Sie wollte die Kinder nicht impfen lassen: Frau verliert Gerichtsprozess gegen ihren Mann

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Impfungen sind eine der größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin. | iStock
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Impfen ist ein Reizthema - nicht nur in Deutschland. Dass auch Paare in der Frage, ob ihre Kinder geimpft werden sollen, nicht immer einer Meinung sind, zeigt jetzt ein brisanter Fall aus Großbritannien.

Eine Mutter weigerte sich, ihre Kinder einer wichtigen Routine-Schutzimpfung zu unterziehen.

Die eigene Überzeugung über das Wohl und die Gesundheit anderer Menschen, insbesondere der eigenen Kinder zu stellen, wollte der Vater der beiden Kleinkinder allerdings nicht hinnehmen - und griff zu einem drastischen Mittel: Er verklagte seine Ehefrau.

Das Gericht entschied zum Wohl der Kinder

"Es ist nicht natürlich, mit Metallnadeln irgendwelche Injektionen zu bekommen", begründete die Mutter ihr Verhalten vor Gericht. "Als Veganer geht es gegen meinen Glauben, dass meinen Kindern etwas verabreicht wird, dass aus tierischen Zellen besteht oder an Tieren getestet wurde."

Doch die Argumente, ihre beiden Söhne, zwei und vier Jahre alt, nicht der wichtigen Kinderimpfung gegen Polio, Diphtherie, Meningitis, Masern und Mumps zu unterziehen, waren für die Richter des Obersten Gerichtshofs in England nicht stark genug.

Sie warfen der Frau grobe Fahrlässigkeit vor. Das Gericht entschied zugunsten des Vaters.

"Es tut mir wirklich leid, dass die Mutter unsere Entscheidung nicht versteht, doch die Sachlage ist nun mal klar“, sagte der Richter Mark Rogers der britischen Zeitung "Independent“.

"Ihre Körper sind frei von Giften - und das soll auch so bleiben"

Die Mutter, deren Name nicht bekannt ist, um die Anonymität der Kinder zu schützen, behauptete vor Gericht, Impfungen förderten das Risiko von schweren Erkrankungen eher als dass sie die Kinder davor schützten - ein Argument, das viele Impfgegner anbringen, von Experten und Ärzten aber schon vielfach widerlegt wurde.

"Meine beiden Söhne haben ein sehr starkes Immunsystem, das sie vor diesen Krankheiten bewahrt“, sagte sie den Richtern. Da sie selbst überzeugte Veganerin sei und auch ihren Kindern nur "natürliches Essen frei von jeglichen Giften“ verabreiche, wisse sie auch, dass Schutzimpfungen nicht vegan seien. "Ihre Körper sind völlig frei von Giften“, sagte sie. "Und das soll auch so bleiben.“

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Der Fall ging bis vor den Obersten Gerichtshof Englands. Credit: iStock

Die Mutter habe keinen Arzt finden können, der ihre Thesen vor Gericht verteidigte, sagte Richter Rogers dem "Independent“. "Ich habe große Bedenken hinsichtlich des verantwortungsvollen und objektiven Handelns der Mutter gegenüber ihren Kindern."

Auch der Vater meldete sich zu Wort

Der Vater der Kinder bezeichnete seine Lebensgefährtin vor Gericht als "obsessiv und engstirnig“. Sie verweigere sich aus Prinzip jeder konventionellen Medizin und lasse noch nicht einmal zu, dass ihre Kinder Medikamente auf der Basis von Paracetamol erhielten.

Paracetamol ist ein schmerzstillender und fiebersenkender Arzneistoff und ist seit 1977 von der WHO als "unentbehrliches Arzneimittel“ eingestuft.

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Impfungen zählen zu den größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin. Doch obwohl der gesundheitliche Nutzen von Impfungen durch viele Studien zweifelsfrei belegt ist, haben weltweit circa 19 Millionen Kinder einen unzureichenden Impfschutz gegen weit verbreitete Infektionskrankheiten.

Besonders alarmierend ist die Sterblichkeitsrate bei den Kindern unter fünf Jahren: Mit Impfungen hätte jedes fünfte Kind, das gestorben ist, möglicherweise gerettet werden können.

Durch den Gerichtsbeschluss erhalten nun die beiden Kinder die lebenswichtige Schutzimpfung. Wie hoch die Strafe für das fahrlässige Handeln der Mutter ausfällt, ist allerdings nichts bekannt.

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(lk)

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