Der Nordkorea-Konflikt könnte jeder Zeit eskalieren - jetzt schickt Kim die nächste Drohung

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NORTH KOREA
This April 15, 2017 picture released from North Korea's official Korean Central News Agency (KCNA) on April 16, 2017 shows Korean People's ballistic missiles being displayed through Kim Il-Sung square during a military parade in Pyongyang marking the 105th anniversary of the birth of late North Korean leader Kim Il-Sung. / AFP PHOTO / KCNA VIA KNS / STR / South Korea OUT / REPUBLIC OF KOREA OUT ---EDITORS NOTE--- RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT 'AFP PHOTO/KCNA VIA KNS' - NO MARK | STR via Getty Images
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  • Die diplomatische Krise zwischen Nordkorea und den USA spitzt sich zu
  • Nordkoreas UN-Botschafter droht offen mit einem Atomkrieg
  • US-Präsident Trump entgegnet den Nordkoreanern: "Benehmt euch!"

Auf einmal reden alle vom Atomkrieg.

Am Ostermontag wünschte der stellvertretende nordkoreanische UN-Botschafter Kim In Ryong den anwesenden Reportern in New York erst "schöne Feiertage" - bevor er die nuklear Vernichtung ankündigte.

Er hielt den USA vor, die Situation mit Militärmanövern auf der koreanischen Halbinsel an den Rand eines Krieges zu treiben. "Ein thermonuklearer Krieg kann jeden Moment" ausbrechen", sagte Kim in New York.

Aus Washington war kurz zuvor die Drohung gekommen, dass "alle Optionen" in Hinblick auf Nordkorea auf dem Tisch lägen. Die Zeit der "strategischen Geduld" seit vorbei.

Laut einem Bericht des TV-Senders CNBC planen die USA gar einen Präventivschlag gegen Nordkorea, falls das Land einen weiteren Atomtest durchführe. Washington dementierte diese auffallend halbherzig.

Der "Spiegel" beschreibt die Situation zwischen den beiden Staaten derzeit so: "Die zwei Irren mit der Bombe". Die "New York Times" spricht in Erinnerung an den Kalten Krieg von einer "kubanischen Raketenkrise in Zeitlupe".

Nordkorea hatte am Sonntag erneut eine Rakete zu Testzwecken gestartet, sie war allerdings kurz nach dem Start explodiert. Neben den USA kritisierten auch China, Japan und Russland den Test.

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Dennoch dreht Nordkorea die Eskalationsspirale immer weiter. Das Land kündigte weitere Raketenversuche an. "Wir werden weitere Raketentests durchführen - auf wöchentlicher, monatlicher und jährlicher Basis", sagte Vizeaußenminister Han Song-Ryol in einem Interview der BBC - trotz aller Warnungen der USA. Sollte Amerika dabei militärisch intervenieren, werde ein "totaler Krieg" ausbrechen, sagte er.

Trump an Nordkorea: "Benehmt euch!"

Nordkorea verfügt nach südkoreanischen Erkenntnissen über mindestens zehn, vielleicht sogar mehr als zwanzig Atombomben. Entgegen mehrerer UN-Resolutionen arbeitet das isolierte kommunistische Land an der Entwicklung weitreichender Raketen mit Atomsprengkopf - was die USA und andere westliche Staaten verhindern wollen.

Angesichts der "verbrecherischen Logik" und des "gefährlichen Säbelrasselns" der Vereinigten Staaten sei Nordkorea bereit, auf "jede von den USA gewünschte Form des Krieges zu reagieren".

Bei der jährlichen Ostereiersuche im Garten des Weißen Hauses antwortete Trump auf die Frage, ob er einen Nachricht für Nordkorea habe: "Benehmt Euch."

Als Journalisten ihn später fragten, welche Schritte er gegen das Land plane, antwortete er: "Sie werden sehen." Sein Pressesprecher Sean Spicer sagte lediglich, der Präsident würde keine "Linien in den Sand zeichnen".

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Zuvor hatte US-Vizepräsident Mike Pence bei einem Besuch in Südkorea gesagt, die Zeit der "strategischen Geduld" mit Nordkorea sei vorbei. Die USA würden "jeden Einsatz konventioneller oder atomarer Waffen mit einer überwältigenden und effektiven Antwort" zurückschlagen. Nordkorea tue gut daran, die Entschlossenheit von US-Präsident Donald Trump oder die Stärke der US-Streitkräfte nicht auszutesten.

Um den Druck zu erhöhen, entsandten die USA als Demonstration militärischer Stärke einen Flottenverband mit dem Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in Gewässer nahe der koreanischen Halbinsel.

Nordkorea müsse nun zeigen, dass es an einer Änderung der Situation interessiert sei, sagte die Staatssekretärin im US-Außenministerium, Susan Thornton in Washington. "Sie werden eine fundamentale Entscheidung treffen müssen, um das Blatt zu wenden", sagte sie.

Derzeit sei die Zeit nicht reif für Gespräche. Dazu müsse Nordkorea den Willen signalisieren, sich von seinen "illegalen Waffenprogrammen zu trennen", betonte Thornton.

USA überprüfen ihr Atomwaffenarsenal

Die USA seien zuversichtlich, dass auch China den Druck auf Pjöngjang erhöhen wird. "Ich habe Vertrauen, dass die Chinesen das Notwendige tun werden", sagte sie.

Am Montag gab das Pentagon bekannt, dass es auf Anweisung Trumps die Ausrichtung seines Atomwaffenarsenals überprüfen wird.

Die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Dana W. White, sagte in einer Erklärung, dass Verteidigungsminister Jim Mattis sicherstellen wird, dass die Atomwaffen der USA “sicher, geschützt, effektiv, zuverlässig und angemessen zugeschnitten auf die Bedrohungen des 21. Jahrhunderts für uns und unsere Alliierten" sind.

Laut Presseberichten überprüft auch Hawaii seine Notfallpläne für einen möglichen Angriff. Die Inselkette mit der Hauptstadt Honunlulu ist 7600 Kilometer von Pjöngjang entfernt und liegt damit zumindest theoretisch innerhalb der Reichweite nordkoreanischer Raketen.

Bleibt am Ende die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es zwischen den USA und Nordkorea tatsächlich zu einer Eskalation kommt? Die Regierungschefs der beiden Länder spielen das "chicken game", das aus der Spieltheorie und dem Film "Denn sie wissen nicht, was sie tun" bekannt ist.

Die Zeitung die "Welt" fragt in diesem Zusammenhang: "Was ist, wenn Kim Jong Un doch nicht blufft?" Was ist, wenn Trump ernst macht?

Die beängstigende Antwort : "Beide rasen auf den Abgrund zu und wollen, dass die andere Seite zuerst aussteigt. Und beide wissen, dass die andere Seite genau darauf setzt, den Gegner zum Nachgeben zu zwingen."

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(ben)

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