Was Vera Int-Veen in der neuen Staffel "Schwiegertochter gesucht" mit Kandidatin Beate macht, ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit

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Vor neun Jahren hat die Moderatorin Vera Int-Veen ihre Berufung gefunden: Sie durfte das damals neue RTL-Format "Schwiegertochter gesucht" moderieren. Es war derder Karriere-Höhepunkt der selbstgefälligen Moderatorin. Endlich konnte sie beweisen, was sie kann (siehe auch Video oben).

Nicht nur als "Vera am Mittag" Mittags-Talk mit frustrierten Menschen für frustrierte Menschen führen, sondern sich als Vera am Vorabend auch dem größten und wichtigsten Thema der Menschheit widmen: der Liebe.

Von nun an war es Veras Aufgabe, Menschen, die richtig romantische RTL-Redakteure (Vera wäre stolz auf diese Alliteration - ein schwieriges Stilmittel, das nicht jeder beherrscht) ausgewählt haben, zueinander zu führen.

Eine von Veras Lieblings-Opfern ist dabei die Kandidatin Beate Fischer.

Kandidatin Beate hat alles, was RTL sich wünscht

Beate ist unbeholfen, dicklich und hatte noch nie einen Freund. Aber zum Glück hat sie seit mittlerweile acht Jahren eine neue beste Freundin: Vera. Vera hat natürlich nur eines im Sinn: Sie möchte Beate unbedingt helfen, die Liebe ihres Lebens zu finden.

Also sucht sie da mit Beate, wo man eben so nach Männern sucht: in Thailand, in Indien und im bayerischen Wald, wo Beate gemeinsam mit Papa Gerd und Mama Irene wohnt. RTL hat offenbar festgestellt: Wenn Beate zu sehen ist, dann sind die Quoten gut. Noch besser scheinen sie nur zu sein, wenn Beate und Beates Mutter Irene gemeinsam zu sehen sind.

Denn Beates Mutter ist eigentlich genauso wie Beate - nur eben etwas älter. Also schickt RTL die beiden von nun an gemeinsam auf die Suche nach Beates Traumpartner. Jedenfalls tat der Sender das bis zu der vergangenen Staffel. Denn vor einigen Monaten ist Beates Mutter Irene im Alter von nur 64 Jahren an einer Lungenentzündung verstorben.

Man könnte denken, dass ein Fernsehsender Rücksicht nimmt

Nun könnte man denken, der Sender lässt Beate, die so wunderbar dämliche Dinge sagt, die sich so herrlich zusammen schneiden lassen, endlich in Ruhe - wenigstens für eine Staffel. Doch: falsch gedacht. Natürlich lässt RTL es sich nicht entgehen, die Kult-Kandidatin auch in der neuesten Staffel vorzuführen. Da diese schon am kommenden Sonntag ausgestrahlt wird, müssen die Dreharbeiten gleich kurz nach dem Tod ihrer Mutter begonnen haben.

Wie gut, dass es da noch Vera gibt. Vera, der die Kandidaten ahnungslos auf ihre Fragen antworten, weil sie auf ihre zur Schau gestellte Nettigkeit hereinfallen. Ab und zu sehen es aufmerksame Zuschauer dann auf dem Gesicht der Moderatorin: dieses leichte Lächeln, wenn einer der Kandidaten eine offensichtlich dämliche Antwort gibt.

Wie gut also, dass diese Vera sich nun in der neuen Staffel Beate annimmt und sie durch die schwere Zeit der Trauer begleitet. Wie in einer Vorschau zu sehen ist, geht Vera mit Beate und einem mindestens dreiköpfigen RTL-Kamera-Team auf den Friedhof, um Irenes Grab zu besuchen und Beate dort zu interviewen.

Es ist ein neuer Gipfel der Geschmacklosigkeit

Damit haben die Macher von "Schwiegertochter gesucht" es tatsächlich geschafft, einen neuen Gipfel der Geschmacklosigkeit zu erreichen.

Natürlich könnte man jetzt einwenden, die Kandidatin will es doch so, vielleicht hilft es ihr ja. Doch wer sich nur einmal die Sendung angesehen hat - und dank Jan Böhmermann vielleicht auch noch einen Blick hinter die Kulissen geworfen hat -, weiß: In dieser Sendung wird keine Rücksicht darauf genommen, was die Kandidaten wollen.

Mehr zum Thema: "Schwiegertocher gesucht": Böhmermann deckt auf, wie absurd die Sendung wirklich ist

Diese Sendung hat auch nichts mit Humor oder etwa mit der großen Liebe zu tun. Hier werden Menschen, die es nicht besser wissen, bloß gestellt und vorgeführt. Ganz im Sinne der Quoten.

Das mag nichts Neues sein im deutschen Privatfernsehen. Doch wenigstens vor einem Grab könnte man Halt machen. Wenigstens auf den Tod einer Mutter könnte man Rücksicht nehmen. Da hätte eine Moderatorin sagen können: "Das mache ich nicht."

Aber das hat sie nicht getan. Wahrscheinlich nur, weil ihr das Wohl von Beate so sehr am Herzen liegt.

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(ujo)

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