"Türken raus": AfD-Politiker ernten heftige Kritik nach Türkei-Referendum

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ALICE WEIDEL
"Türken raus!": Scharfe Kritik an AfD-Politikern nach Türkei-Referendum | Thomas Lohnes via Getty Images
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  • AfD-Politiker fordern von Deutschtürken, die beim Verfassungsreferendum mit "Ja" gestimmt haben, Deutschland zu verlassen
  • Aus den Reihen der Grünen kommt dafür heftige Kritik

Die AfD fordert nach dem Türkei-Referendum die "Ja"-Wähler in Deutschland auf, das Land zu verlassen. Die Partei wertet das Abstimmungsergebnis in Deutschland als Beweis für die misslungene Integration vieler Türken.

"Erdogans fünfte Kolonne" solle "dahin gehen, wo es ihnen offensichtlich am besten gefällt und wo sie auch hingehören: in die Türkei", sagte Parteivorstandsmitglied Alice Weidel am Ostermontag.

Die Türken hatten am Sonntag nach offiziellen Angaben mit knapper Mehrheit für ein Präsidialsystem votiert, das Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr Macht gibt.

Bei den in Deutschland lebenden Türken fiel die Zustimmung zu der Verfassungsreform demnach mit 63,1 Prozent noch deutlich höher aus.

Weidel will "Ja"-Sagern die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen

AfD-Politikerin Weidel forderte weiter, den Befürwortern des Präsidialsystems die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Denn eine Einbürgerung dürfe nur nach einer erfolgreichen Integration erfolgen.

Auch AfD-Vize Beatrix von Storch schrieb auf Facebook, alle Türken mit deutschem Pass, die für Erdogan gestimmt haben, sollten "doch bitte in die Türkei" zurückkehren. "Ihr verachtet offenbar unsere Werte von Demokratie und Freiheit."

Grünen-Politiker halten dagegen

Die Kritik an den Äußerungen der AfD kam prompt. Grünen-Politiker Özcan Mutlu legte sich mit von Storch auf Twitter an. "Mit Verlauf, Sie leben geistig noch im Mittelalter", kritisierte er die AfD-Frau. Das Abstimmungsergebnis sei Folge jahrelanger Fehler in der Integrationspolitik.

Mehr zum Thema: "Sie leben geistig im Mittelalter": Grünen-Politiker keilt auf Twitter gegen AfD-Frau von Storch

Auch Grünen-Politiker Volker Beck meldete sich zu Wort. Er schrieb auf Twitter: "Türken raus! - Parolen der AfD sind keine Antwort auf Referendum". Er forderte Mut zu politischen Streit in der Einwanderungsgesellschaft.

Das Abstimmungsverhalten der Deutschtürken hat für Wirbel gesorgt. Die Diskussion über die Gründe für die große Zustimmung zum Präsidialsystem in Deutschland wird wohl noch eine Weile weitergehen.

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(lk)

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