Albtraum Szenario für Europa: Wie ein Ultra-Linker die Frankreich-Wahl aufmischt

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MELANCHON
Albtraum Szenario für Europa: Wie ein Ultra-Linker die Frankreich-Wahl aufmischt | NurPhoto via Getty Images
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  • Der Ultra-Linke Jean-Luc Melenchon holt in Frankreich in den Umfragen auf
  • Für die EU könnte es gefährlich werden, wenn er neben der Rechten Le Pen die Stichwahl erreicht

Im französischen Wahlkampf deutet sich laut aktuellen Umfragen eine handfeste Überraschung an: Der ultra-linke Politiker Jean-Luc Melenchon holt stark auf und könnte sogar in die Stichwahl einziehen.

Laut einer aktuellen Umfrage vom Dienstag für die Zeitschrift “Paris Match” und den Radiosender Sud Radio liegt Melenchon in der Wählergunst jetzt mit 19 Prozent der Stimmen auf dem dritten Platz.

Damit rückt er nah an den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron und die Rechtspopulisten Marine Le Pen.

Andere Umfragen sehen zwar Melenchon noch auf dem vierten Platz.

Aber das Momentum spricht für den Sozialisten: Er hat in den vergangenen Wochen ganze 7 Prozentpunkte in den Umfragen gut gemacht, Macron und Le Pen haben in der Zeit leicht verloren.

Auf Europa kommt damit ein Albtraum-Szenario zu: Nämlich wenn es Melenchon neben Le Pen in die Stichwahl schaffen würde. Die beiden wären für die EU eine Wahl zwischen Pest oder Cholera.

Melenchon ist erst auf den zweiten Blick gefährlich

Dass Le Pen Frankreich lieber heute als morgen aus der EU führen würde, ist bekannt. Auch, dass sie den Euro abschaffen und zum Franc zurückkehren will. Außerdem will sie Frankreichs Grenzen schließen und den gemeinsamen Handel auf Eis legen.

Melenchon begann seine politische Karriere zwar als Trotzkist. Aber mit seiner Vergangenheit hat er gebrochen und kommt auf den ersten Blick für viele sympathischer als Le Pen daher:

Er will Milliarden investieren, um eine grüne Wirtschaft zu etablieren und Jobs zu schaffen. Er ist radikaler Pazifist. Und er will die Sparzwänge in Europa beenden.

All das klingt auf den ersten Blick nicht weiter besorgniserregend. Doch Melenchon droht auch mit EU-Austritt, falls die Sparauflagen in Europa nicht gelockert werden.

Und französische Unternehmer sehen in seinem Wirtschaftsprogramm keine Ideen, um die angeschlagene Wirtschaft in dem Land dauerhaft zu modernisieren.

"Absolute Katastrophe"

Der Chef der einflussreichen Industrieorganisation Medef, Pierre Gattaz, nennt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sowohl Le Pens als auch melenchons Programm eine “absolute Katastrophe”.

Frankreichs Arbeitsmarkt leidet seit Jahren an Überregulierung - die Unternehmen stellen kaum junge Menschen ein, weil sie Angst haben, sie im Fall einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise nicht wieder kündigen zu können.

Melenchon wird diese Hürden kaum abbauen. Schon jetzt gilt Frankreich als kranker mann in Europa - eine schwere Wirtschaftskrise in dem Land könnte den Euro ebenso wie die die Griechenlandkrise in schwere Turbulenz stürzen.

Die Gründe für Melenchons Aufholjagd kurz dem ersten Wahlgang am 24. April sind naheliegend. Frankreich wird von Justizskandalen um seine Top-Politiker erschüttert. Sowohl der Konservative Francois Fillon, als auch Macron und Le Pen stehen im Fokus der Ermittler.

Es geht um Scheinbeschäftigung von Verwandten und Freunden (Fillon, Le Pen) und Deals für Bekannte (Macron).

Melenchon fällt es da leicht den Saubermann zu spielen, der gegen eine korrupte Elite austeilen kann. Hinzu kommt: Er ist ein begnadeter Redner und begeistert regelmäßig bei Wahlkampfveranstaltungen Zehntausende Franzosen.

In den anderen europäischen Hauptstädten beobachtet man das mit Sorge. Auch die deutsch-französische Freundschaft steht auf dem Spiel. Immerhin twitterte Melanchon einst "Maul zu, Frau Merkel" und erklärte: "Wer Lust am Leben hat, will kein Deutscher sein".

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