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15/04/2017 22:02 CEST

Erdogan will Deutschland und Europa eine "Lektion erteilen"

Alkis Konstantinidis / Reuters
Erdogan will Deutschland und Europa eine "Lektion erteilen"

  • Erdogan legt sich einen Tag vor dem Referendum in der Türkei nochmals mit der EU und Deutschland an

  • Er werden den Europäern eine Lektion erteilen, sagte er in Istanbul

  • Während seinen Reden drohte er auch der Opposition - auch mit der Todesstrafe

Die Türkei tanzt auf Messers Schneider, und ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan tanzt wie ein wilder Derwisch vorweg. Einen Tag vor dem historischen Verfassungsreferendum hat die Stimmung im Land noch einmal angeheizt.

"Denkt daran, was passieren wird, wenn die Urnen - so Gott will - vor 'Ja'-Stimmen platzen", sagte er bei einem von insgesamt vier Auftritten am Samstag in Istanbul. Dann stilisierte Erdogan das Referendum auch zu einer Quittung für Europa hoch.

"Wir werden Deutschland eine Antwort geben"

"Dieser Sonntag ist der Tag, an dem unser Volk jenen europäischen Ländern eine Lektion erteilen wird, die uns in den vergangenen zwei Monaten mit aller Art von Gesetzlosigkeit einschüchtern wollten", sagte er. "Morgen ist der Tag, um ihnen darauf eine Antwort zu geben. Wir werden auch Deutschland eine Antwort geben, und Österreich, Belgien, der Schweiz und Schweden."

Während des Wahlkampfs war es zu schweren Spannungen zwischen der Türkei und mehreren europäischen Staaten gekommen. Auslöser waren geplante Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsvertreter. Erdogan hatte Deutschland und den Niederlanden "Nazi-Methoden" vorgeworfen.

Erdogan attackiert die Opposition

Oppositionsführer und CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu warnte am letzten Wahlkampftag in Ankara: "Morgen werden wir unsere Entscheidung treffen: Wollen wir ein demokratisches parlamentarisches System, oder wollen wir ein Ein-Mann-Regime?" Er appellierte an die Wähler: "Würdet Ihr Eure Kinder in einen Bus ohne Bremsen setzen? Schützt die Demokratie, wie ihr Eure Kinder schützen würdet."

Erdogan griff Kilicdaroglu bei seinen Reden am Samstag außergewöhnlich hart an. "Morgen wird Dir diese Nation so eine Lektion erteilen, dass Du nicht länger in der Lage sein wirst, auf Deinem Posten zu bleiben", drohte Erdogan.

Mehr zum Thema: Auf der Flucht vor Erdogans Häschern: Wie ein türkischer Vater in Deutschland um seine Familie kämpft

Der Präsident unterstellte Kilicdaroglu Kontakte zu dem in Pennsylvania in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen, den die Regierung für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich macht. "Er sagt genau das, was ihm der Scharlatan in Pennsylvania ins Ort flüstert", betonte Erdogan. Kilicdaroglu sei eine "Lügenmaschine".

Zugleich kündigte Erdogan zudem zum wiederholten Mal an, die Todesstrafe wieder einführen zu wollen.

Noch einen Tag lang tanzt die Türkei auf dem Messer - dann setzt es Erdogan ihr und seinen Feinden an den Hals.

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