"Gefühl der Machtlosigkeit": BVB-Coach rechnet mit UEFA-Funktionären ab

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  • Nach dem Spiel gegen Monaco rechnet BVB-Coach Tuchel mit der UEFA ab
  • Der Verband hatte sofort nach dem Anschlag auf die Mannschaft ein neues Spiel angesetzt
  • Die UEFA-Funktionäre hätten keine Rücksicht auf die traumatisierten Fußballer genommen, sagt der Trainer
  • Thomas Tuchels Abrechnung mit dem Fußballverband UEFA seht ihr oben im Video

Nach dem verlorenen Champions-League-Spiel gegen Monaco hat Dortmunds Trainer Thomas Tuchel ungewöhnlich offen mit dem Fußballverband UEFA abgerechnet.

Das Viertelfinal-Hinspiel gegen AS Monaco war nach der Sprengstoffattacke auf den Mannschaftsbus des BVB am Dienstag abgesagt und umgehend für Mittwochabend neu angesetzt worden. Unter dem Eindruck der schockierenden Ereignisse verloren die Dortmunder die Partie 2:3. Tuchel kritisierte die Europäische Fußball-Union (UEFA) anschließend.

"Als ob eine Bierdose unseren Bus getroffen hätte"

Bereits eine halbe Stunde nach dem Anschlag sei er per SMS von der UEFA informiert worden, dass das Spiel am Abend des nächsten Tages stattfinden sollte. Auf die Gefühle der Spieler hatte der Verband im schweizerischen Nyon dabei offenbar wenig Rücksicht genommen.

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"Im Grunde genommen hatte wir das Gefühl, als würden wir behandelt, als ob eine Bierdose unseren Bus getroffen hätte und eine halbe Stunde später war die Entscheidung da, dass es morgen um 6:45 Uhr stattfinden würde", sagte Tuchel. "Das gibt dir ein Gefühl der Machtlosigkeit."

Trotz des engen Zeitplans waren die Dortmunder der Ansicht, dass das Spiel auch auf einen späteren Zeitpunkt hätte verlegt werden können. Das Rückspiel findet am nächsten Wochenende in Monaco statt.

"Es war eine furchtbare Erfahrung für uns alle"

"Wir wurden nicht auf dem Spielfeld attackiert, sondern im Bus, als Menschen", sagte Tuchel in einem Fernsehinterview mit dem Norweger Jan Aage Fjortoft.

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"Natürlich hat dies einen Effekt und es war eine furchtbare Erfahrung für uns alle. Wir wollten ein bisschen mehr Zeit haben, um dies zu verarbeiten. Wir haben die Zeit nicht bekommen", sagte der Coach weiter.

"Das Team wollte so dringend ein bisschen Zeit, um damit fertig zu werden, so dass wir in unserer besten Form sind, denn der Traum ist das Halbfinale in Europa. Wir hatten das Gefühl, dass wir nicht in der besten Form sind, nicht fokussiert genug auf Fußball. Wer kann uns das übel nehmen? Niemand", erklärte Tuchel die Niederlage im ersten Viertelfinal-Spiel.

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"Ich habe ein bisschen mehr Erfahrung als meine Spieler und ich habe ihnen gesagt, sie sollten sich nicht so viele Sorgen machen, versuchen, nicht so viel darüber nachzudenken, es macht es nicht besser", sagte Tuchel.

Er füge hinzu: "Jeder hat das Recht, damit auf seine Art fertig zu werden. Wenn du darüber reden willst, rede. Wenn du schweigen willst, schweige. Wenn du eine Umarmung brauchst, werde ich dich umarmen oder du findest jemand zu Hause, der dich umarmt."

BVB-Spieler Sahin: "Wir sind auch nur Menschen"

Auch der BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin wollte nicht so schnell auf das Feld zurück. "Ich weiß nicht, ob die Menschen das verstehen, aber bis ich auf dem Spielfeld war, in der zweiten Hälfte, habe ich nicht über Fußball nachgedacht, um ehrlich zu sein", sagte Sahin nach dem Spiel.

"Ich weiß, dass Fußball sehr wichtig ist. Wir lieben Fußball, wir leiden für den Fußball, wir verdienen viel Geld und führen ein privilegiertes Leben. Aber wir sind Menschen, und es gibt so viel mehr als Fußball in der Welt - und am Dienstagabend haben wir das gespürt", sagte Sahin sichtlich bewegt im Interview.

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(ll)