POLITIK
15/04/2017 13:39 CEST

Liebe Trump-Versteher: Aus diesem Mann wird kein guter Präsident mehr - auch wenn ihr euch das noch so sehr wünscht

Jonathan Ernst / Reuters
Liebe Trump-Versteher: Aus diesem Mann wird kein guter Präsident mehr - auch wenn ihr euch das noch so sehr wünscht

Es gibt da eine leise Hoffnung, die derzeit so manchen beschleicht: Donald Trump könnte vielleicht doch noch ein halbwegs annehmbarer US-Präsident werden.

Ein bisschen irre vielleicht, so wie einst George W. Bush. Aber die Welt hat schließlich auch den texanischen Barbecue-Feinschmecker als "Commander-in-Chief“ überlebt. Womöglich wird es mit Trump nicht anders, oder?

Trump zieht sich nicht aus der Weltpolitik zurück

Einige Europäer wollen da erste Indizien erkennen. Der Luftschlag gegen die syrische Armee und der damit verbundene Bruch mit Moskau folgten schließlich - endlich wieder – einer traditionellen Linie in der amerikanischen Außenpolitik.

Genauso werden auch die Ereignisse vor der koreanischen Küste bewertet, wo bald schon zusätzliche amerikanische Kriegsschiffe liegen werden, als Reaktion auf die Drohgebärden des Kim-Regimes. Und auch der Abwurf der "Mutter aller Bomben“ in Afghanistan passt demnach in dieses Schema: Trump ziehe sich, anders als im Wahlkampf versprochen, keineswegs aus der Weltpolitik zurück.

Dahinter jedoch steckt ein schrecklicher Irrtum: Der nämlich, dass Trump sich auf Dauer von den Anforderungen seines Amtes zähmen lassen wird.

Trumps Ego ist größer als sein Verstand

Wenn die vergangenen Wochen etwas gezeigt haben, dann doch das:

Erstens: Trump ist in seinen Entscheidungen unberechenbar. Zweitens: Trump wird weder von seinem Verstand noch von seinen Beratern gesteuert, sondern ganz einzig und allein von seinem überdimensionalen Ego. Drittens: Trump hat keine Prinzipien.

Wer auf ganz empathische Weise erfahren will, warum das derzeit einsetzende Vertrauen in die Präsidialität von Trump trügerisch ist, muss sich nur mal kurz in die Haut seiner Wähler hineinversetzen.

Ein Kernanliegen von Donald Trump im Wahlkampf war, die außenpolitischen Aktivitäten der USA zu reduzieren. Er forderte, dass amerikanische Interessen bei jeder Entscheidung Vorrang haben müssten. Deswegen bezeichnete er die Nato als obsolet, weil Amerika angeblich weit stärker belastet werde als andere Staaten (was freilich nur stimmt, wenn man die reinen Rüstungsausgaben betrachtet).

Trump hat absolut keine Prinzipien

Trump brachte auch eine Auflösung des Verteidigungsabkommens mit Südkorea ins Spiel. Kein Geld mehr für die Sicherheit anderer Nationen – die USA seien eben kein Weltpolizist mehr.

Priorität sollte dagegen die Bekämpfung des Terrorismus haben. Wenige Tage nach Trumps Wahl kamen er und Russlands Präsident Wladimir Putin überein, dass der Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) das "gemeinsame Ziel Nummer eins“ sei.

Seitdem ist viel passiert. Die Nato gibt es immer noch, statt dem IS hat Trump am Montag die syrische Luftwaffen bombardieren lassen. Und das, shocking, aus humanitären Gründen. Trump hatte offenbar Bilder von, Zitat, "beautiful babies“ gesehen, die bei dem zuvor erfolgten Gasangriff ums Leben gekommen waren.

Im Grunde war der Angriff aus Sicht des Westens ein richtiges Zeichen. Aber man sollte sich keine Illusionen darüber machen, dass Trump hier so etwas wie langfristige Ziele verfolgen würde. So viel ist schon nach wenigen Tagen klar geworden.

Für Trump zählt das, was Trump nützt

Statt sich aus den Konfliktzonen der asiatischen Meere zurückziehen, setzt Trump nun gegenüber Nordkorea auf eine klare, militärische Sprache. Auch das dürfte seinen Anhängern nur bedingt gefallen.

Genauso übrigens wie das vorläufige Scheitern des von Trump groß angekündigten Einreisestopps für Bürger aus mehrheitlich von Muslimen bewohnten Ländern. Auch sein geplanter Mauerbau an der mexikanischen Grenze steht bisher unter keinem guten Stern.

Keine Frage, Trump hat seine Wähler schon während des Wahlkampfs belogen. So hatte er zum Beispiel seinen geifernden Anhängern versprochen, die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verhaften zu lassen, was bei seinen Auftritten immer wieder zu "Sperrt sie ein!“-Sprechchören geführt hat.

Trump agierte dabei im engsten Sinne populistisch: Er wischte alle Grenzen des Anstands und des Rechts beiseite und sagte gerade das, was ihm und seiner Bewegung den meisten Zuspruch brachte.

Der Ausnahmezustand hat gerade erst begonnen

Doch jetzt wird klar, dass die eigene Bewegung für ihn nur ein Mittel zum Zweck war: Wenn er seinen politischen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen muss, ist er bereit, seine eigenen Leute zu verraten.

Das trifft auf seine Wähler zu, aber auch auf seinen engsten Berater Stephen Bannon: Der ehemalige "Breitbart“-Chef war mitverantwortlich dafür, dass aus der Trump-Kampagne eine politische Bewegung werden konnte. Jetzt, wo Bannons radikale Standpunkte in der Kritik stehen, lässt Trump ihn fallen.

Machen wir uns nichts vor: Für Donald Trump zählt immer nur das, was Donald Trump nützt. Und nach diesem Schema wird er auch zukünftig in der Politik vorgehen.

Das Weiße Haus ist weit entfernt von jeglicher Normalität. Im Gegenteil, es spricht viel dafür, dass der Ausnahmezustand gerade erst so richtig beginnt.

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(sk)

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