagt in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" zu den Gründen, warum viele Türken in Deutschland für Erdogan gestimmt haben:

"Tatsächlich sind ja im Umgang mit unseren türkeistämmigen Mitbürgern in den vergangenen Jahrzehnten Fehler gemacht worden, die Verletzungen hinterlassen haben. Ein türkischer Nachname ist auch heute noch eine Hürde beim Zugang zu Wohnung oder Ausbildungsplatz."

Weiter sagt sie: "Wir müssen uns schon fragen, warum junge Menschen mit türkischen Wurzeln, die hier zur Schule gegangen sind und vielleicht sogar studiert haben, Erdogan als 'ihren Präsidenten' bezeichnen."

"Müssen uns um diese Menschen extrem bemühen"

Roth sieht die Ursache, warum so viele Deutsch-Türken für Erdogan stimmten, in den Integrationsversäumnissen in Deutschland. Deutschland müsse diesen Menschen deutlich machen, was Demokratie ausmache.

Mehr zum Thema: Diese Zahl sollten alle kennen, die nach dem Türkei-Referendum gegen Deutsch-Türken hetzen

"Wir müssen uns extrem bemühen um diese Menschen, die glauben, dass Erdogans Putsch von oben gut sei für die Türkei", fordert Roth. Das sei bisher versäumt worden. "Ja, wir haben ein Integrationsproblem", sagt Roth.

Menschen wurden laut Roth ausgegrenzt

Die Grünen-Politikerin sagte weiter: "Wir müssen unser Modell eines demokratischen Europas entschiedener gegen diejenigen verteidigen, die es ablehnen. Das muss von uns entschlossener angegangen werden. Wir haben aber eben auch gravierende Fehler gemacht: Deutschland hat sich über viele Jahre nicht offen gezeigt."

Viele Türken habe abgeschreckt, dass Deutschland so häufig als Teil des christlichen Abendlandes dargestellt worden sei - und damit Muslime ausgeschlossen worden seien.

"Wie oft hat man immer wieder infrage gestellt, ob die Türkei überhaupt zu Europa gehört und ob es den Doppelpass geben soll. Das mussten viele Menschen als ausgrenzend empfinden", konstatiert Roth.

"Wenn Menschen über Jahre vermittelt bekommen, dass sie irgendwann ohnehin wieder in die Türkei zurückgehen müssen, dann ist es bedauerlich, aber nachvollziehbar, dass diese Menschen nach Jahrzehnten noch immer nicht die deutsche Sprache gelernt haben."

Claudia Roths Begründung für das Integrationsversäumnis seht ihr im Video oben.

Mehr zum Thema:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(bp)