"Integration gescheitert": Ärger über Erdogan-Votum der Türken in Deutschland

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  • Erdogans Sieg in der Türkei war knapp - doch in Deutschland kam er auf eine bequeme Mehrheit (siehe Video oben)
  • Die Reaktionen auf das Pro-Erdogan-Votum der Deutschtürken fielen enttäuscht und wütend aus
  • Doch eigentlich hat nur eine Minderheit der Türkischstämmigen in Deutschland für Erdogan gestimmt

Es war ein knapper Sieg für Recep Tayyip Erdogan: Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu gewann das "Ja"-Lager das Türkei-Referendum mit 51,41 Prozent zu 48,59 Prozent der Stimmen. Das knappe Ergebnis zeigt, wie gespalten die Türkei ist.

Die türkische Wahlkommission bestätigte den Triumph für den türkischen Staatspräsidenten.

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Eindeutiger fiel das Ergebnis in Deutschland aus. Nach Angaben von Andolu haben 63,61 Prozent der Deutschtürken, die zur Wahl gegangen sind, für Erdogan gestimmt.

Von den 1,4 Millionen wahlberechtigten Türken in Deutschland haben etwa 50 Prozent an dem Referendum teilgenommen.

Mehr zum Thema: Experte zum Referendum: Darum verbreitet die Erdogan-nahe Agentur bewusst ein falsches Ergebnis

"Integration gescheitert"

Dementsprechend heftig, verbittert und enttäuscht fallen die Reaktionen auf das Votum der wahlberechtigten Türken in Deutschland aus.

Der "Spiegel"-Journalist Hasnain Kazim schrieb auf Facebook: "Es tut mir in der Seele weh, so etwas sagen zu müssen, aber man kann nicht für ein autokratisches System sein, für die Todesstrafe, für die Inhaftierung von kritischen Journalisten, für das Einsperren von politischen Konkurrenten, und sich dann beschweren, in Deutschland nicht als Deutsche akzeptiert zu werden."

Die Integration sei da in der Tat gescheitert - aber das sei nicht Deutschlands Schuld.

Der islamkritische Autor Hamed Abdel-Samad zeigte sich ebenfalls enttäuscht, ja, fast wütend über das Abstimmungsverhalten der Deutschtürken. Die seien wohl "gar nicht gespalten, was Erdogan angeht, wie es in der Türkei der Fall ist, sondern stehen geschlossen hinter dem Islamismus, dem Chauvinismus und der Todesstrafe", schrieb er auf Facebook.

Auch in der Politik schlugen die Erdogan-Stimmen unter den Deutschtürken Wellen. Vor allem bei konservativen Politikern. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner twitterte: "Türken, die in Deutschland für Ja gestimmt haben, aber das theoretische Nein hier genießen..."

Erdogan-Wähler unter Deutschtürken dennoch eine Minderheit

Zur Verteidigung der Deutschtürken in der Bundesrepublik muss jedoch angeführt werden, dass die Erdogan-Wähler unter ihnen in der Minderheit sind.

Etwa, 1,5 Millionen türkeistämmige Staatsbürger leben in Deutschland. 1,4 Millionen von diesen waren wahlberechtigt. Tatsächlich abgestimmt haben davon jedoch nur etwa die Hälfte, also an die 700.000 Menschen.

Und von diesen knapp 700.000 haben dann nach Angaben der türkischen Behörden 63,61 Prozent für die Verfassungsänderung gestimmt - das sind am Ende 445.000 Deutschtürken, die für Erdogan ihre Stimme gaben. Von den deutschtürkischen Staatsbürgern in Deutschland sind das nicht mal ein Drittel.

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(bp)