"BamS"-Interview zeigt, dass Grünen-Chefin Göring-Eckardt das größte Problem ihrer Partei nicht versteht

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GRING ECKARDT
Grünen-Chefin Göring-Eckardt zeigt in einem Interview, dass sie die Probleme ihrer Partei immer noch nicht verstanden hat | ullstein bild via Getty Images
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  • In einem Interview zeigt Grünen-Chefin Göring-Eckardt, dass sie das große Problem ihrer Partei nicht verstanden hat
  • Sie will den Negativtrend der Umfragen mit dem Vorschlag eines bundesweit einheitlichen Müllsystems stoppen

Die Kacke sei am Dampfen, sagt Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt im Interview mit der "Bild am Sonntag".

Gemeint ist damit die momentane Situation im Kampf gegen den Klimawandel. Der Spruch könnte aber ebenso gut auf das Tief ihrer eignen Partei gemünzt sein.

Seit Monaten kämpfen die Grünen mit niedrigen Umfragewerten. Sollte sich der Abwärtstrend fortsetzen, müssen sie noch um den Einzug in den Bundestag bangen. Bei der Landtagswahl im Saarland scheiterte die Partei bereits an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Krise der Partei ist also existentiell.

Das "BamS"-Interview der Spitzenkandidatin Göring-Eckardt aber zeigt: Die Grünen haben immer noch nicht verstanden, wo ihr Problem liegt - und wie es sich lösen lässt.

Die Grünen sind uncool geworden

Wie will Göring-Eckardt das Image der Grünen aufpolieren? Ihr Vorschlag: "Wir Grünen wollen ein bundesweit einheitliches Müll- und Recyclingsystem. Wir wollen die deutschlandweite Wertstofftonne einführen."

Analysen zum Umfragetief der Grünen gibt es genügend. Kürzlich attestierte ein Meinungsforscher des Instituts Allensbach den Grünen ein Image-Problem:

Die Deutschen nähmen sie als uncool, unsympathisch und belehrend wahr. Ihnen fehle es an einer mitreißenden Vision, die die Menschen wieder daran erinnert, warum sie den Grünen ihre Stimme geben sollten.

Göring-Eckardts angedachte Müll-Reformen werden daran wohl nichts ändern.

Wertstofftonne und Müllminister

Den Gelben Sack zur Entsorgung von Verpackungen möchte die Grünen-Politikerin abschaffen. Recycling solle künftig "eine Stelle unter staatlicher Aufsicht" koordinieren - ein "Müllministerium" könnte entstehen, wie die Fragesteller im "Bams"-Interview andeuten.

Natürlich ist Recycling eine wichtige Sache. Und jedem wäre geholfen, wenn das groß anlegte Ensemble der Tonnen und Säcke in Deutschland vereinfacht würde.

Aber lässt sich mit einer Wertstofftonne und einem Müllminister wirklich Wahlkampf machen?

Nichts ist so unsexy wie Recycling

Es gibt vermutlich kein Thema, das weniger Sexappeal versprüht als Recycling. Dabei könnte sich die Partei mit Umweltschutzthemen derzeit im Wahlkampf von ihrer Konkurrenz abheben.

Das Thema Umweltschutz könnte für die Grünen gewissermaßen eine Marktlücke im derzeitigen Wahlkampf sein. In dem hat sich in den vergangenen Wochen alles um Managergehälter, Familienförderung und Steuererleichterungen gedreht. Um die Chance zu nutzen, brauchen die Grünen jedoch eine paar starke Ideen.

"Wir haben die Bedeutung unserer Themen bislang nicht richtig vermitteln können", analysiert dann auch Göring-Eckardt das Problem der Grünen. Ihr Lösungsvorschlag: "Wir gehen jetzt direkt zu den Leuten, auch an die Haustür. So drehen wir den Trend um."

Aber ob das ausreicht? Die Grünen müssen es schaffen, dass Umweltschutz wieder cool wird. Dass sich die Menschen dafür begeistern können.

Mit ein paar Hausbesuchen und einem spießigen Thema wie Mülltrennung wird das wohl nur schwer gelingen.

Mehr zum Thema: Vom Wahlkampf dieses niederländischen Politikers können die deutschen Grünen etwas lernen

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(jg)

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