Ökonom warnt: "Unsere Kinder werden zu Konsumäffchen abgerichtet"

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SCHLER
Kind mit Smartphone | getty
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Niko Paech ist einer der bekanntesten Wachstumskritiker Deutschlands - und er will eine radikale Änderung der Kindererziehung.

Er selbst lebt bescheiden, um ein Vorbild für andere zu sein: Paech trägt Klamotten aus dem Second-Hand-Laden, hat kein Auto und nimmt nie das Flugzeug, wenn er zu Vorträgen oder Kongressen unterwegs ist.

Im Interview mit dem Magazin "Stern" rechnet er nun mit der modernen Kindererziehung ab. Sein Vorwurf: "Schon Kinder werden in der Schule zu Konsumäffchen abgerichtet."

Nur weniger Konsum kann laut Paech die Welt retten

Paech poltert: "Sie sollen ihre Referate auf den neuesten Geräten tippen und angeblich weltoffener werden durch Austauschreisen nach Australien."

Um seine Kritik zu verstehen, muss man wissen: Paech ist radikaler Verfechter des Prinzips, weniger zu konsumieren. Wenn man schon etwas kaufe, sagt der Forscher, der an der Uni Siegen lehrt, dann gebraucht. Kaputtes solle nicht weggeschmissen, sondern repariert werden.

Paech will mit seinem Appell an einen umsichtigeren Lebensstil die Umwelt retten. Denn unser Konsumverhalten zerstöre den Planeten. Aber nicht nur auf das neueste Tablet oder Fast-Fashion-Mode von H&M und Zara sollten wir verzichten, sagt Paech.

"Was nützt Weltoffenheit, wenn man damit die Welt zerstört?"

Im Interview mit dem "Stern" erklärt er auch: "20-jährige Globetrotter haben heute bereits oft den ökologischen Fußabdruck, den früher ein hochbetagter Rentner hatte."

Das Argument der Weltoffenheit will Paech nicht gelten lassen. Das sei "billige Ideologie". "Was nützt Weltoffenheit zum Preis der Zerstörung eben dieser Welt?", fragt er.

Paech erklärt: "Früher dachte ich, man müsse die Menschen behutsam an ein ökologisches Leben heranführen, inzwischen leben die meisten so rücksichtslos, dass jetzt radikale Änderungen nötig sind." Diese radikalen Änderungen fordert er nun schon in der Kindererziehung.

Kohlendioxid-Ausstoß nimmt weiter zu

Und wer nüchtern auf die Zahlen schaut, muss ihm recht geben.

Besonders beim Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid ist ein solcher Kurswechsel nötig - denn der sollte eigentlich weltweit jetzt schon sinken. Aber selbst in Deutschland stagniert er auf hohem Niveau.

Ob eine Umkehr wirklich nur durch weniger Konsum und Mobilität zu schaffen ist, ist allerdings fraglich.

Andere Experten, wie der Vorstand der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, Ralf Fücks, wollen die Wirtschaft lieber zu einer grünen Ökonomie umbauen. Er meint: Fliegen ja - aber mit umweltfreundlichen Flugzeugen. Konsum ja - aber Produkte, die sich gut recyceln lassen.

Tatsächlich lassen sich mit dem Konzept von Fücks wohl mehr Menschen für den Umweltschutz begeistern als mit Verboten und Verzicht.

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(lm)

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