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14/04/2017 21:03 CEST | Aktualisiert 15/04/2017 12:57 CEST

Nächste Wende bei den Ermittlungen zum BVB-Anschlag: Spuren führen in die Hooligan-Szene

Kai Pfaffenbach / Reuters
Nächste Wende bei den Ermittlungen zum BVB-Anschlag: Spuren führen in die Hooligan-Szene

  • Nach dem Anschlag auf den BVB hat die Polizei noch immer keinen Täter identifiziert

  • Sie ermittelt in alle Richtungen - bisher ohne Ergebnis

  • Eine neue Spur führt nun in Sachsens Hooligan-Szene

Der Anschlag auf den Bus der Mannschaft von Borussia Dortmund am Dienstag gibt der Polizei immer noch Rätsel auf. Zwei Verdächtige wurden festgenommen, später aber wieder freigelassen. Zwei Bekennerschreiben tauchten auf, eins aus der islamistischen, eins aus der antifaschistischen Szene - doch beide werden mittlerweile als nicht authentisch eingestuft.

Jetzt gibt es jedoch eine neue Spur. Neben einem islamistischen Hintergrund konzentrieren sich die Nachforschungen auch auf rechtsextreme Kreise und die militante Fußballszene in Sachsen, berichtet "Focus Online".

Etliche Passagen in den drei Bekennerschreiben zum Bombenanschlag auf den Spielerbus von Borussia Dortmund am vergangenen Dienstagabend seien den Analytikern im Bundeskriminalamt bekannt vorgekommen, schreibt das Nachrichtenportal. Die Forderung, wonach der US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein geschlossen werden müsse, erinnere die Staatsschützer an Beiträge im Magazin "Compact“, das der Rechtspopulist Jürgen Elsässer in Leipzig herausgibt.

Haben rechtsradikale oder militante Fußballfans die Tat verübt?

"Focus Online" schreibt weiter, Sicherheitskreise hätten bestätigt, dass die Ermittler nun auch die Spur nach Leipzig überprüfen. Es würde untersucht, ob womöglich Rechtsradikale oder militante Hooligans aus der Stadt oder dem sächsischen Umland die Tat verübt haben könnten.

Die Tat könne demnach ein Racheakt für Attacken von BVB-Fans auf Anhänger der Mannschaft Rasenball Leipzig im Februar gewesen sein. Inspiriert durch "Compact-Texte“, so beschreibt "Focus Online" den Verdacht der Ermittler, könnten die Täter fingierte Bekennerschreiben angefertigt haben, um den Angriff mit Splitterbomben auf den BVB-Bus der militanten Islamisten-Szene in die Schuhe zu schieben.

"Tagesspiegel erhält weiteres Bekennerschreiben

Auch der Berliner Zeitung "Tagesspiegel" bestätigten Sicherheitsexperten, dass ein rechtsextremer Hintergrund der Tat nicht auszuschließen sei. Die Zeitung erhielt am Donnerstagabend zudem eine offenkundig rechtsextreme Bekenner-E-Mail zu der Tat. Die Behörden nähmen diese Ernst, schreibt die Zeitung.

In der E-Mail behaupte ein anonymer Verfasser, der sich auf Adolf Hitler beziehe und gegen "Multikulti" hetze, der Anschlag in Dortmund sei eine letzte Warnung. Er kündige eine weitere Tat an, am 22. April werde "buntes Blut fließen".

„Wir müssen alles ernst nehmen, da wir keine Spur zum Täter von Dortmund haben“, sagten Sicherheitskreise dem "Tagesspiegel". Die Bekennermail könne mit dem Anschlag zu tun haben, „es könnte aber auch ein Trittbrettfahrer sein“.

Selbst dann bleibe die Mail riskant. Die Ankündigung von Gewalt gegen Demonstranten, die sich der AfD entgegenstellen wollen, "kann Extremisten von rechts und links anstacheln, ebenfalls militant aktiv zu werden“.

Mehr zum Thema: So widerlich schlachtet die AfD den Anschlag von Dortmund aus

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(sk)

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