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11/04/2017 11:58 CEST | Aktualisiert 11/04/2017 12:07 CEST

Red-Bull-Chef Mateschitz will Wutbürgern Flügel verleihen - und plant eigene Nachrichtenseite

Reuters Photographer / Reuters
Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz

Was Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz anpackt, das gelingt.

So war es mit seiner Brausemarke Red Bull, die weltweit führend in Sachen Energy Drinks ist. So war es mit dem Fußballklub RB-Leipzig, der im kommenden Jahr wohl in der Champions League spielt. So war es mit seinem Fernsehkanal Servus TV.

Und jetzt will Mateschitz, dessen Vermögen Insider auf rund 12 Milliarden Euro schätzen, eine Nachrichtenseite im Internet gründen. Es ist ein Plan, der Anlass zur Sorge gibt.

Mateschitz stört sich an der "Political Correctness"

In einem seiner seltenen Interviews wetterte er am Wochenende in der österreichischen “Kleinen Zeitung” gegen das “Meinungsdiktat des politisch Korrekten”, gegen eine “Politik, die sich in politischer Correctness ergeht” und gegen eine “selbsternannte sogenannte intellektuelle Elite”.

Sein Blatt soll also der Gegenentwurf dazu werden. Der sperrige Name: “Quo Vadis Veritas” (Wo gehst du hin, Wahrheit?). Die Frage ist Programm: Die laut Mateschitz “multimediale, öffentlich zugänglichen Rechercheplattform“ soll der Wahrheitsfindung dienen.

"Bullbart" könnte die Medienlandschaft aufmischen

Weiter merkt er mit düsterem Unterton an, dass die Menschen in Österreich nicht mehr “die Wahrheit” sagen könnten.

Eine dieser vermeintlichen Wahrheiten laut Mateschitz: Europa drohe eine Völkerwanderung, die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 sei nur ein erster Vorgeschmack gewesen.

Der Staat wolle den “unmündigen, kritiklosen und verängstigten Bürger”, poltert Mateschitz weiter.

Die Medien, so liest es sich zwischen den Zeilen in dem Interview, unterstützten den Staat bei dieser Mission. Die Journalisten der “Kleinen Zeitung” fühlten sich in ihrem Interview an die Rede eines “Wutbürgers” erinnert.

Marktlücke für wütende News

In Österreich kursiert schon der alternative Name “Bullbart” für das Nachrichtenprojekt des Milliardärs. In Anlehnung an die rechte Hetzseite “Breitbart News”, die mit ihrer Berichterstattung zum Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump beigetragen hatte.

Noch wird Mateschitz - auch in Deutschland - für seine Idee eher belächelt.

Dabei könnte seine Nachrichtenseite die Medienlandschaft auf den Kopf stellen.

Gesellschaften sind gespalten

Denn bisher fehlt im deutschsprachigen Raum ein rechte Nachrichtenseite, die auf der Höhe der Zeit ist. Mateschitz könnte mit seinem Projekt, für das er bekannte österreichische Journalisten rekrutiert hat, also in eine Marktlücke stoßen.

Rechte Medien wie die “Junge Freiheit” sprechen mit ihrem intellektuellen Ton eher die rechten Professoren und Vordenker der neuen Rechten an. Billige Hetzseiten wie “PI-News” scheinen vom Look eher den 1990ern entstiegen und aus der Zeit gefallen.

Ein Äquivalent zu dem extrem erfolgreichen (und optisch gut gemachten) "Breitbart News" gibt es bisher nicht. Pläne der Amerikaner, nach Europa zu kommen, scheinen sich zerschlagen zu haben.

Jetzt könnte Mateschitz die Lücke füllen.

Und das sind keine guten Nachrichten. Denn in Folge der Flüchtlingskrise sind die Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz - die der Red-Bull-Chef mit seinem Projekt im Blick hat - gespalten wie lange nicht.

Das Vertrauen in die Politik und Medien ist bei vielen Menschen erschüttert. Statt konstruktivem Dialog regieren bösartiger Streit und Hetze.

Mateschitz wird den Wutbürgern Flügel verleihen

Ein Portal nach dem Vorbild von Breitbart würde diese für die Demokratie gefährlichen Tendenzen nur verstärken. Vor allem, weil Nachrichten, wie sie Breitbart produziert, im Durchlauferhitzer der sozialen Netzwerke an Gefährlichkeit gewinnen.

In Anlehnung an den Werbespruch von Red Bull: Mateschitz wird den Wutbürgern Flügel verleihen.

Mateschitz hat mit seinem Interview und mit seiner Ankündigung im Nachrichtengeschäft mitzumischen, schon eines geschafft: Die Rechten in Österreich jubeln ihm zu.

Und so viel ist auch klar: Auch viele Leser aus Deutschland sind seiner Nachrichtenseite sicher.

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(sk)