Front-National-Chefin Le Pen zeigt im französischen Fernsehen ihr wahres Gesicht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MARINE LE PEN
"Sie zeigt ihr wahres Gesicht": Rechtspopulistin Le Pen empört mit Aussage über Judenverfolgung | ALAIN JOCARD via Getty Images
Drucken
  • Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hat mit einer Aussage über die Judenverfolgung in Frankreich für Empörung gesorgt
  • Ihr Herausforderer Macron sagte, sie habe nun ihr "wahres Gesicht" gezeigt

Knapp zwei Wochen vor der französischen Präsidentenwahl hat die Rechtspopulistin Marine Le Pen für einen weiteren Skandal gesorgt. Mit einer Äußerung über die Judenverfolgung in Frankreich empörte sie französische Politiker.

Ihre kontroverse Aussage im französischen Fernsehen: Frankreich sei nicht verantwortlich für die Razzia des Vélodrome d’Hiver in Paris. In der Nacht auf den 17. Juli 1942 nahmen französische Polizisten damals mehr als 13 000 Juden fest, darunter mehr als 4000 Kinder. Paris war von deutschen Truppen besetzt.

Le Pen rechtfertigte die absurde Aussage damit, dass die Vichy-Regierung im Zweiten Weltkrieg “nicht Frankreich” gewesen sei. Das Regime arbeitete damals mit den Nazis zusammen.

"Das ist das wahre Gesicht der Rechten"

Israel verurteilte die Äußerungen zur Judenverfolgung. Sie widerspreche der historischen Wahrheit, teilte das Außenministerium mit.

Auch ihr Herausforderer Emmanuel Macron kritisierte Le Pen am Montag. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er: "Madame Le Pen macht einen schweren politischen und historischen Fehler. Das ist das wahre Gesicht der extremen französischen Rechten, die ich bekämpfe."

Die Beteiligung des Regimes von Vichy war in Frankreich jahrzehntelang ein Tabu-Thema. Erst der französische Präsident Jacques Chirac hatte sich für die Massenverhaftung von Juden in Frankreich öffentlich entschuldigt.

In den Fußstapfen ihres Vaters

Der Vater von Le Pen und Gründer ihrer Partei Front National, Jean-Marie Le Pen, hatte mehrfach mit verharmlosenden Äußerungen zum Nationalsozialismus und Holocaust für Schlagzeilen gesorgt. So bezeichnete er die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als “Detail” der Geschichte des Zweiten Weltkriegs.

Der konservative Präsident der Region Provence-Alpes-Côte-d-Azur, Christian Estrosi, warf Marine Le Pen dann auch vor, mit ihrer Aussage in die Fußstapfen ihres Vaters getreten zu sein.

Der Skandal-Wahlkampf

Die Franzosen wählen am 23. April den Nachfolger von Staatschef François Hollande, der nicht mehr antritt. In der entscheidenden Stichwahl am 7. Mai dürften sich laut Prognosen Le Pen und Macron gegenüberstehen, wobei dem unabhängigen Kandidaten die besseren Chancen eingeräumt werden.

Affären und Skandale haben den Wahlkampf in Frankreich überschattet. Dem konservativen Bewerber François Fillon belastet ebenso eine Affäre um Scheinbeschäftigung wie Le Pen.

Bisher haben die Skandale Le Pen allerdings nicht geschadet - im Gegensatz zu Fillon.

Mehr zum Thema: Warum in Frankreich, den Niederlanden und Italien so viele junge Menschen EU-kritische Parteien wählen

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lp)

Korrektur anregen