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12/04/2017 18:10 CEST | Aktualisiert 12/04/2017 18:25 CEST

Ein Mann aus Billerbeck in NRW zeigt, wie man eines der größten Umweltprobleme lösen kann

  • Thomas Nufer aus Billerbeck in NRW kämpft mit Humor gegen Plastikmüll

  • Sein Projekt hat dazu beigetragen, dass 60 Prozent weniger Einkaufstüten aus Plastik verwendet wurden

Plastik verschmutzt die Weltmeere, bringt Meeressäuger um, müllt Strände zu. Der Kunststoffabfall, der Hunderte Jahre braucht, um sich zu zersetzen, hat sich zu einem der größten Umweltprobleme unserer Zeit entwickelt.

Thomas Nufer aus dem nordrhein-westfälischen Billerbeek wollte der Umweltverschmutzung nicht mehr länger zusehen. Mit dem Projekt “Unplastic Billerbeek” hat er die Bewohner der Kleinstadt dazu gebracht, beim Einkaufen keine Plastiktüten mehr zu verwenden.

Witz statt Gardinenpredigt

Nufer ist gelernter Theaterregisseur - und hat sein Projekt vor zwei Jahren anders angepackt als viele andere Umweltschützer. Im Gespräch mit dem Online-Magazin "Enorm" hat er jetzt über sein Erfolgsgeheimnis gesprochen: "Wir haben die Bürger nicht erzogen, wir haben sie unterhalten. Wenn man moralisiert, ist das kontraproduktiv. Mit Witz und schrägen Aktionen erreicht man mehr", sagte er.

Zusammen mit dem Verein “Interkulturelle Begegnungsprojekte” und der Stiftung “Umwelt und Entwicklung” hat Nufer schräge Ideen verwirklicht:

“Bei Veranstaltungen ist zum Beispiel ein Kabarettist als Plastiktüten-Exorzist aufgetreten. In einem Musikvideo haben wir die allerletzte Plastiktüte beerdigt", sagte Nufer "Enorm".

plastiktüte

"Mr. Unplastic" sei der Sympathieträger der Aktion gewesen

Am meisten Aufmerksamkeit habe aber "Mr. Unplastic” bekommen - ein Plastiktütenmann in roter Latzhose und Zylinder. Der ging von Tür zu Tür und sammelte Plastiktüten, klärte über die Umweltrisiken auf.

Außerdem habe er die Billerbecker gebeten, ihren Namen auf Kärtchen zu schreiben. Die Kärtchen habe man dann einen Monat in allen öffentlichen Geschäften in der Kleinstadt ausgestellt - als Erinnerung an das Versprechen, auf Tüten zu verzichten.

In Billerbeek ist der Tüten-Verbrauch um mehr als 60 Prozent gesunken

“Unplastic Billerbeek” wurde in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt tatsächlich zum großen und nachhaltigen Erfolg. “Schüler haben von sich aus Umfragen zum Thema Plastik gestartet und Kunstaktionen initiiert”, sagte Nufer “Enorm”.

Auch die Zahlen sprechen für das Projekt, Nufer erklärte: “Eine Vorher-Nachher-Befragung des GAIA-Instituts hat ergeben, dass der monatliche Verbrauch von Plastiktüten in Billerbeck um mehr als 60 Prozent gesunken ist.”

Das ist ein starkes Signal, dass es auch mit viel weniger Plastik geht, wenn man nur will.

Jeder Deutsche verbrauchten bislang laut Umweltbundesamt im Schnitt 70 Tüten pro Jahr, bis 2025 sollen es nur noch 40 pro EU-Bürger sein. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfen Geschäfte in Deutschland seit Juli 2016 Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgeben - abgesehen von den dünnen Tütchen für Obst und Gemüse.

"Man sollte nun über die Plastiktüte hinausdenken, sie ist nur ein Symbol"

Nufer hat sich nun schon ein neues Ziel gesetzt: “Wir sollten allerdings nun über die Plastiktüte hinausdenken, sie ist ja nur ein Symbol", sagte er zu "Enorm". "Als nächstes knöpfen wir uns Plastikflaschen und Verpackungen von Lebensmitteln vor. Sie zerstören unendlich viel mehr Leben in den Weltmeeren als die gemeine Plastiktüte.”

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(sk)

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