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11/04/2017 17:44 CEST | Aktualisiert 11/04/2017 17:48 CEST

Berliner Lehrerin darf keine Kette mit Kreuz tragen – und das ist nur gerecht

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Einer Berliner Lehrerin wurde verboten, im Unterricht eine Kette mit Kreuz zu tragen.

Ein Kopftuchverbot für Deutschland: Seit Jahren streiten Politiker und Bürger über das heikle Thema.

Besonders im öffentlichen Dienst ist das religiöse Symbol ein Streitthema. In Berlin gibt es daher seit 2005 das Neutralitätsgesetz: die wohl strengste Regelung zum Kopftuch in Deutschland.

Es verbietet neben Lehrern auch "Beamtinnen und Beamten, die im Bereich der Rechtspflege, des Justizvollzugs oder der Polizei beschäftigt sind" das Tragen religiöser Symbole. Den muslimischen genauso wie den christlichen.

Was das für Auswirkungen hat, musste nun eine deutsche Lehrerin erfahren. Der evangelischen Lehrkraft wurde das Tragen ihrer Kreuz-Halskette im Unterricht per Dienstanweisung verboten. Der Fall sorgt für Aufruhr.

Kein Kopftuch für Muslime = kein Kreuz für Christen

Konservative finden: Dieser Eingriff in ihre Religionsfreiheit geht zu weit! Dabei ist das Verbot nur gerecht. Denn auch Kopftuchträgerinnen wird in Berlin die Arbeit an Schulen verwehrt, wie der Fall einer Grundschullehrerin vergangenen Jahres zeigte.

Viele werden jetzt schreien: Das kann man doch gar nicht vergleichen. In Deutschland ist nunmal das Christentum verankert. Nicht der Islam.

Viele werden jetzt wieder mit zweierlei Maß messen. Das ist ja auch viel bequemer. Und genau das ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft.

Gerechtigkeit lässt sich nicht mit zweierlei Maß messen. Sie muss allen zu gleichen Maßen zuteil werden. Muslimischen Lehrern genauso wie evangelischen, katholischen oder jüdischen.

In einer Bildungseinrichtung darf es nicht darum gehen, zu welchem Gott der Lehrer betet. Es muss darum gehen, was den Schülern beigebracht wird. Neben mathematischen Formeln oder chemischen Verbindungen sollten sie nämlich auch lernen, was Toleranz bedeutet.

Wir müssen von Verboten Abstand nehmen

Deshalb ist die Entscheidung, Kreuze aus dem Unterricht zu verbannen, zwar gerecht. Aber nicht die Optimal-Lösung.

Denn der Idealfall wäre doch: Kinder werden in ihrem Alltag mit unterschiedlichen Kulturen konfrontiert. Sie lernen, Menschen nicht nach Kreuz oder Kopftuch zu beurteilen. Sie lernen sofort, dass gleiches Recht für alle gilt.

Wichtig ist nicht, ob jemand eine Burka oder eine Kutte trägt. Wichtig ist, was unter dem Gewand steckt. Wer unsere Kinder durch das Verbieten von Symbolen von dieser Erkenntnis abhalten will, macht einen Fehler.

Denn letztlich sind sie genau das: Symbole. Nicht mehr.

Mehr zum Thema: "Ich sehe, Sie tragen Kopftuch": Was mich meine Vorstellungsgespräche über Deutschland gelehrt haben

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(lp)

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