Nach einem NBC-Bericht bereiten die USA einen Präventivschlag gegen Nordkorea vor

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DESTROYER CRUISE MISSILE
Ein Lenkflugkörper vom Typ BGM-109 Tomahawk wird von der USS Fife während der Operation Desert Storm gestartet | Historical via Getty Images
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  • Nach einem Bericht des Fernsehsenders NBC sind die USA zu einem Militärschlag gegen Nordkorea bereit
  • Zwei Zerstörer seien bereits in Stellung, um einen möglichen Atomtest des Regimes mit Cruise Missiles zu verhindern
  • Vertreter der US-Regierung haben den Medienbericht zurückgewiesen, das Verteidigungsministerium schweigt - ein klares Dementi allerdings fehlt

Die Krise auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich zu. Nach einem Bericht des Fernsehsenders NBC bereiten die USA einen Luftschlag auf das Atomtestgelände Punggye-ri vor, um einen sechsten Kernwaffentest Nordkoreas zu verhindern.

Der Angriff auf das Atomtestgelände solle erfolgen, wenn die USA von einem bevorstehenden weiteren Atomtest des kommunistischen Regimes überzeugt seien. Der US-Sender nennt mehrere Mitarbeiter von US-Geheimdiensten als Quellen dieser Information.

Zuletzt hatte es Hinweise gegeben, dass Nordkorea nach mehreren Raketentests einen neuen Atomwaffentest unternehmen könnte - möglicherweise sogar bereits zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung an diesem Samstag.

Der Angriff würde nach dem Muster der Attacke auf den syrischen Flughafen Al-Scharyat mit von Schiffen gestarteten Marschflugkörpern erfolgen. Zwei mit Cruise Missiles bewaffnete Zerstörer befinden sich demnach bereits in Angriffspositionen in der Nähe der Koreanischen Halbinsel.

Journalisten widersprechen NBC auf Twitter

Sie seien mit Marschflugkörpern des Typs "Tomahawk" bewaffnet. Einer davon sei etwa 480 Kilometer von dem mutmaßlichen Atomtestgelände entfernt. Trump hat zuvor den Flugzeugträger "USS Carl Vinson" in die Region geschickt.

Auf Twitter widersprachen US-Journalisten dem Bericht und zitierten ihrerseits Quellen aus dem Weißen Haus. Nach Angaben von Steve Herman, Korrespondent im Weißen Hause von Voice of America, ist demnach kein Präventivschlag geplant - ein Vergeltungsschlag nach einem Atomtest aber "wahrscheinlich".

Auch Vertreter der US-Regierung haben den Medienbericht über die Vorbereitung eines Angriffs derweil dementiert. Nach Angaben der Fox-News-Korrespondentin Jennifer Griffin hieß es in Sicherheitskreisen sogar, der Bericht sei "total falsch", "verrückt" und "extrem gefährlich".

Ein anderer Regierungsvertreter soll gesagt haben, der Beitrag sei "bestenfalls spekulativ". Das Verteidigungsministerium hat währenddessen eine Stellungnahme abgelehnt. Mögliche Szenarien würden grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit diskutiert. Ein klares Dementi sieht allerdings anders aus.

"Viel riskanter als ein Raketenangriff gegen Syrien"

Das US-Korea-Institut der Johns-Hopkins-Universität berichtete, Satellitenbilder des Testgeländes im Nordosten zeigten anhaltende sowie neue Aktivitäten.

Ein Militärschlag könnte unvorhersehbare diplomatische Konsequenzen haben und zu einem die gesamte Region umfassenden Konflikt führen. China hatte US-Präsident Donald Trump eindringlich vor einem Militärschlag gegen das abgeschottete kommunistische Land gewarnt.

In einem Kommentar der "Global Times", die vom Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird, hieß es am Donnerstag: "Militäraktionen gegen Nordkorea zu unternehmen, ist sehr viel riskanter als, einen Raketenangriff gegen Syrien zu starten."

"Wenn Pjöngjang einen verzweifelten Gegenschlag unternimmt, wird Washington in einem Dilemma gefangen", warnte das Blatt. Nordkorea könne Südkorea "einen schweren Schlag versetzen".

Bisher besitzt Nordkorea keine Trägersysteme für seine Atomwaffen. Beobachter sind sich einig, dass Nordkorea auf einen Angriff der USA seinerseits mit einem Raketenangriff auf Südkorea reagieren könnte.

"Es geht um viel"

Seoul, das nur 50 Kilometer von der Grenze entfernt liegt, ist in Reichweite nordkoreanischer Artilleriegeschütze und Kurzstreckenraketen. Südkorea schätzt, dass der Norden mehr als 13.000 Artillerie-Geschütze hat, von denen die meisten entlang der vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone (DMZ) stehen. Selbst wenn Südkorea mit Hilfe der im Land stationierten US-Truppen die Artillerie Nordkoreas ausschalten könnte, wären im Ernstfall große Verluste unvermeidlich, befürchten Experten.

Mehrere US-Geheimdienstquellen sagten NBC, dass die USA sich bewusst seien, dass allein die Vorbereitungen für einen Angriff, der nur bei "unmittelbar bevorstehender" Handlung Nordkoreas erfolgen würde, bereits die Gefahr eines großen Konflikts erhöht.

"Es geht um viel", sagte ein hoher Beamter, der direkt in die Planung involviert ist, NBC News. "Wir versuchen, unsere hohe Besorgnis und die Möglichkeit vieler militärische Optionen zu kommunizieren, um Nordkorea davon abzuhalten."

Mit Material der dpa

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(sk)

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